Ötzi hat in den letzten Tagen vor seinem Tod Steinbock, Hirsch und Getreide gegessen und dabei sehr viel Fett verzehrt. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse seines Mageninhalts.

Der sogenannte Mann aus dem Eis habe das Fleisch roh oder vielleicht getrocknet gegessen, es sei aber nicht stark erhitzt worden, schreiben die Forscherinnen und Forscher um Frank Maixner vom Institut für Mumienforschung in Bozen im Fachblatt Current Biology. Maixner geht davon aus, dass Steinbock und Hirsch regelmäßig auf Ötzis Speiseplan standen.

Der Mageninhalt war bislang – im Gegensatz zum Darm – nicht eingehend analysiert worden. Der Magen hatte sich bei der Mumifizierung verschoben und war erst 2009 bei Nachuntersuchungen entdeckt worden. Auffällig ist den Forscherinnen und Forschern zufolge vor allem, dass Fett etwa die Hälfte des Mageninhalts stellte. Dadurch habe Ötzi die nötige Energie für Wanderungen in großer Höhe aufnehmen können, schreiben sie.

Dass Ötzi Steinbock gegessen hatte, war bereits 2002 bei Untersuchungen des Darms festgestellt worden. Die neue Studie zeigt nun, dass Steinbock und Hirsch auch am Ende seines Lebens zu seinen Mahlzeiten zählten. Die verzehrten Getreidekörner waren demnach Einkorn, eine frühe Form von domestiziertem Getreide.

Forscher entdeckten aggressiven Magenkeim

Zudem enthielt der Magen Spuren eines giftigen Farns. Möglicherweise habe er dies versehentlich aufgenommen, vielleicht aber auch damit Magenprobleme behandeln wollen, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Anfang 2016 hatte die Forschergruppe herausgefunden, dass Ötzi mit einer aggressiven Variante des Magenkeims Helicobacter pylori infiziert war. Heutzutage trägt etwa die Hälfte aller Menschen das Magenbakterium, das Entzündungen, Magengeschwüre und Krebs verursachen kann.

Ötzi lebte vor 5.300 Jahren und wurde mit einem Pfeil getötet. Deutsche Wanderer hatten die Eismumie im September 1991 in der italienisch-österreichischen Grenzregion in der Nähe des Tisenjochs auf 3.210 Metern Höhe entdeckt. Von dort wurde er ins Archäologische Museum nach Bozen gebracht.

Seither untersuchen Wissenschaftler die Mumie. Neben dem Mord an Ötzi und immer mehr Details zur Ernährung, weiß man inzwischen auch, dass er Karies hatte. Augenfarbe, DNA und Blutgruppe sind bekannt – ebenso, dass der Gletschermann laktoseintolerant und tätowiert war.