Sieben Mal soll Roy Sullivan vom Blitz getroffen worden sein, sieben Mal hat er den Einschlag überlebt: Erst verlor er den Nagel seines großen Zehs, dann eine Augenbraue, als nächstes versengte ein Blitz seine linke Schulter, dann schmorten die Haare auf Kopf und Beinen, beim sechsten Mal fuhr der Blitz ihm in den Knöchel – und der siebte Treffer verbrannte Roy Sullivans Oberkörper. Das schreibt zumindest das Guinnesbuch der Rekorde über den amerikanischen Nationalpark-Ranger.

Auch wenn das alles so stimmt, ist Sullivan eine extreme Ausnahme. Bloß 300 Menschen werden in den USA jährlich von einem Blitz getroffen – einmal wohlbemerkt. In Deutschland sind es sogar noch weniger: Zwischen 50 und 100 Fälle sind es pro Jahr, schätzen Experten. Belastbare Zahlen gibt es nur für Blitz-Todesfälle: Fünf bis zehn Menschen sterben daran, also ungefähr einer von zehn Getroffenen.

So zu enden, ist damit so wahrscheinlich, wie einmal im Leben sechs Richtige im Lotto zu haben, bei einem Lotterieschein pro Jahr. Sehr unwahrscheinlich also. Aber wenn es doch passiert, dann ist es lebensgefährlich.

Nur wenige Blitze rasen zur Erde und schlagen ein

"Blitze sind Kurzschlüsse in der Atmosphäre", erklärt Gerhard Lux, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Wolken bestehen vor allem aus kondensiertem Wasser, Hagel und Eis. Diese Teilchen bewegen sich ständig auf und ab. Weil sie dabei aneinander reiben, laden sie sich elektrisch auf. "Am oberen Ende der Wolke sammeln sich positiv geladene Teilchen, am unteren negativ geladene", sagt Lux. "Dann versucht die Atmosphäre die Dinge wieder ins Gleichgewicht zu bringen." Strom entlädt sich, es blitzt. Die meisten Blitze bleiben in den Wolken stecken, nur ein kleiner Teil rast zur Erde und schlägt dort ein: in Deutschland pro Jahr zwischen 200.000 und 400.000 Mal (siehe Karte).

Im Zickzackkurs steuert ein Blitz kilometerweit gen Boden. Kurz vor dem Einschlag springen ihm Fangladungen entgegen, die ihn im letzten Moment in eine bestimmte Richtung lenken. Sie kommen meist von hohen Bauten, wie Kirchtürmen oder Stromleitungen. Im flachen Gelände, auf einem weitläufigen kahlen Golfplatz, über einem See oder einem Fußballplatz etwa können das aber auch Menschen sein. Deshalb sollte man sich bei Gewitter nicht auf freier Fläche aufhalten. (Weitere Tipps, wie sie sich schützen, finden Sie in unserer Kartengeschichte).

Die Luft wird kochend heiß und explodiert

Wenn es einschlägt, entlädt sich für den Bruchteil einer Sekunde ein gewaltiger Strom. Die Luft erhitzt sich auf 30.000 Grad Celsius und explodiert, es wird hell und knallt. Blitz und Donner. Von dort, wo der Blitz eingeschlagen hat, breitet sich eine Druckwelle aus, der Strom des Blitzes fließt weiter; wie ein Ring im Wasser zieht er einen konzentrischen Kreis.

Breno Machado/unsplash.com
Aaaah! Blitz, Donner, aber keine Ahnung?

Aaaah! Blitz, Donner, aber keine Ahnung?

Auf Bauernregeln vertrauen, wenn es ums pure Überleben geht: besser nicht. Das tun Sie bei Gewitter!

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© Johannes Plenio/unsplash.com
Locker bleiben

Locker bleiben

Keine Angst. Vom Blitz getroffen zu werden ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto – wenn Sie einmal im Jahr mitspielen.

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Blitzschlag

Kommt aber vor! Wie oft eigentlich?

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Falsch

Maßlos übertrieben. Zwischen 50 und 100 Menschen trifft in Deutschland pro Jahr ein Blitz. Etwa jeder Zehnte davon überlebt das nicht.

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© Matt King/Getty Images
Den Tod herausfordern?

Den Tod herausfordern?

Bei Blitz und Donner weiter Fußball spielen, schwimmen, golfen: Das ist schon ziemlich riskant. Was Sie stattdessen machen? Kommt jetzt!

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Bitte nicht!

Sorry, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Volksweisheiten. Auf keinen Fall bei Gewitter unter einem Baum herumstehen. Ganz gleich unter welchem!

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Faradayscher Käfig

Auch Überrollbügel und Gestänge einer Cabrio-Karosserie leiten einen Blitz ab. Wichtig: Dach schließen, sobald das Gewitter aufzieht. Und nichts anfassen.

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Einen Menschen kann es deshalb gleich dreifach erwischen: mit Strom, Hitze und Druck. Wie heftig die Folgen sind, hängt vom Einschlag ab. "Am gefährlichsten ist der direkte Treffer", sagt Fred Zack, Privatdozent für Rechtsmedizin am Uniklinikum Rostock. Noch dazu, wenn der Blitz direkt in den Kopf einschlägt und durch den gesamten Körper zum Boden zieht. "Viel häufiger aber sind indirekte Treffer", erklärt Zack. Etwa, wenn auf einem Festival Leute vor der Bühne stehen, ein Blitz in einen Lichtmast einschlägt und sich die Elektrizität über den Boden ausbreitet, ein Blitzschlag über einen Gegenstand wie einen Golfschläger übertragen wird oder von einem nahegelegenen Baum überspringt.