Insgesamt 4,6 Millionen EU-Bürger haben sich an einer Onlineumfrage zur Zeitumstellung beteiligt. Das teilte ein Sprecher der EU-Kommission mit. Bis Donnerstagabend konnten EU-Bürger abstimmen, ob sie künftig ohne Zeitumstellung leben möchten – und falls ja, ob sie Winter- oder Sommerzeit bevorzugen. Auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Kommission entscheiden, ob sie einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt.

Die insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmer stellen einen Rekord für diese Art von Bürgerbefragungen dar. Allein in den ersten drei Tagen hatten sich mehr als 550.000 Menschen beteiligt. Die bisher größte Teilnehmeranzahl gab es 2015, als 550.000 Menschen an einer Umfrage zu Natur- und Tierschutz teilnahmen.

Bereits seit Langem ist die Zeitumstellung umstritten. Erst im Februar forderte das EU-Parlament die Kommission auf, die Regelung zu prüfen. Zudem sind mit Litauen, Estland, Lettland und Finnland mehrere Staaten für eine Abschaffung. Anfang Juli schaltete die EU-Kommission dann die Onlinebefragung frei.

Sommerzeit gilt in Deutschland seit 1980

In Deutschland wurde die Sommerzeit mehrfach eingeführt und wieder abgeschafft. Die jetzige Regelung stammt aus dem Jahr 1980. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Zeitumstellung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf.

Da es durch die Sommerzeit abends eine Stunde länger hell ist, argumentieren die Befürworter, dass durch die Zeitumstellung Energie gespart würde. Die Gegner der Sommerzeit bezweifeln das. Laut Umweltbundesamt schalten die Deutschen zwar im Sommer wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an – im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt. Laut Medizinern soll es zudem gesundheitliche Risiken geben. Bei empfindsamen Menschen könnte die Umstellung etwa zu Schlafstörungen und Appetitlosigkeit führen. Die EU-Kommission betont allerdings, dass noch keine eindeutigen Erkenntnisse "über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit" vorlägen. Auch wirtschaftliche Folgen – etwa für Landwirte – werden angeführt, diese sind der EU-Kommission zufolge durch neue Technologien jedoch "weitgehend gegenstandslos".

73 Prozent der Deutschen sind gegen Zeitumstellung

In Deutschland ist die Zeitumstellung bei vielen nicht beliebt. In einer Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit sprachen sich 73 Prozent der Befragten dagegen aus. Zudem gab ein Viertel der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben. Die Bundesregierung hat sich zu dem Thema bislang nicht eindeutig positioniert.

Laut einem Kommissionssprecher werde es noch mehrere Wochen dauern, bis das Ergebnis veröffentlicht wird. Es wird jedoch damit gerechnet, dass sich die Mehrheit für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausspricht – da die Anhänger des Status quo meist weniger motiviert sind, sich freiwillig zu beteiligen.

Auch wenn sich eine Mehrheit der Teilnehmenden für eine Abschaffung der Zeitumstellung aussprechen sollte, ist die Umfrage nicht bindend. Vielmehr ist sie nur ein Meinungsbild, das in die Bewertung der EU-Kommission zur Zeitumstellung einfließt. Sollte die Kommission allerdings zu dem Schluss kommen, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte, könnte sie einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen. Dem müssten dann noch die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen.