Mag die Heavy noch so beeindrucken – den Rekord der weltweit stärksten Rakete hält eine andere: Sie brachte 1969 Buzz Aldrin und Neil Armstrong auf den Mond und deren Piloten Michael Collins immerhin in dessen Umlaufbahn: Die Mondrakete Saturn V.

Sie ist bis heute der massivste Kraftprotz, der jemals in den Weltraum flog: 111 Meter hoch, zehn Meter breit, 2.800 Tonnen schwer, mit einer Nutzlast von 130 Tonnen. Höher als Big Ben und deutlich höher als alle bisher gebauten Falcon-Modelle.

Vor 50 Jahren demonstrierte die Saturn V erstmals ihre Macht, als sie am 9. November 1967 die unbemannte Apollo-4-Kapsel in 190 Kilometer Höhe trug. Die USA wetteiferten damals mit Russland um die Vorherrschaft im All. Die Russen hatten bereits den ersten Satelliten – er hielt stand –, den ersten Hund – er starb – und den ersten Menschen – er überlebte – in den Weltraum geschickt. Eine spektakuläre Mission musste her, befand der damalige US-Präsident John F. Kennedy: Ein Amerikaner müsse auf dem Mond landen, bald. Die Saturn-V- Rakete machte es möglich.

Die Falcon Heavy soll nun von derselben Startrampe abheben, auf der einst die Saturn V ihre Spuren hinterließ. Wochenlang haben die Mitarbeiter Launchpad 39A dafür umgebaut. "Geschichte nutzen, um selbst welche zu schreiben – das ist eine beliebte Strategie von SpaceX", sagt Hupertz.

Heranreichen an die Mondrakete wird die Falcon Heavy dennoch nicht. Sie muss es auch gar nicht. "Die Saturn V wurde nur für einen Zweck entworfen: um Menschen auf den Mond zu bringen", sagt Hupertz. Die Heavy hat einen anderen Auftrag und verfügt – obwohl sie auf dem Papier zarter scheint – rein theoretisch über ausreichend Kraft, um die Menschheit weiter zu tragen als jede andere Rakete zuvor. Zum Mars zum Beispiel. "Bis dahin wird es wohl noch einige unbemannte Tests, erste bemannte Flüge in Erdnähe und so manch weitere technische Entwicklung brauchen", sagt der deutsche Raumfahringenieur.

Im Rennen zum Roten Planeten muss SpaceX vor allem einen der eigenen Auftraggeber im Auge behalten: den amerikanischen Staat. Die Nasa arbeitet derzeit am Space Launch System, einer Megarakete, die die Saturn V noch übertreffen könnte. Bisher hieß es immer, ein bemannter Flug einer Orion-Kapsel sei frühestens 2021 anvisiert – doch gerade erst hat US-Präsident Trump Druck gemacht: Er möchte, dass amerikanische Astronauten schon früher, am besten 2019, wieder ins All fliegen. Die Nasa muss jetzt prüfen, ob das machbar ist. Bisher war ein starkes Argument von Gegnern einer zunehmenden Privatisierung der Raumfahrt stets, dass rein privatwirtschaftliche Interessen schnell auf Kosten der Sicherheit von Menschen gehen könnten. Unter Druck des neuen Präsidenten muss sich jetzt aber auch die Nasa stärker als früher beeilen. Wie sehr – das hängt auch davon ab, ob Elon Musks Superrakete nun endlich bald abhebt. Und vor allem davon, ob sie heil wieder aufsetzen wird.