Fledermäuse, die in der Gardine vorm Fenster hängen – eine bemerkenswerte Überraschung an einem Samstagmorgen. So geschehen in Berlin, wo ein Mann vor Kurzem gleich mehr als 30 Exemplare in seiner Wohnung fand, wie Petra Gatz berichtet. Sie betreut die Fledermaushotline des Naturschutzbunds Nabu und bekommt dieser Tage zahlreiche Anrufe von Leuten, die ungebetenen Besuch von den kleinen Tieren mit den spitzen Zähnen und großen Ohren bekommen haben. Denn im Spätsommer, zwischen Mitte August und Mitte September, verirren sich die Fledertiere besonders oft in Wohnungen.

Meistens handelt es sich um unerfahrene Jungtiere, die gerade flügge geworden sind. Sie verlassen das Sommerquartier, in dem ihre Mütter sie aufgezogen haben, und suchen nach neuen Zwischenquartieren und Verstecken für den Winterschlaf. Ein gekipptes Fenster sieht für eine junge Fledermaus auf Erkundungstour schnell aus wie eine Gebäudespalte; ideal, um sich darin zu verkriechen. Im Zimmer angekommen, bemerken sie den Irrtum, finden dann aber oft nicht mehr hinaus.

"Das Fenster sollte man in dem Fall ganz aufmachen", rät Sebastian Kolberg, Referent für Fledermausschutz beim Nabu. Die Zimmertür wiederum sollte geschlossen sein, damit die Fledermäuse nicht noch in andere Zimmer fliegen, und das Licht ausgeschaltet, damit sie vom Sehen mit den Augen auf die Echoortung umschalten. So ist es wahrscheinlicher, dass die Tiere das Fenster finden. Außerdem gelte es, in Vasen, Taschen und anderen nach oben geöffneten Behältern nachzusehen, sagt Kolberg. Dort fallen Fledermäuse nämlich öfters hinein und schaffen es alleine nicht mehr heraus.

Mit dem Kehrblech in eine Schachtel verfrachten

Was tun? Fledermäuse tun Menschen nichts; die wollen nur schlafen, den ganzen Tag über. Wer trotzdem nicht mit den Untermietern ausharren will oder ein verletztes Tier in seiner Wohnung findet, kann es vorsichtig mit der Hand oder einem Kehrblech in eine Pappschachtel verfrachten und nach draußen bringen. Bestenfalls erst in der Abenddämmerung oder bei Nacht, weil die nachtaktiven Säuger dann auf Insektenjagd gehen. Dabei ist zu beachten: Wer eine Fledermaus anfasst, sollte dicke Handschuhe tragen oder die Hände in ein Handtuch wickeln, weil die Tiere Krankheiten wie Tollwut übertragen können (siehe Infobox).

In Menschenhände beißen Fledermäuse allerdings nur unter Bedrängnis. "Wenn sie über einem flattern oder am Haus sitzen, muss man keine Angst haben", sagt der Zoologe Gerald Kerth, der die Tiere an der Universität Greifswald erforscht. So mancher erschreckt dennoch. Zum Beispiel, wenn ein vermeintlicher Mini-Dracula direkt auf einen zuhält. Es wirkt, als würde die Fledermaus angreifen, dabei versucht sie nur, mittels ihrer Rufe im Ultraschallbereich festzustellen, was vor ihr steht.

Für Betroffene sind derlei Begegnungen geradezu surreal. Was bloß mit so viel Natur im Zuhause anfangen? So wie Waschbären oder Ratten, die in Städten von den Abfällen der Menschen leben, bleiben Fledermäuse meistens unbemerkt. Dabei leben sie schon lange als Kulturfolger Wand an Wand mit uns, auch in Großstädten. Berlin, das relativ viele Grünflächen hat, die Insekten anziehen, ist beispielsweise eine Fledermaushochburg.