Aedes aegypti gehört zu den Gewinnern der Erderwärmung. Die Mücke breitet sich dank steigender Temperaturen in immer mehr Regionen aus. Ihr Stammgebiet ist der tropische Gürtel der Erde. Doch auch in Südeuropa, im südlichen Teil der USA und in Australien siedelt sie vermutlich schon. Zumindest erkranken überall dort Menschen am Dengue-Virus, den Aedes aegypti überträgt. Das Virus verursacht Übelkeit, hohes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen – wenn die Infektion leicht verläuft. In schweren Fällen kommt es zu Schockzuständen und Blutungen, die tödlich enden können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 50 bis 100 Millionen Menschen weltweit jährlich am Dengue-Fieber erkranken. Manche Studien gehen sogar von bis zu 400 Millionen Infektionen aus.

Eine nun veröffentlichte Untersuchung von 24 Institutionen, darunter die Weltgesundheitsorganisation sowie die Weltorganisation für Meteorologie, sagt voraus, dass die Infektionsraten mit dem fortschreitenden Klimawandel steigen könnten (Lancet, Watts et al., 2017). Laut WHO sorgte das Dengue-Fieber vor 1970 in nur neun Ländern für schwere Ausbrüche. Heute sind es bereits über 100 Länder, in denen sich Menschen regelmäßig infizieren. Und das ist noch nicht die größte klimabedingte Gesundheitsgefahr. Noch schlimmer sollen sich laut dem The Lancet Countdown on Health and Climate Change Ernteverluste durch steigende Temperaturen auswirken. Gerade in klimabedrohten Regionen, in denen Menschen zudem von selbst angebauten Lebensmitteln leben, droht laut der Studie Unterernährung. Denn für kleine Bauern ist es schwieriger ihre Landwirtschaft kurzfristig an neue Gegebenheiten anzupassen.

Die Erdtemperatur steigt, die Ernten gehen ein

Der weltweite Hunger ist laut der Analyse die größte gesundheitliche Auswirkung des Klimawandels im 21. Jahrhundert. Die Zahl der Hungernden ist global gesehen seit 1990 zunächst deutlich zurückgegangen, seit wenigen Jahren kehrt sich der Trend aber um. In 30 besonders armen und vom Klimawandel betroffenen Ländern in Asien und Afrika habe sich die Zahl der unterernährten Menschen seit 1990 sogar von 398 Millionen auf 422 Millionen erhöht, schreiben die Autoren. Die weltweite Weizenernte sinkt jedes Mal um sechs, die Reiserträge schwinden um zehn Prozent, sobald sich die Erdtemperatur um ein Grad erhöht. Wärmere Ozeane bedrohen zudem den Fischfang. Wenn die Fischbestände weiter sinken, schreiben die Autoren, drohe 1,4 Milliarden Menschen die Unterversorgung mit zentralen Mikronährstoffen wie Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Unterernährung und Denguemücken sind in Europa noch kein Thema. Ein Gesundheitsrisiko, das die Menschen hier bereits spüren, ist die Hitze. Die Autoren des Lancet-Berichts schreiben, dass weltweit im Jahr 2015 allein 175 Millionen Menschen über 65 Jahre Hitzewellen ausgesetzt waren. Gerade in dieser Altersgruppe können gesundheitlichen Folgen schwer sein. Alte und kranke Menschen reagieren empfindlicher, denn die Hitze belastet Herz, Kreislauf und Nieren. So drohen Hitzschläge, eine Vorerkrankung am Herz kann sich verschlechtern oder die Nieren nehmen Schaden, wenn der Körper zu wenig Wasser bekommt.

Extreme Hitze wird häufiger und gefährlicher

Welche Gefahr extrem warme Perioden auch nach Europa bringen können, zeigte sich etwa in der ersten Augusthälfte 2003. Da stiegen die Temperaturen auf Rekordwerte, mit einem Höchstwert von 47,3 Grad Celsius im portugiesischen Alentejo. Über einen Zeitraum von zwei Wochen kühlte es selbst nachts kaum ab. Zwischen 20.000 und 70.000 Menschen starben zusätzlich im Vergleich zu den Vorjahren. Experten gehen davon aus, dass dies auf die extreme Hitze zurückzuführen war. Für genaue Aussagen über Todesfälle als Folge steigender Temperaturen sind noch heute weitere Studien nötig. Bis 2050 könnte die Zahl der Menschen, die direkt an den Folgen von Hitzewellen leiden, aber immerhin eine Milliarde erreichen, schätzen die Forscher. 

Steigende Temperaturen haben außerdem zur Folge, dass körperlich und draußen arbeitende Menschen weniger produktiv sind. Besonders in wärmeren Regionen ist es an immer mehr Tagen zu heiß, um draußen zu arbeiten. Zwischen 2000 und 2016 habe die Arbeitsproduktivität unter Landarbeitern um 5,3 Prozent abgenommen, schreiben die Autoren. Besonders in wärmeren Regionen sei es an immer mehr Tagen zu heiß, um draußen zu arbeiten. Im Jahr 2016 verloren deswegen weltweit mehr als 920.000 Menschen ihre Jobs, allein in Indien 418.000. "Das ist gerade in landwirtschaftlich geprägten Gegenden von Bedeutung", so Anthony Costello, einer der WHO-Direktoren. "Die Stadien für die Fußballweltmeisterschaft in Katar werden nachts unter Flutlicht gebaut, das geht in der Landwirtschaft in Afrika nicht."