Die Kugeln hängen, die Lichterkette funkelt, der Braten brutzelt im Ofen: Wenn es in Deutschland Heiligabend wird, döst in fast jedem zehnten Wohnzimmer ein Hund unterm Tannenbaum, umringt von Schokoweihnachtsmännern, Pralinen und Lebkuchen. Blöd nur, wenn Luna, Kira, Rocky oder Spike am Süßigkeitenteller knabbert, während alle gerade duschen, Oma abholen oder schnell noch ein Geschenk einpacken: Denn Schokolade ist Gift für Hunde! Fressen sie davon, sind Krämpfe, Unruhe und heftiges Übergeben die Folge – schlimmstenfalls endet die Schokoladenvergiftung tödlich.

Wie britische Forscher jetzt vermelden, müssen im Vereinigten Königreich, wo allein 8,5 Millionen Hunde auf 65 Millionen Einwohner kommen, an den Feiertagen viermal so viele Vierbeiner wegen einer Vergiftung durch Schokolade behandelt werden wie im Jahresdurchschnitt. Diese besorgniserregende Zahl haben die Forscher passend zur Jahreszeit im Fachmagazin Veterinary Record (Noble et al., 2017) veröffentlicht. Die banale Ursache: In den Haushalten liegt im Advent und um die Feiertage einfach mehr Süßes herum und manch einer füttert sein Haustier aus Unwissenheit sogar mal mit einer Mozartkugel.

Auch in Deutschland seien solche Fälle nicht ungewöhnlich, sagt Barbara Kohn, Kleintierärztin an der Klinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin. "Häufig kommen Besitzer zu uns, die beobachtet haben, dass ihr Hund Schokolade gefressen hat. Wenn die aufgenommene Menge groß genug sein kann, um Vergiftungserscheinungen hervorzurufen, lassen wir den Hund erbrechen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn die Aufnahme wenige Stunden zurückliegt. Wenn die Besitzer nicht so aufmerksam waren, kann es sehr ernst werden. Wir hatten in unserer Klinik auch schon einen Todesfall durch Schokolade."

Doping beim Hunderennen – gefährlich an Weihnachten

Schuld an der heftigen Reaktion der Hunde ist der Stoff Theobromin, ein Bestandteil der Kakaobohne. Theobromin hat chemisch eine ähnliche Struktur wie Koffein und auch eine ähnliche Wirkung: Er erhöht den Herzschlag, regt das Nervensystem an, nur dass Hunde schon bei einer kleinen Menge heftige Vergiftungserscheinungen zeigen.

Wegen dieser belebenden Wirkung werden Theobromin und auch Koffein sogar als Dopingmittel im Hunderennsport eingesetzt – in sehr geringen Dosen. Wie viel davon lebensgefährlich ist, hängt vom Gewicht des Tiers ab: Grob gerechnet kann man davon ausgehen, dass drei Tafeln dunkle Schokolade (70 Prozent Kakao) einen Sieben-Kilo-Mops töten können. In Tierversuchen endete eine Vergiftung mit mehr als einem Gramm Theobromin pro Kilogramm Hundegewicht fast immer tödlich. Zwar treten die Symptome nicht unbedingt dosisabhängig (Justus-Liebig-Universität Gießen: Collica, 2017) auf, aber ab etwa 300 Milligramm Theobromin pro Kilogramm können Halter damit rechnen, dass ihrem Tier schlecht wird, bestätigt auch Tierarzt Andreas Moritz von der Uni Gießen.