Wir Menschen sind Säugetiere. Denn unser Nachwuchs wird lebend geboren und bekommt als Nahrung zunächst Muttermilch. So ist es auch bei Mäusen, Ratten, Schweinen und Hunden – allesamt Tiere, mit denen wir im weitesten Sinne verwandt sind. Nun haben Wissenschaftler in Großbritannien Fossilien der wohl frühesten bekannten Säugetier-Vorfahren der Menschheit entdeckt. Sie fanden Zähnchen von zwei kleinen, rattenähnlichen Säugern in der Grafschaft Dorset im Südwesten Englands. Die Tiere lebten vor schätzungsweise 145 Millionen Jahren im Zeitalter der Dinosaurier, wie die Forscher der Universität Portsmouth mitteilten. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie im Fachjournal Acta Palaeontologica Polonica (Sweetman et al., 2017).

Den Fund in den Klippen an der Küste machte ein Student der Hochschule. Für die Wissenschaftler steht nach Untersuchungen fest: Die beiden Zähne dürften zu den ältesten Fossilien gehören, "die zu jener Säugetierlinie zählen, aus der sich unsere eigene Spezies entwickelte". Als der Student sah, wie hoch entwickelt die ausgegrabenen Zähne der ausgestorbenen Tiere aus der frühen Kreidezeit waren, sei ihm direkt klar gewesen: Sie müssen von Säugetieren stammen, die Arten ähnelten, deren Existenz man bisher erst ab der späten Kreidezeit vermutete. Denn nur aus jener Zeit hatte man bisher entsprechende Überreste gefunden.

Die Tiere seien behaart und wohl nachtaktiv gewesen. Diese Rattenmäuse, wie man die Ur-Säuger nennen könnte, sind auch Vorfahren der meisten heute noch lebenden Säugetiere vom Blauwal bis zur Zwergspitzmaus, schreiben die Forscher in ihrer Veröffentlichung.

Professor David Martill von der Hochschule in Portsmouth habe am meisten überrascht, dass "ein Student, ein Anfänger, in der Lage ist, eine bemerkenswerte Entdeckung in der Paläontologie zu machen". Eines der beiden Tiere, deren Überreste der Student untersucht hatte, fraß wahrscheinlich Insekten, das andere wohl auch Pflanzen. Das ließ sich ebenfalls aus dem Fund rekonstruieren.

Eines der Exemplare, zu denen die Zähne gehörten, benannten die Forscher nach Charlie Newmann, dem Vermieter eines Pubs in der Nähe der Fundstelle: Es heißt jetzt Durlstotherium newmani. Das andere wurde nach Paul Ensom, einem Paläontologen aus der Region, benannt: Dulstodon ensomi.