Ein internationales Team hat eines der ältesten bisher bekannten Tiere identifiziert. Das Lebewesen habe vor 558 Millionen Jahren gelebt, schrieben die Forschenden im Fachmagazin Science (Bobrovskiy et al., 2018). Das Fossil ist schon länger bekannt und hat die Bezeichnung Dickinsonia. Es gehört zu der Gruppe der Ediacara-Fossilien, ovale Lebewesen, die vor 575 bis 541 Millionen Jahren lebten. Die Fachwelt diskutiert seit Jahrzehnten, ob es Tiere, Pilze, Pflanzen oder gigantische Einzeller sind. Nun sei der biochemische Nachweis gelungen, dass es sich zumindest bei der Ediacara-Art Dickinsonia um ein Tier handele.

Das Team um den Biogeochemiker Ilya Bobrovskiy von der Australian National University in Canberra arbeitete mit Dickinsonia-Fossilien, die es am Weißen Meer in Russland gefunden hatte. Daran konnten die Forschenden Reste von organischem Material identifizieren. Eine Analyse hätte ergeben, dass darin Cholesterin enthalten sei. "Das ist das erste Mal, dass so etwas in einem so alten Fossil gefunden wurde", sagte Mitautor Benjamin Nettersheim vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Cholesterol, ein Fettmolekül, ist typisch für viele Tierarten, nicht aber für Pflanzen und Pilze. Damit kamen die Forschenden zu dem Schluss: Dickinsonia ist kein Pilz, keine Pflanze, Flechte oder Alge. Allein mit diesem Ergebnis hätte Dickinsonia aber auch ein gigantischer Einzeller gewesen sein können. Deshalb schlossen die Mitautoren Christian Hallmann und Nettersheim weitere Forschungen an. Sie untersuchten die Fette von Einzellern, die heute in der Tiefsee der Antarktis oder im Mittelmeer leben. Im Labor simulierten sie die geologischen Veränderungen, denen die Fettmoleküle über Jahrmillionen ausgesetzt gewesen wären.

Anschließend verglichen sie die so gefundenen Stoffe mit denen von dem Dickinsonia-Fossil. "Diese haben eine andere Lipidsignatur", sagte Hallmann. Da es kein Einzeller ist, aber Cholesterin besitzt, muss es sich aus Sicht der Forschenden bei Dickinsonia um eine Tierart handeln.

"Sehr erstaunliche Entdeckung"

Für Aufsehen sorgte außerdem die Tatsache, dass das Cholesterin in den Dickinsonia-Fossilien so lange erhalten blieb. Fette könnten zwar generell recht lange überdauern, sagte der Ornithologe Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungszentrum für Naturkunde in Frankfurt am Main. Mayr hatte im vergangenen Jahr mit einem Vogelfossil ebenfalls für eine kleine wissenschaftliche Sensation gesorgt: In dem Fossil konnte 48 Millionen Jahre altes Fett nachgewiesen werden. Die Entdeckung von 558 Millionen Jahre altem Fett sei aber wegen des hohen Alters der Fossile sehr erstaunlich.

Das bestätigt auch der Bremer Experte Hallmann: "Die Fundstelle ist ziemlich einzigartig." Normalerweise fressen Mikroorganismen einen Großteil des organischen Materials eines toten Tieres auf. Die Überreste werden mit der Zeit von immer mehr Sedimentschichten überlagert, sodass diese steigenden Temperaturen und hohem Druck ausgesetzt sind. Dieser Vorgang zerstöre oft die Fettmoleküle. Wieso das bei den Fossilien vom Weißen Meer nicht geschehen ist, wissen die Experten bisher nicht.