Fichtenwalde

Juli 2017

Juli 2018

Um Fichtenwalde wachsen vor allem Kiefern, die für Hitze besonders anfällig sind. Ende Juli hat es in der Region auf einer Fläche von 32 Hektar gebrannt. © RapidEye via Planet Labs

Die lang anhaltende Hitze macht Wäldern zu schaffen – viele Forstbesitzer haben wirtschaftliche Einbußen zu befürchten. "Mittlerweile müssen wir von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen", sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Förstern zufolge gehen durch die Trockenheit in diesem Jahr bis zu 500 Millionen junge Pflanzen verloren – so viel, wie jedes Jahr gepflanzt werden. Damit würde "eine ganze neue Waldgeneration" vertrocknen und die Bemühungen um einen "neuen, stabilen, klimafesten und gemischten Wald sind dahin".

Auch durch Waldbrände entsteht ein hoher Schaden. "Hunderte Hektar brannten bereits oder brennen noch", teilte der Bund Deutscher Forstleute (BDF) mit. Ähnlich wie die von der Dürre geplagten Bauern fordert der Verband von Bund und Ländern eine Milliarde Euro für den Wald. Laut BDF müssten die Waldeigentümer in der Lage sein, "fachlich gut beraten ihren Wald zu bewirtschaften". Das geht laut dem BDF nur mit "direkter Förderung". Die aktuelle Dürre zeige, dass die Wälder in Deutschland nicht ausreichend auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet seien. Die Waldbesitzer bräuchten bei der Anpassung Hilfe vom Staat. Schirmbeck beklagte, dass in der Vergangenheit Stellen in den Forstverwaltungen abgebaut worden seien.

Außergewöhnliche Dürre in Deutschland

Mai

Juni

Juli

August

Gelbe Flächen sind ungewöhnlich trockene Gebiete, hellorange bedeutet moderate, orange schwere, rot extreme und dunkelrot außergewöhnliche Dürre. Stand: jeweils der erste Tag des Monats Quelle: Andreas Marx, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Neben den Waldbesitzern sind auch die Betreiber von Biogasanlagen von der Trockenheit betroffen, da Energiepflanzen für Biogas knapp werden. Der Fachverband Biogas verweist darauf, dass die Ernte noch nicht abgeschlossen sei, Ausfälle seien aber schon spürbar. "Die Ernte von Acker- und Wiesengras ist extrem unbefriedigend", sagte Geschäftsführer Stefan Rauh. "Wenn – wie befürchtet – die Trockenheit anhält, bekommen Anlagen auf Basis von Grünland massive Probleme", sagte er. So könnte es – etwa bei Mais – zu Ausfällen von mehr 50 Prozent kommen.

Viele Betreiber der Anlagen müssten sich nun nach alternativen Substraten umschauen und bis Winter drosseln, wenn der Bedarf an Wärme wieder steige. Diese ist in Biogasanlagen ein Nebenprodukt der Stromerzeugung. "Klar ist aber auch, dass eine Drosselung mit massiven wirtschaftlichen Einbußen verbunden ist", sagte Rauh. Das könne Existenzen bedrohen.

Wegen der Hitze müssen zudem Kohle- und Atomkraftwerke ihre Leistung herunterfahren – die Gewässer, die sie zur Kühlung nutzen, werden zu warm. Da warmes Wasser zu Fischsterben führen kann, darf die Temperatur in Fließgewässern durch das Einleiten von Kühlwasser um höchstens drei Grad erhöht werden.

Fischsterben droht

Im Hochrhein bei Schaffhausen etwa ist das Temperaturlimit für Äschen und Bachforellen mit 27,4 Grad Celsius erreicht. "Laut Literatur müssten die Fische schon sterben", sagte der Artenschutzbeauftragte des schweizerischen Fischereiverbandes, Samuel Gründler. Bisher wurden nur einzelne tote Fisch gefunden – viele sammeln sich in Kaltwasserbecken, die in den letzten Wochen an den Zuflüssen kalter Bäche ausgebaggert wurden. Ob damit ein massenhaftes Fischsterben wie im heißen Sommer 2003 verhindern werden könne, sei offen. Damals kamen nach einer Studie des Bundesamtes für Umwelt mindestens 50.000 Äschen um. Laut Gründler sei die Prognose allerdings "düster".

In Deutschland muss PreussenElektra derzeit im Kernkraftwerk Brokdorf ein bis zwei Stunden am Tag die Leistung zum Schutz der Elbe um etwa zwei Prozent senken. Die Sicherheit der Atomkraftwerke sei hierdurch allerdings in keiner Weise beeinträchtigt, sagte eine Sprecherin. Auch das von EnBW betriebene Atomkraftwerk Philippsburg musste die Leistung eines Blocks um etwa zehn Prozent reduzieren. Probleme gab es auch bei der Versorgung mit Steinkohle, da wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein die Kohlefrachter derzeit nicht voll beladen werden können.

Im Werk des Chemie-Konzerns BASF in Ludwigshafen sei wegen der anhaltend hohen Temperaturen und des Niedrigwassers im Rhein die Produktion und die Logistik beeinträchtigt, teilte das Unternehmen mit. Bei einem Andauern der Wetterlage könne es in Einzelfällen zu Lieferengpässen kommen. Wegen der hohen Temperaturen sei etwa die Wiedereinleitung des Kühlwassers in den Rhein begrenzt. Um die Vorgaben der Behörden einzuhalten, müsse BASF die Produktion einschränken. Außerdem könnten aufgrund der sinkenden Flusspegelstände Waren nur noch begrenzt über den Rhein abtransportiert werden. Mit Kunden würde deshalb über die Verlagerung der Transporte auf andere Verkehrsträger gesprochen.

Immerhin scheint einem Großteil der Bevölkerung der warme Sommer zu gefallen. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitung Welt gaben 54 Prozent der 1.000 Befragten an, sich über "das tolle Wetter" zu freuen und den Sommer zu genießen. 44 Prozent, dabei vor allem ältere Menschen empfanden die Hitze demnach aber als Belastung. Ein Großteil der Befragten, 82 Prozent, glaubt außerdem, dass der Klimawandel für den ungewöhnlich heißen Sommer verantwortlich ist.