Anhänger der Flache-Erde-Theorie betonen beispielsweise häufig, dass die Vertreter der Kugelerde stets Freimaurer oder Jesuiten gewesen seien. Betrachten wir, wie Lobbyisten Politiker beeinflussen, scheint es gar nicht so abwegig, dass eine mächtige Elite existiert, deren Vertreter alle zusammenarbeiten. Irgendwann wird diese Diskussion allerdings nicht mehr mit Argumenten geführt, sondern gleitet in einen ideologischen Bereich ab, der Fakten oder wissenschaftlichen Erkenntnismethoden nicht zugänglich ist. Anders ausgedrückt: Irgendwann sind Menschen gezwungen, an bestimmte Dinge zu glauben oder der Intuition zu vertrauen. 

Vieles läuft im Gehirn automatisch ab, damit wir nicht über jede Handlung oder Entscheidung ausführlich nachdenken müssen. Diese intuitive Steuerung ist emotionsgetrieben. Gezeigt hat das der Psychologe Daniel Kahneman, der den Wirtschaftsnobelpreis für seine Erweiterung von rationalen Entscheidungsmodellen um eine emotionale Komponente erhielt. Niemand trifft jemals eine Entscheidung unabhängig von seiner emotionalen Lage.

In den Verschwörungsglauben treiben vor allem Unsicherheit und Machtlosigkeit. Forscher haben allerdings eine Vielzahl an Faktoren gefunden, die mit dem Glauben an Verschwörungstheorien einhergehen können. So hat der Bildungsstand einen Einfluss, aber auch Aspekte wie Langeweile oder eine Neigung zum Verfolgungswahn wirken sich aus, ebenso politischer Extremismus sowie ein Bedürfnis nach Einzigartigkeit. Außerdem stehen Persönlichkeitsaspekte wie Narzissmus oder Selbstbewusstsein mit Verschwörungsglauben in Zusammenhang (Applied Cognitive Psychology: Van Prooijen, 2017 & Personality And Individual Differences: Brotherton & Eser, 2015 & Social Psychological And Personality Science: van Prooijen, Krouwel & Pollet, 2015 & European Journal of Social Psychology: Imhoff & Lamberty, 2017).

Der Verschwörung auf der Spur

Besonders eindrücklich ist das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2012. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, an eine Verschwörungstheorie zu glauben, wenn man auch an andere Verschwörungstheorien glaubt (Social Psychological and Personality Science: Wood, Douglas & Sutton, 2012). Das gilt insbesondere für sich widersprechende Theorien. Beispiel: Je mehr die Probanden davon überzeugt waren, dass Prinzessin Diana ihren Tod vorgetäuscht hat, desto sicherer waren sie, dass es Mord war. Ebenso stieg die Überzeugung, dass Osama Bin Laden noch lebt, wenn die Probanden gleichzeitig annahmen, dass er bereits tot war, als die US-Spezialkräfte sein Lager in Pakistan erreichten.

Das Problem ist: Wir wissen meistens nicht genau, was passiert ist. Es gibt eine offizielle Version, aber das ist auch nur eine von vielen möglichen Varianten. Die Gleichung hat oft so viele Variablen, dass wir zwangsläufig ins Grübeln kommen. Wenn Sie also testen möchten, wie weit Ihr eigener Verschwörungsglaube fortgeschritten ist, fragen Sie sich am besten drei Dinge: Ist die Theorie widerlegbar? Gibt es Argumente, die mich vom Gegenteil überzeugen würden? Stehen die Annahmen in grundsätzlicher Übereinstimmung mit naturwissenschaftlichen Gesetzen? Wenn Sie mindestens eine dieser Fragen mit "nein" beantworten, sind Sie womöglich der ganz großen Verschwörung auf der Spur.