Pflanzen, die mit modernen biologischen Methoden im Labor entstanden sind, zählen zu gentechnisch veränderten Pflanzen. Folglich müssen sie den strengen EU-Richtlinien für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) standhalten. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden (Rechtssache C-528/16). Zur Begründung hieß es, die Risiken solcher neuen Verfahren seien vergleichbar mit denen älterer Verfahren, die bereits unter strengen Auflagen stehen.

Konkret dreht sich der Fall um die Genscheren- oder Mutagenesetechnologie, mit der das Erbgut von Pflanzen schneller und gezielter verändert werden kann als bisher. Mit Mutagenese werden alle Verfahren bezeichnet, die es ermöglichen, das Erbgut lebender Arten ohne Einführung fremder Gene zu verändern. Zu den neuen Verfahren zählen beispielsweise Crispr/Cas9, kurz Crispr, Talens oder ODM. Mithilfe dieser Methoden haben Forscherinnen und Forscher etwa Saatgutsorten mit Resistenzen gegen ausgewählte Herbizide entwickelt.

Noch zu Beginn des Jahres war EuGH-Generalanwalt Michal Bobak zu einem anderen Schluss gekommen. In einem offiziellen Vorabentscheidungsersuchen argumentierte er, dass erbgutveränderte Organismen nur dann als GVO gelten und als solche reguliert werden müssen, wenn ihr "genetisches Material so verändert worden ist, wie es auf natürliche Weise nicht möglich ist".

In Luxemburg geklagt hatten französische Tier- und Naturschutzorganisationen: Für sie sind Crispr-Pflanzen (siehe Glossar) menschengemachte Pflanzen, also Gentechgewächse, für die die EU-Richtlinie zur Herstellung gentechnisch veränderter Organismen zu gelten hat. Für diese bestehen in der Europäischen Union strenge Zulassungsbestimmungen.

Befürworterinnen und Befürworter der neuen Methoden sind dagegen der Ansicht, die GVO-Richtlinie betreffe nur Organismen, deren genetisches Material so verändert wurde, wie es "auf natürliche Weise nicht möglich" sei. Sie behaupten, die Crispr-Technologie simuliere die Natur nur und verändere die Pflanzen in einer Weise, wie es auch Züchter schon seit Jahrhunderten tun.

Die Luxemburger Richter standen folglich vor der Frage, ob der Begriff des gentechnisch veränderten Organismus "prozessorientiert" oder "ergebnisorientiert" verstanden werden soll. Wie Forscherinnen und Forscher zu Journalisten des deutschen Science Media Center sagten, sprach für die GVO-Bezeichnung, dass mit modernen Gentechnikmethoden ins Erbgut eingegriffen wird. Dagegen konnte jedoch argumentiert werden, dass mithilfe dieser Methoden sogenannte naturidentische Pflanzen entstehen, sodass sich anhand des Erbguts nicht erkennen lässt, ob die Mutation der Pflanze mit der Crispr-Methode entstanden ist oder mit klassischen Züchtungsmethoden oder gar zufällig, wie es in der Natur ständig spontan passiert. 

Crispr - So funktioniert das neue Universalwerkzeug der Gentechnik Günstig, leicht zu handhaben und enorm effektiv: Crispr revolutioniert die Gentechnik. Das Erbgut aller Lebewesen lässt sich damit beliebig formen, wie das Video zeigt.

Pflanzen, die mit den neuen Verfahren erzeugt wurden, müssen nach der Entscheidung der Luxemburger Richter noch vor ihrer Zulassung auf ihre Sicherheit geprüft werden. Züchterinnen und Züchter, die die Genschere verwenden, müssen grundsätzlich prüfen, ob ihre Produkte eine Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt darstellen könnten. Zudem ist eine spezielle Kennzeichnung vorgeschrieben, die die Produkte rückverfolgbar macht.

In Deutschland ist der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Organismen verboten. Lebensmittel, für die die GVO-Regularien gelten, gibt es bislang nur ganz vereinzelt zu kaufen.

Die überwiegende Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher lehne sie ab, heißt es beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Dagegen hatte der Deutsche Bauernverband davor gewarnt, Produkte, die mit gezielter Mutagenese erzeugt wurden, den GVO-Regeln zu unterwerfen. Es fehlten sonst wichtige Züchtungsmöglichkeiten für Pflanzen, die etwa gegen Krankheiten und Hitze widerstandsfähiger seien.