Dieser Artikel ist Teil der Serie Global Drug Survey in der ZEIT ONLINE über Drogen im Alltag berichtet. Dazu haben wir exklusiv Ergebnisse der gleichnamigen weltweit größten Drogenumfrage veröffentlicht.

Kaum öffnet sich die Tür, drischt den Besuchern und Besucherinnen der Bass entgegen. 180 Beats pro Minute, drei pro Sekunde. Klänge eines Synthesizers winden sich um eine verzerrte Computerstimme, die kaum Verständliches sagt, etwa "Mescalin, Acid, Acid, Acid, Mescalin". Der Raum ist in mit fluoreszierenden Neonfarben gemusterte Tücher gehüllt. Musik, Dekoration und Menschen: In diesem Club im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist rund um die Uhr alles Psytrance. 

Hier kommt her, wer sich dem Sog lauter Musik hingeben möchte, um das Pausieren des Alltags zu zelebrieren. Hier gehen menschliche Körper eine Symbiose mit Rhythmus und Melodie ein, stunden- oder gar tagelang. Einige Besucher sind von ausdauernder Natur – andere haben mit Chemikalien nachgeholfen, haben Drogen genommen, um durchzuhalten. Sie sind high.

Die Gründe für ihren Drogenkonsum sind unterschiedlich, weiß die Sozialpädagogin und Traumaberaterin Anette Hofmann. Sie gehört zum Partyteam von Fixpunkt, einem Verein für akzeptierende und vorurteilsfreie Drogenhilfe und Gesundheitsförderung in Berlin. Fixpunkt bietet verschiedene niedrigschwellige Angebote für Drogenkonsumenten und -konsumentinnen, beispielsweise Aufklärungsarbeit im Club. Vier Stunden werden Hofmann und ihre Mitarbeiter daher heute in Friedrichshain sein.

Drogenkonsum ist niemals hundertprozentig sicher

"Menschen nehmen Drogen zur Entspannung, um Spaß zu haben. Aus Experimentierfreudigkeit", sagt Hofmann über die Musik hinweg, "aber auch, um Sachen zu verdrängen. Um Gefühle nicht fühlen zu müssen. Um einfach mal abzuschalten nach dem ganzen Funktionieren-Müssen im Alltag." Selbst wenn es keine Sucht ist, die Menschen dazu bringt, Drogen zu nehmen: Der Konsum ist riskant. Weil von Ecstasy der Körper überhitzen und zusammenbrechen oder von Speed der Puls erst rasen und dann aussetzen kann. Oder weil Nutzer sich mitunter nicht nur Kokain auf die Nasenschleimhäute ziehen, sondern auch Hepatitisviren.

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Um diese ungewollten Nebenwirkungen zu vermeiden, ist das Partyteam rund um Anette Hofmann an diesem Abend hier. Seit sieben Jahren gibt es Fixpunkt bereits. Die Mitglieder wechseln immer wieder, meist sind es um die sieben Leute. Eine spezielle Ausbildung brauchen sie nicht, aber Empathie und Liebe für die Szene. Sie organisieren Infostände auf Partys und Festivals, bieten Aufklärung und Schulungen zu risikoarmem Konsum.

Risikoarm heißt nicht risikolos; 100 Prozent sicher ist Drogenkonsum nie. Dem Körper wird durch die Vergiftung Schaden zugefügt, ob kurz- oder langfristig. Es gebe aber Möglichkeiten, diesen Schaden einzudämmen und Nebengefahren zu minimieren, sagt Hofmann: "Jeder soll sein eigenes Röhrchen nutzen, wenn Drogen in die Nase gezogen werden, die Leute sollen viel Wasser trinken." Außerdem empfiehlt sie, dass Obst vor Ort ist, damit die Feiernden eine Grundlage haben, "oder dass man Traubenzucker dabeihat".