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Textilrecycling Zum Putzlappen reicht es immer

Neues Shirt aus alter Hose? Eine gute Idee, da es jährlich mehr als eine Million Tonnen Altkleider gibt. Doch Fasern hochwertig zu recyceln ist schwierig bis unmöglich. Von

Wir kaufen, kaufen und kaufen – und das gerne noch billiger als billig. Sale lautet das Zauberwort, früher Schlussverkauf. Zuletzt hat der Black Friday mit seinen Supersonderangeboten wieder die Kleiderschränke gefüllt.

Doch die Trends von heute sind der Müll von morgen. Und zwar bergeweise: 1,35 Millionen Tonnen abgetragener Kleidung fallen jährlich allein aus privaten Haushalten in Deutschland an. Jedes fünfte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen, wie eine repräsentative Onlineumfrage der Umweltschutzorganisation Greenpeace ergeben hat. Das macht eine Milliarde Klamotten, die ungenutzt im Schrank liegen. Hinzu kommt eine weitere Milliarde Teile, die "so gut wie nie" getragen werden.

Fast jeder Zweite der Befragten gab an, binnen einem Jahr Schuhe, Shirts und Hosen auszusortieren. Spätestens nach drei Jahren würde mehr als die Hälfte besagter Kleidung ausgemustert, lautet das Ergebnis (siehe Grafik). So war das Schicksal der Teile schon mit ihrem unnötigen Kauf besiegelt: Mülltonne oder Altkleiderbox. Und damit eine Belastung für die Umwelt.

Nun werden hierzulande jährlich rund eine Million Tonnen Altkleider wiederverwertet – das klingt erst mal nicht schlecht. Das Problem: Jedes alte Teil ist gut genug für einen Putzlappen, doch kaum ein altes Kleidungsstück geht in Teilen erneut als Qualitätsprodukt in Hose, Shirt oder Schuh auf. Es fehlt an der Technik.

Allen gut gemeinten Aktionen und Werbekampagnen großer Firmen zum Trotz ist daher festzuhalten: Kleidung im großen Stil zu recyceln, ist bisher unmöglich. Will die Modebranche etwas für die Umwelt tun, muss sie sich komplett wandeln. Und es obliegt den Käufern und Verbraucherinnen, sie dazu zu zwingen.

Das Grundproblem des Kleiderrecyclings ist, dass Shirts, Hosen oder Kleider selten allein aus Baumwolle, Viskose oder Seide bestehen, also sortenrein sind. Stattdessen handelt es sich größtenteils um Mischgewebe. Im Etikett steht dann beispielsweise 55 Prozent Baumwolle, 43 Prozent Polyester und 2 Prozent Elastan. "Solch einmal miteinander verwobene Fasern wieder zu zerlegen, bringt das Textilrecycling an seine Grenzen", sagt Rolf-Dieter Hund, Textilchemiker an der TU Dresden. Nicht nur ist es technisch kompliziert, die bisherigen Verfahren sind zudem teuer und aufwendig, sie benötigen viel Energie, und was am Ende dabei herauskommt, ist oftmals von deutlich schlechterer Qualität als die ursprüngliche Faser.

Die beliebteste Faser: Polyester

Wäre also ein T-Shirt aus reiner Baumwolle oder reiner Viskose die Lösung? "Selbst dann ist der Faden, mit dem die einzelnen Teile miteinander vernäht sind, oft aus einem anderen Material als der Rest des Stücks", sagt Holger Cebulla, Leiter der Professur Textile Technologien an der TU Chemnitz. Meist handelt es sich dabei um Polyester – was das nächste Problem aufzeigt: das Ausgangsmaterial.

Für die Herstellung von Kunststofffasern wie Polyester ist Erdöl nötig. Zudem setzen diese Fasern bei jeder Wäsche Mikroplastik ab, das trotz bester Filteranlagen teilweise in der Umwelt landet.

Weil es billig ist und einfach zu verwerten, ist Polyester heutzutage das beliebteste Material in der Modebranche. Sein Anteil liegt bei mehr als 60 Prozent der in Textilien eingesetzten Fasern. Rang zwei belegt Baumwolle – ihrerseits problematisch aufgrund der großen Mengen Wasser, die für den Anbau nötig sind. Dann sind da noch Polyamid, Polyacrylnitril, Polypropylen, Wolle und Leinen. Zudem gibt es Eiweißfasern – geläufig unter Schurwolle oder Seide –, die erdölbasierte Kunstfaser Modeacryl als Wollersatz, oder Viskose, eine Faser auf Cellulosebasis, doch die letztgenannten haben bisher nur einen geringen Marktanteil.

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