Was war vor dem Urknall? Warum hat es den Big Bang überhaupt gegeben, wie kann sich etwas aus dem Nichts ausbreiten? Und wieso gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Kein Thema beschäftigt unsere Leser mehr als das Universum, wie unser Aufruf gezeigt hat. Drei Stunden lang haben sich Forscher deshalb auf ZEIT ONLINE an Antworten auf die Frage versucht: Warum gibt es das Universum?

"Bei diesen fundamentalen Fragen frage ich mich persönlich ja nicht nur immer, wie die Antwort denn aussehen mag", schrieb der Astronom Florian Freistetter, "sondern vor allem ob wir überhaupt grundlegend in der Lage sind, diese Fragen zu beantworten." Denn, das stellten alle drei Blogger geich zu Beginn klar: Sehr vieles in der Kosmologie ist mindestens umstritten, wenn nicht gar vollkommen ungewiss.

Da ist zum Beispiel die Frage nach der Form des Universums. Das Problem: Wir sind mittendrin, können es also nicht von außen betrachtet. Entsprechend vielseitig sind die Möglichkeiten, seine Form zu erforschen: Zum Beispiel mithilfe der Geometrie, die wir in der Schule lernen – "da ist die Winkelsumme im Dreieck 180 Grad, und parallele Geraden schneiden sich nie", erklärt der Astrophysiker Markus Pössel. Oder aber es handelt sich bei der Form um die dreidimensionale Version dessen, was wir als Kugeloberfläche kennen. Oder: Es handelt sich um "die dreidimensionale Version dessen, was wir als Sattelfläche kennen". Und dann gibt es noch verschiedene Möglichkeiten auf großer Skala. 

Ebenso umstritten ist, ob etwas vor dem Urknall war. Denn wie kann etwas aus nichts entstehen? Und wenn vorher etwas war, was war das? Dies sei eine Frage, die zwangsläufig eine unbefriedigende Antwort haben müsse, sagt Freistetter: "Es gibt ja nur die Wahl zwischen 'etwas' und 'nichts'." Entscheide man sich für etwas, zum Beispiel ein anderes Universum – angenommen, es gäbe mehrere Universen: "Dann folgt natürlich sofort die nächste Frage nach dem, was dann vor diesem Etwas war." Am Ende sei die Frage nach dem Davor nie beantwortet.  "Mich würde nicht wundern, wenn es Paralleluniversen gäbe", sagt Pössel dazu. "Ob es irgendeinen Unterschied macht und man das irgendwie nachweisen kann, ist eine ganz andere Frage."

Und dann ist da noch das Thema Dunkle Materie – "schon wieder so ein irreführender Begriff", wie die Astrophysikerin Carolin Liefke betonte. So wie der Urknall kein hörbarer Knall war, gebe es in diesem Fall nichts Greifbares – auch wenn das Wort Materie das suggeriert. "Wir stellen fest, dass da offenbar etwas ist, das Schwerkraft ausübt", erklärte sie; etwa in den Außenbereichen der Milchstraße und in anderen Galaxien. Dem Ganzen hat man einen Namen gegeben, um damit forschen zu können. Aber "wir wissen schlicht und ergreifend nicht, was es mit der Dunklen Materie auf sich hat".

Doch wer nun glaubt, wir wüssten also wenig bis nichts über das Universum, der irrt. Mit der Entwicklung sensibler Kameras, leistungsstarker Teleskope und anderen technischen Errungenschaften, die helfen, massenhaft Daten rasch auszuwerten, kam es in der Kosmologie zuletzt zu weitreichenden Entdeckungen.

Der letzte große Kracher: der Nachweis von Gravitationswellen. Albert Einstein hatte die Wellen mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt. Rund 100 Jahre lang waren sie reine Theorie. Trotz intensiver Suche blieben sie Astrophysikern verborgen, 2015 dann aber konnte ihre Entdeckung verkündet werden. Dieses Jahr gab es dafür den Nobelpreis in Physik.

"Mit Gravitationswellen können wir vor allem Dinge sehen, die der normalen Astronomie nicht zugänglich sind", sagte Freistetter. Mit ihnen ließen sich beispielsweise Schwarze Löcher nun genauer untersuchen, ebenso die oben genannte "ominöse Dunkle Materie".

Insofern hat das Bloggergespräch einerseits deutlich gemacht, was Forscher derzeit alles noch nicht über das Universum wissen. Andererseits aber auch, wie viel Astronomen und Astrophysiker in sehr kurzer Zeit herausgefunden haben, und dass nahezu täglich mit neuen Erkenntnissen zu rechnen ist.

Ganz aktuell bejubeln Forscher den Nachweis von Gravitationswellen, die bei einer Kollision zweier Neutronensterne entstanden sind – damit sei eine neue Ära in der Astronomie angebrochen, heißt es in Fachkreisen. Zu toppen wäre das mit Wellen, deren Quelle der Urknall selbst ist.

Ob damit zu rechnen sei? "Bis jetzt sind wir von der Wissenschaft quasi verwöhnt worden", schrieb Freistetter. Man habe zuletzt immer neue Antworten auf immer fundamentalere Fragen gefunden. "Aber wer weiß, ob das immer so weitergeht."

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