Ein Asteroid auf der Durchreise, der nicht aus unserm Sonnensystem stammt – zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit war in diesem Herbst ein solcher im All entdeckt worden. Und A/2017 U1, wie Astronomen den Brocken nüchtern nannten, lieferte viel Stoff für Spekulationen: Denn anders als Kometen und Asteroiden, wie Forscher sie aus unserm Sonnensystem kennen, war dieser Gast offenbar nicht aus Eis und Gas. Jedenfalls schmolz der längliche Brocken weder, noch verdampfte er, als er am 9. September an unserer Sonne vorbeiflog. Und das, obwohl er mit knapp 400 Metern Länge nicht gerade riesig ist.

Könnte es sich bei dem windschnittigen Flugobjekt also um ein Raumschiff von Außerirdischen handeln, die durch den interstellaren Raum bis in unsere astronomischen Breiten gereist sind? Zumindest diesem Gerücht setzt ein Forscherteam von der Queen's University in Belfast jetzt ein Ende: Der Brocken sei ein Asteroid natürlichen Ursprungs und kein Raumschiff, schreiben die Wissenschaftler im Magazin Nature Astronomy (Fitzsimmons et al., 2017). 

Wenn im Weltall mikroskopisch kleine Partikel kondensieren, sich aneinanderheften und so erst zu winzigen Klümpchen und später zu großen Brocken verklumpen, dann sprechen Astronomen von Planetesimalen – den Grundbausteinen aller Planeten. Auf dieselbe Weise sei offenbar A/2017 U1 entstanden, der mittlerweile den hawaiianischen Namen Oumuamua ("Botschafter) trägt.

Gut isoliert dank fester Kruste

Und auch, warum er nicht schmolz, lässt sich erklären. "Wir haben entdeckt, dass dies ein Planetesimal mit einer gut durchgebackenen Kruste ist", sagte Astronomin Michele Bannister, Teil des Forscherteams, das das Objekt untersucht hatte. Oumuamua besitze eine Schutzschicht aus Kohlenstoffverbindungen, die isolierend gegen die Sonnenhitze wirkt. Sie sei entstanden durch Millionen oder Milliarden Jahre des Beschusses mit kosmischer Strahlung während der Reise durch den Weltraum.

Farbe und Schutzschicht des Asteroiden ähnelten Objekten an den Rändern unseres eigenen Sonnensystems, die auch mit kohlenstoffreichem Eis bedeckt seien. "Es ist faszinierend, dass das erste entdeckte interstellare Objekt so sehr wie eine winzige Welt aus unserem eigenen Heimatsystem anmutet", sagte Bannister.

Der zigarrenförmige, rötliche Oumuamua war zuerst von Hawaii aus gesichtet worden. Dort, auf dem Gipfel des erkalteten Vulkans Mauna Kea, steht in 4.200 Metern Höhe das Panorama-Teleskop PanSTARRS. Am 19. Oktober erspähte es das Objekt, das nun als interstellarer Asteroid klassifiziert wurde. In 24 Millionen Kilometern Entfernung hatte es aus Richtung des Sterns Wega im Sternbild Leier kommend die Erde passiert.

Der Asteroid ist rund zehn Mal so lang wie breit – anders als alle, die bisher in unserem eigenen Sonnensystem beobachtet worden sind. Insgesamt muss der Asteroid schon mehrere Millionen Jahre unterwegs sein, schreiben die Wissenschaftler. Die Daten eines chilenischen Teleskops ergaben, dass Oumuamua alle 7,3 Stunden um seine Achse rotiert und dabei seine Helligkeit drastisch um rund den Faktor zehn verändert.

Er ist nicht der Einzige. Nur der einzig Bekannte

Astronomen schätzen, dass rund einmal pro Jahr ein interstellarer Besucher unser Sonnensystem durchquert. Oumuamua ist der erste, der eindeutig identifiziert worden ist. Wissenschaftler weltweit hatten deshalb begeistert auf den Fund reagiert. Die Internationale Astronomische Union, die Himmelsobjekte benennt und klassifiziert, schuf eigens eine neue Kategorie: I für interstellar.

Forscher der Initiative Breakthrough Listen hatten nach der Entdeckung spekuliert, Oumuamua sei ein Raumschiff, dessen Bauweise in Form einer Zigarre oder Nadel die Reibung mit Gasen und Staub im Weltall minimiere. Die Forscher belauschten den Asteroiden mit Radioteleskopen über mehrere Frequenzen. Neben Signalen außerirdischer Intelligenz erhofften sie sich mehr Informationen über die Herkunft und Zusammensetzung des Objekts. Doch es gab keine Hinweise auf Funkverkehr. Alles ruhig an Bord des Brockens.

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