3, 2, 1 – Launch! Um 13.12 Uhr und 41 Sekunden deutscher Zeit ist der promovierte Geophysiker und Vulkanologe Alexander Gerst zu seinem zweiten Flug ins All gestartet. Die Sojus-Rakete in Baikonur ist problemlos abgehoben. Gersts künftiger Titel*: Kommandant der Internationalen Raumstation ISS. Mit an Bord der Sojus-Rakete sind der Kosmonaut Sergei Prokopyev, seinerseits russischer Kampfpilot, und die Nasa-Astronautin Serena Auñón-Chancellor, Medizinerin aus den USA. Rund zwei Stunden vor dem Start hatte Gerst seinen vorerst letzten Tweet von der Erde abgesetzt:

Zwei Tage und 34 Erdumrundungen nach dem Liftoff soll das Trio die Internationale Raumstation in rund 400 Kilometer Höhe erreichen. Um 15.07 Uhr, so die Berechnung, wird das Sojus-Raumschiff andocken, gut zwei Stunden später öffnet sich die Luke zur Station. Ist dies geschafft, treffen Gerst, Prokopyev und Auñón-Chancellor auf den bisherigen Kommandanten Andrew Feustel sowie die Bordingenieure Oleg Germanowitsch Artemjew und Richard Arnold – zusammen bilden sie die Crew der Horizons-Mission. Es ist die 56. Expedition in der Geschichte der Internationalen Raumstation. Rund um die Uhr werden sich im Live-ISS-Stream der Nasa immer mal wieder Blicke auf die Crew erhaschen lassen, auch wird Alexander Gerst seine Erlebnisse wieder als @astro_alex auf Twitter teilen.

Sechs Monate, 300 Experimente

Zu den Aufgaben der Crew gehört es allerdings weniger zu twittern und schöne Fotos der Erde zu posten, als den Außenposten im All am Laufen zu halten, sprich: Teile zu warten und gegebenenfalls auszutauschen. Zudem gilt es, Alltagsaufgaben wie Kochen und Sport zu bewältigen sowie innerhalb von sechs Monaten rund 300 Experimente durchzuführen. 65 wurden in Europa konzipiert, wiederum 41 davon in Deutschland. Die Versuche behandeln Fragen verschiedenster Disziplinen. So ist die Plasmaphysik ebenso vertreten wie die Humanmedizin, Zellbiologie und Materialforschung.

90 Prozent der Experimente laufen automatisch ab. Die Raumfahrer müssen lediglich einen Knopf drücken, eine Probe einlegen, von Zeit zu Zeit einen Versuch neu starten, was Alexander Gerst nach eigener Aussage zu einem "Laboranten" macht (DIE ZEIT Nr. 23/2018). Warum es ihn und die Crew trotzdem im All braucht? "Man kann vieles hier auf der Erde erforschen", sagt Gerst. "Bei manchen Dingen kommen wir aber für kein Geld der Welt weiter, insbesondere wenn es um grundlegende Zusammenhänge geht", hatte Gerst vorab ZEIT ONLINE gesagt.

Drei Tage vor dem Start des deutschen Astronauten Alexander Gerst ins All sind drei Raumfahrer sicher von der ISS zur Erde zurückgekehrt. Der Russe Anton Schkaplerow, der US-Amerikaner Scott Tingle und der Japaner Norishige Kanai landeten in der kasachischen Steppe nahe der Stadt Scheskasgan, nachdem sie 168 Tage, also knapp ein halbes Jahr, auf dem Außenposten der Menschheit verbracht hatten. Seit dem Jahr 2000 ist die Station kontinuierlich besetzt; rund 230 Raumfahrer aus knapp 20 Nationen waren dort. Nach jetzigem Stand soll sie bis zum Jahr 2024 in Betrieb sein.

Lesen Sie hier die wesentlichen Zeiten für den Start von Alexander Gerst, Sergei Prokopyev und Serena Auñón-Chancellor im Überblick:

6. Juni

  • Beginn des Livestreams: 12.15 Uhr
  • Start 13.12 Uhr

8. Juni

  • Beginn des Livestreams zum Andockmanöver 14.15 Uhr
  • Andocken 15.07 Uhr
  • Beginn des Livestreams zum Öffnen der Luke 16.30 Uhr
  • Öffnen der Luke 17.05 Uhr

*Anm. d. Red.: In einer früheren Version hieß es, Alexander Gerst wäre die nächsten sechs Monate Kommandant. Er übernimmt die Rolle des Stationskommandanten jedoch erst für Expedition 57. Wir haben das korrigiert.