Ein über die Woche gesammeltes Schlafdefizit muss der Studie zufolge keine gesundheitlichen Nachteile haben, sofern man die Bilanz am Wochenende wieder ausgleicht. Werde die fehlende Nachtruhe an freien Tagen nachgeholt, gehe Schlafmangel langfristig nicht mit einem erhöhten Sterberisiko einher, berichtet ein internationales Team von Schlafforscherinnen und -forschern in der Studie (Journal of Sleep Research, Sleep duration and mortality – Does weekend sleep matter? 2018). "Wenn man am Wochenende den Schlaf nachholt, muss man nicht jeden Tag auf die gesunden 7 bis 7,5 Stunden kommen, was auch oft für Arbeitnehmer unrealistisch ist in den heutigen Zeiten", bestätigte der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, Ingo Fietze, der nicht an der Studie beteiligt war.

Für die Studie werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Torbjörn Åkerstedt vom Stockholmer Karolinska-Institut die Schlaf- und Lebensgewohnheiten von fast 44.000 Menschen in Schweden aus. Über einen Zeitraum von 13 Jahren verfolgten sie, welche Teilnehmer starben. Ob sie ihre Schlafgewohnheiten im Laufe dieser Zeit geändert hatten, wurde zwar nicht ermittelt. Allerdings berücksichtigten die Forscherinnen und Forscher bei ihrer Analyse andere gesundheitliche Einflussfaktoren, darunter etwa Gewicht, Tabak- und Alkoholgebrauch sowie körperliche Aktivität.

Als Referenzwert für optimale Schlafdauer nahmen die Forscherinnen und Forscher sieben Stunden. Die Menschen unter 65 Jahren, die jede Nacht fünf Stunden oder weniger schliefen, hatte im Studienzeitraum im Vergleich zu Menschen mit dieser Schlafdauer ein erhöhtes Sterberisiko. Das war allerdings dann nicht der Fall, wenn die Menschen mit Schlafmangel am Wochenende lange schliefen. Daraus leiten die Forscherinnen und Forscher ab, dass sich ein Schlafdefizit ohne große gesundheitliche Nachteile am Wochenende ausgleichen lässt.

Eine erhöhte Sterberate fanden die Forscherinnen und Forscher auch bei jenen Probanden unter 65 Jahren, die täglich mehr als neun Stunden schliefen. Bei älteren Menschen stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kaum Veränderungen beim Sterberisiko fest – unabhängig davon, wie lange diese Teilnehmer an Werktagen und Wochenenden geschlafen hatten.

Der Berliner Experte Fietze glaubt, dass ein Schlafpensum unter sechs Stunden oder über neun Stunden auf Dauer die Lebenserwartung verkürzt und das Risiko für Diabetes und Krebs steigert. Hinzu komme die Wirkung auf die Psyche: "Der Schlaf kürzer als sechs Stunden geht schon nach einer Nacht aufs Gemüt." Wenn man optimal in den Tag starten wolle, dann sei eine Schlafdauer von etwa sieben Stunden genau richtig, sagt Fietze. Für kommende Belastungen vorzuschlafen, sei aber nicht möglich, betont der Mediziner.