Uruguay hat ein weltweit einzigartiges Projekt der Cannabis-Legalisierung gestartet. In dem südamerikanische Land wird Gras in Apotheken nun frei verkauft – auch ohne Rezept. Die eigens dafür gezüchtete Cannabisblüte kommt nicht vom Schwarzmarkt, sondern wird von staatlich beauftragten Unternehmen angebaut. Damit will die linke Regierung Uruguays den Schwarzmarkt zurückdrängen und den Drogenkonsum regulieren. "Es handelt sich um ein Modell der streng regulierten Abgabe, in dem Preis, Menge und Qualität der Droge in staatlicher Hand sind", sagte der Initiator des Gesetzes, Julio Calzada, im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Alle Kiffer müssen sich beim Staat registrieren und mit einem elektronischen Fingerabdruck identifizieren. Nur Uruguayer und Menschen, die seit mindestens einem Jahr in dem Land leben, können Gras in der Apotheke kaufen. Touristen nicht. Uruguay wolle kein Urlaubsziel für Kiffer sein, sagte Calzada.

Sie können dann bis zu zehn Gramm Blüten pro Woche kaufen. In Uruguay wird Cannabis pur geraucht und kein Tabak zugemischt. Daher gehen Experten davon aus, dass zehn Gramm für rund zehn Joints reichen, auch wenn die genaue Dosierung vom Geschmack des Einzelnen abhängig ist.

© Christopher Furlong/Getty Images
Wie Cannabis Ihnen weniger schadet

Wie Cannabis Ihnen weniger schadet

Legal oder nicht, viele Leute kiffen. Sie sollten die Risiken wenigstens gut kennen. 12 Hinweise für den Konsum und was Sie lassen sollten.

Laden …

Cannabis-Tipps

Das sind unsere Quellen

Laden …

ZEIT ONLINE arbeitet mit dem Global Drug Survey zusammen, der weltweit größten Umfrage unter Drogennutzern. Fast 40.000 Cannabiskonsumenten gaben an, wie sie negative Folgen zu verringern versuchen. Zusammen mit Suchtexperten sind daraus Tipps zum Gebrauch entstanden.

Laden …
Laden …

#1 – Nicht anfangen

Ohne Risiko

Jede Droge schadet, Cannabis ist keine Ausnahme. Trotzdem ist Gras der am häufigsten konsumierte verbotene Stoff. Nur zu sagen, dass man es besser lassen sollte, schreckt nicht alle ab. Sicher kiffen? Unmöglich. Weniger schädlich geht aber schon.

Laden …
Laden …

Nach Angaben des staatlichen Cannabis-Institutes haben sich bisher knapp 5.000 Bürger für den Kauf registriert. Etwa 70 Prozent seien Männer, die meisten im Alter zwischen 30 und 44 Jahren. Das Gramm Marihuana kostet in der Apotheke knapp 1,30 Dollar und ist damit billiger als beim Dealer. 

Staatlicher Drogenanbau

Ziel des Gesetzes ist es, illegalen Drogenhändlern das Geschäft zu verderben. Es wird geschätzt, dass dem illegalen Markt damit mindestens sieben Millionen Dollar im Jahr entzogen werden können. Das Gesetz wurde 2013 während der Präsidentschaft des früheren linken Guerillakämpfers José Mujica beschlossen, wegen Umsetzungsproblemen verzögerte sich der Verkaufsstart mehrfach. Anders als in den Niederlanden, wo der Verkauf in privaten Coffee-Shops lediglich toleriert wird und das Gras aus einem illegalen Markt kommt, regelt Uruguay den gesamten Prozess staatlich. Zwei Firmen betreiben im Auftrag der Regierung den Marihuana-Anbau bei Montevideo. Sie dürfen jeweils zwei Tonnen pro Jahr anbauen.

Auch viele Apotheker wehrten sich gegen ihre neue Aufgabe, weil sie Überfälle von Drogenabhängigen befürchten. In dem drei Millionen-Einwohner-Land an der Grenze zu Brasilien und Argentinien bieten zunächst nur 16 Apotheken Marihuana an.

Für den legalen Konsum gibt es in Uruguay seit 2013 noch zwei weitere Möglichkeiten, für die man sich aber ebenfalls registrieren muss: Der Anbau von bis zu sechs Hanfpflanzen zu Hause oder die Mitgliedschaft in einem Club, der gemeinsam Hanfpflanzen anbaut und jedem Mitglied bis zu 480 Gramm Eigenkonsum im Jahr gestattet. 

Rund 55.200 regelmäßige Kiffer gab es im vergangenen Jahr in Uruguay – das sind zwei Prozent der Bevölkerung. Es werden aber mehr, wie in vielen anderen Ländern der Welt. Während die Befürworter des Gesetzes betonen, sie hätten mit der legalisierten Abgabe der Droge nur auf eine Realität reagiert und würden den Freizeitkiffer vor dem Schwarzmarkt beschützen, befürchten Kritiker Folgen vor allem für den Jugendschutz. "Das ist das Horrorszenario: dass der Staat Uruguay seine eigene Jugend unter Drogen setzt und dabei noch den Preis für die Droge mit umgerechnet 1,20 Euro pro Gramm staatlich subventioniert und niedrig hält", sagte der uruguayische Kriminologe Pablo Galain kürzlich im Interview mit der ZEIT.

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Drogen im Check – ein Glossar in einer optimierten Fassung.

Alles zum Thema Drogen, ihren Risiken und wie Mediziner die Folgen einschätzen, lesen Sie auf dieser Seite.