Da bleiben im Normalfall eine bis anderthalb Stunden für Körperpflege und Essen, morgens und abends zusammen. Das sind ab Betreten der Wohnung für viele 30 bis 45 Minuten wache Zeit, um noch auf acht Stunden im Bett zu kommen. Theoretisch ist das möglich, praktisch ein Kunststück. Mit einem vollen Magen schläft man schlechter ein. Deshalb ist es sinnvoll, nach dem Essen noch etwas aufzubleiben. Da kann man sich sogar noch kurz mit dem Partner austauschen, das fördert nebenbei das seelische Gleichgewicht. Die Kehrseite der Rechnung: Den meisten betroffenen Beschäftigten erlauben elf Stunden Ruhezeit entweder Abendessen oder acht Stunden Schlaf. Eine kürzere Ruhezeit würde diese Relation weiter verschlechtern.

Doch Laumann geht es ja um das digitale Homeoffice, und seine "junge Mutter" dort hat keine Wegezeiten. Stimmt also, was er im Subtext sagt: Immer dann arbeiten, wenn das Kind schläft, wäre selbstbestimmt und einfach nur familienfreundlich?

Es stimmt nicht. Die Ruhezeit schützt auch den Schlaf der Homeoffice-Beschäftigten, gerade den junger Mütter oder Väter, und sogar den nachtaktiver Programmierer. Auch gegen ihre eigene Unvernunft. Es ist nicht möglich, vom Schreibtisch aufzustehen, sofort ins Bett zu gehen und gut zu schlafen. Zuerst muss man sich geistig von der Arbeit lösen und von Problemen erst recht. Wer das nicht ausreichend schafft, steht unweigerlich unter Spannung, geistig sowieso, meist auch emotional und körperlich. Jede Art von Anspannung aber erschwert das Einschlafen und verschlechtert den Schlaf (International Journal of Psychophysiology: Wuyts et al., 2012).

Abschalten jedoch erfordert Zeit, und zwar am Stück und mit Tätigkeiten, die ausdrücklich nichts mit der Arbeit zu tun haben (Journal of Organizational Behavior: Sonnentag und Fritz, 2015). Nicht zufällig waren zwei Homeoffice-Merkmale laut DAK-Gesundheitsreport 2017 bei Menschen mit Schlafstörung besonders häufig: ständige Erreichbarkeit und wechselnde Arbeitszeiten. Davor soll die Ruhezeit schützen. Ausnahmen in Krankenhäusern helfen Patienten, im Homeoffice niemandem.