Acht der zwölf Jungen, die gut zwei Wochen lang mit ihrem Fußballtrainer in einer Höhle in Thailand eingeschlossen waren, sind frei. Das bestätigte die Marine. Die vier weiteren Kinder und ihr Trainer sollen als nächstes befreit werden. Die Mannschaft war nach einem Ausflug in das Gängesystem von Regenfällen überrascht worden: Wasser sickerte ein und überflutete Teile des Rückwegs.

Nach neun Tagen hatten Taucher die Vermissten entdeckt. Seither wurden verschiedene Strategien für eine Bergung diskutiert. Seit Sonntag holen speziell ausgebildete Taucher die Jungen nun nach und nach aus der Höhle. Weltweit berichten Medien von dem Rettungseinsatz – doch viele der Informationen, die kursieren, sind nicht bestätigt. Der folgende Artikel gibt den Stand der Fakten wieder, die bis zum Nachmittag des 9. Juli als gesichert gelten konnten.

Was wir wissen

  • Am 23. Juni meldeten mehrere Eltern ihre Kinder bei der thailändischen Polizei als vermisst. Die zwölf Jungen spielen im Fußballverein Moo Pah ("Wildschweine") aus der Provinz Chiang Rai im Norden Thailands. Auch der Trainer galt als vermisst.
  • Der eingesetzte Suchtrupp fand heraus: Nach dem Training waren die elf- bis 16-jährigen Jungen mit ihrem Trainer zur Tham-Luang-Höhle im Waldpark Khun Nam Nang Non gefahren und hineingegangen – obwohl Schilder davor warnen, die Höhle während der Regenzeit zu betreten. Polizisten entdeckten Fahrräder und Fußballschuhe innerhalb der Höhle, die bei der Suche den Weg wiesen. Das Problem: Nach heftigen Regenfällen waren weite Teile der Höhle überflutet und damit unpassierbar geworden.
  • Thailändische Höhlentaucher und Taucher des British Cave Rescue Council (BCRC) unterstützen die Suche. Am 2. Juli um 21:38 Uhr Ortszeit entdeckten die britischen Höhlenrettungsspezialisten Rick Stanton und John Volanthen die Jungen und ihren Trainer mehrere Kilometer tief im Berg an einer trockenen Stelle, eingeschlossen von Wasser.
  • Mithilfe von Pumpen haben Rettungskräfte – Anfang Juli waren nach Behördenangaben insgesamt mehr als 1.000 Menschen im Hilfseinsatz – den Wasserspiegel in der Höhle gesenkt. Mittlerweile gibt es zudem einen kleinen Damm, der Wasser zurückhalten soll.
  • Am 3. Juli konnten Taucher und ein Arzt erstmals die Mannschaft erreichen. Die Männer leisteten medizinische Hilfe und brachten Nahrung.
  • Am Sonntag, den 8. Juli, hat die Rettungsaktion mithilfe von speziell ausgebildeten Tauchern begonnen. Je zwei Taucher begleiten ein Kind aus der Höhle. Sie ist an mehreren Stellen überflutet, weshalb auch die Jungen teilweise tauchen müssen. Ein Halteseil bietet Orientierung auf dem Weg aus der Höhle, der durch Engstellen führt.
  • Vorab haben Taucher die Kinder in der Höhle grob geschult. Um das Fortkommen unter Wasser zu erleichtern, trägt jeder Junge eine Vollgesichtsmaske.
  • Bisher konnten acht der zwölf Jungen befreit werden. Das bestätigte die Marine am Montag. Vier davon wurden schon am Sonntag geborgen und im Provinzkrankenhaus von Chiang Rai behandelt, vier weitere gelangten am Montag, dem 9. Juli, mit ihren Rettern ins Freie. Der dänische Taucher Ivan Karadzic, der am Rettungstauchgang vom Sonntag beteiligt war, berichtete dem Dänischen Rundfunk über den Zustand der ersten vier Geretteten: "Die Jungen standen unter Beruhigungsmitteln, damit sie nicht in Panik gerieten [...]. Sie waren nicht total betäubt, aber sie reagierten nicht mehr richtig."
  • Die Rettungskräfte tauchen in Teams, entlang der Strecke gibt es Treffpunkte. Außerdem sind nach Angaben des BCRC an verschiedenen Stellen der Route Pressluftflaschen platziert. Weiter teilte die Organisation auf Nachfrage von ZEIT ONLINE mit, einige Taucher nutzten ein Kreislauftauchgerät, das eine längere Tauchzeit ermöglicht.
  • Das Höhlensystem in der Bergkette des Doi-Nang-Non-Gebirges ist geologisch kaum erforscht. "Wir wissen, dass es einen sehr großen Eingangsbereich gibt, danach folgen weitere Kammern. Grundsätzlich wird die Höhle rasch deutlich kleinräumiger", sagte die Höhlenforscherin Bärbel Vogel im Interview mit ZEIT ONLINE.
  • Der Hauptgang des Tham-Luang-Höhlensystems hat nach jetziger Kenntnis eine Länge von circa zehn Kilometern und eine durchschnittliche Überdeckung durch das Gebirge von mehreren hundert Metern. Die Informationen basieren auf den Daten französischer Wissenschaftler, die die Höhle in den Achtzigerjahren grob vermessen und einen Grundriss erstellt hatten (klicken Sie hier, um zur Karte der Höhle zu gelangen). Ein paar Jahre später führten Briten ein weiteres Mal Forschungen durch, nachdem die Höhle mit einer zweiten zusammengeschlossen wurde. (Das gesamte verfügbare Kartenmaterial finden Sie hier.)