Die EU-Kommission hat vorläufige Ergebnisse der vor rund zwei Wochen zu Ende gegangenen Onlineumfrage veröffentlicht, die sie zur möglichen Abschaffung oder Beibehaltung der Zeitumstellung abgehalten hat. Nachdem die Mehrheit der Teilnehmer (84 Prozent) für ein Ende der Umstellung zwischen Sommer- (MESZ) und der als Winterzeit bekannten Normalzeit (MEZ) in der EU votiert hatte, hat Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigt, seine Behörde werde eine entsprechende Empfehlung aussprechen. Einem Gesetzesvorschlag der Kommission müssten aber das EU-Parlament und die EU-Staaten noch zustimmen.

Die vorläufigen Zahlen, die die Kommission nun präsentierte, zeigen die Onlineabstimmungsergebnisse in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Zudem wurde bekannt gegeben, wie hoch der Anteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemessen an der jeweiligen Gesamtbevölkerung war.

Demnach war die Beteiligung an der EU-Umfrage in Deutschland anteilig am höchsten: 3,79 Prozent der deutschen Bevölkerung haben online abgestimmt. Wie viele das in absoluten Zahlen waren, nannte die Kommission nicht. Aus dem Prozentsatz ergibt sich aber, dass es etwa drei Millionen Menschen gewesen sein müssen (siehe Grafik). Von ihnen votierten 84 Prozent für eine Abschaffung der Zeitumstellung. Dahinter war in Österreich (2,94 Prozent) und Luxemburg (1,78 Prozent) die Teilnahme anteilig am größten. Deutlich weniger Menschen stimmten in Großbritannien (0,02 Prozent) sowie Italien und Rumänien (je 0,04 Prozent) ab. Umgerechnet waren es nicht einmal 8.000 Rumäninnen und Rumänen, die teilgenommen haben. In Frankreich beteiligten sich laut Kommission 0,59 Prozent der Bevölkerung an der Umfrage, der Prozentsatz lag im Mittelfeld. Daraus ergeben sich etwa 400.000 Menschen – in absoluten Zahlen liegt damit das Land an zweiter Stelle hinter Deutschland.

Dieser Überblick zeigt: Die Umfrage kann nicht als repräsentativ gelten, weil in allen EU-Mitgliedstaaten die überwältigende Mehrheit der Menschen ihre Stimme bei der Onlineumfrage nicht abgegeben hat und die Teilnehmerzahl extrem unterschiedlich war. Da die Entscheidung für oder gegen die Abschaffung der Sommerzeit in nördlichen und südlichen EU-Staaten aber unterschiedliche Auswirkungen hätte, waren auch unterschiedliche Meinungen je nach Land zu erwarten.

In 26 von 28 EU-Mitgliedstaaten votierten die Teilnehmenden laut der vorgelegten Zahlen für eine Abschaffung der Zeitumstellung. Lediglich in Griechenland (56 Prozent) und Zypern (53 Prozent) war eine Mehrheit der Teilnehmer – was nicht die Mehrheit der Griechen repräsentiert – für die Beibehaltung der geltenden Regelung.

Die EU-Kommission hat nun ebenfalls mitgeteilt, dass die meisten Abstimmungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sich dafür ausgesprochen hätten, nach einer Abschaffung der Zeitumstellung künftig die derzeitige Sommerzeit zu behalten. Eine detaillierte Aufschlüsselung dieses Abstimmungsteils wurde allerdings noch nicht veröffentlicht. Auf Nachfrage von ZEIT ONLINE hieß es am Freitagabend seitens eines Kommissionssprechers, diese Zahlen seien derzeit noch nicht verfügbar. Diese und weitere Zahlen zur Umfrage und das offizielle Endergebnis will die Kommission in den kommenden Wochen bekannt geben.

Eine Analyse zum Vorstoß der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung und für eine ganzjährige Sommerzeit lesen Sie hier.