Bei Operationen an der erweiterten Bauchschlagader sind die Erfolgsaussichten für Patientinnen und Patienten in deutschen Kliniken einer Krankenkassenstudie zufolge nicht überall gleich gut. Die Höhe des Sterberisikos bei Eingriffen hänge davon ab, wie und wo operiert werde, teilte die Barmer Krankenkasse nach Ergebnissen ihres jährlichen Krankenhausreports mit. Als Konsequenz fordert sie, die Eingriffe künftig nur noch in zertifizierten Gefäßzentren oder Kliniken mit vielen Fällen vorzunehmen, da dort die Überlebensrate höher sei.

In Deutschland leiden rund 200.000 Frauen und Männer über 65 Jahren an einer Aussackung der Bauchschlagader, dem sogenannten Bauchaortenaneurysma (BAA). Die meisten Betroffenen wissen nichts davon, Beschwerden werden als Bauchschmerzen oder auch als Rückenschmerzen abgetan, wenn die Aussackung der Hauptschlagader etwa auf die Wirbelsäule drückt. Reißt die Gefäßwand im Bereich eines solchen Aneurysmas, überleben der Barmer zufolge nur 20 Prozent der Patientinnen und Patienten den massiven Blutverlust.

Ältere Männer erkranken sechsmal häufiger als Frauen an einem Aneurysma der Bauchaorta. Auch steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter. Rauchen oder eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko noch weiter.

Laut Barmer sei zu erwarten, dass es "aufgrund der zunehmend fortschreitenden Alterung der Gesellschaft" in Zukunft noch mehr Patienten mit dieser Krankheit geben wird – und das Krankheitsbild deshalb im Krankenhausalltag an Bedeutung gewinnt.

Dem Krankenhausreport zufolge wurden im Jahr 2016 mehr als 11.400 Patienten über 65 Jahre an der Bauchaorta operiert. In zertifizierten Gefäßzentren und Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen lag die Sterberate nach der OP um 2,6 Prozentpunkte niedriger als in Häusern mit niedriger Fallzahl. Eine qualitativ hochwertige Operation sollte aber nicht vom Wohnort abhängen, kritisiert der Barmer-Report.

Auch die Operationsmethode ist entscheidend

Zudem war die Sterberate drei Jahre nach einem planbaren Eingriff um zwei Prozentpunkte geringer, wenn die Operation nicht offen­ chirurgisch, sondern minimal­-invasiv erfolgte. Minimal-invasive Verfahren gelten als schonender, da die Bauchhöhle nicht geöffnet werden muss. Dabei wird eine durch Draht verstärkte Prothese (Stent) von innen in die Erweiterung der Aorta eingebracht, wie die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin erläutert. Während die offene Operation immer möglich sei, eigne sich eine solche Stent-Prothese nur in bestimmten Fällen. Nachteilig sei zudem eine regelmäßige, oft lebenslange Überwachung.

Auch bei den Operationsverfahren hat die Barmer deutliche regionale Unterschiede festgestellt. So seien in Sachsen zwischen 2014 und 2016 fast 86 Prozent der Patientinnen und Patienten minimal-invasiv an der Bauchaorta operiert worden, in Niedersachsen waren es 69 Prozent und im Saarland 61 Prozent.   

Als Grundlage für den Report zieht die Barmer nach eigenen Aussagen die Daten ihrer rund 8,4 Millionen Versicherten heran, was rund zehn Prozent der Bevölkerung entspreche. Die Daten umfassten den Angaben nach den Zeitraum von 2006 bis 2017.

Kritik an der Studie kam von der deutschen Krankenhausgesellschaft. Sie argumentiert, schon wenige Patienten mit höherem persönlichen Risiko könnten zu solchen abweichenden Sterberaten führen. Unterschiedliche Operationstechniken würden je nach medizinischer Notwendigkeit eingesetzt.