Alle Blicke ruhen auf einem schwarzen Lederschuh. Ein Mann hält ihn mit weit ausgestrecktem Arm fest. Er steht in Socken auf einer Bühne, sein erster Schuh liegt dort bereits, jeden Moment muss auch der zweite fallen. Aber er fällt einfach nicht. "Waiting for the other shoe to drop", wie der Amerikaner sprichwörtlich sagt: das Warten auf etwas, das gleich kommen muss.

Dieses etwas ist die Verleihung der Ig-Nobelpreise, die Donnerstagabend an der Harvard-Universität im amerikanischen Cambridge mit dem Schuhfall eingeleitet wurde. Wortspiele gehören dazu, das deutet schon der Name der unwürdigen Nobelpreise (englisch ignoble) an. Eine Art von Antinobelpreisen also, die an Wissenschaftlerinnen und Forscher verliehen werden, deren Leistungen zunächst so absurd klingen, dass sie alles sein können, nur nicht nobelpreisverdächtig. Die Verantwortlichen betonen jedoch: Ziel sei nicht, sich über Wissenschaft lustig zu machen – es gehe darum, Forschung zu würdigen, die Menschen erst zum Lachen bringt und dann zum Nachdenken anregt.

Überreicht wird der Preis auch deshalb jedes Mal von echten Nobelpreisträgern im Auftrag des Magazins Annals of Improbable Research. Dieses Mal unter den Gewinnern in insgesamt zehn Kategorien: Fruchtfliegenerschnüffler und Sich-selbst-Darmspiegler.

Miss Sweetie Poo bleibt unnachgiebig

Während andere Preisverleihungen oft langwierig und langweilig sind, folgt bei der Verleihung der Igs ein Gag auf den Nächsten. Viele davon sind seit der ersten Verleihung 1991 Tradition. So findet beispielsweise ein streng definiertes Papierflugzeugwerfen statt, bei dem die Zuschauer im altehrwürdigen Sanders Theatre Papierflieger auf eine menschliche Zielscheibe abfeuern dürfen. Statt aufwendiger Lichttechnik gibt es zwei silbern angemalte menschliche Spotlights, die mit Taschenlampen über die Bühne wandern. Und wenn die Preisträger ihre Redezeit von einer Minute überschreiten, kommt die achtjährige Miss Sweetie Poo und wiederholt unablässig, "hör bitte auf, ich langweile mich", bis der Redner endlich still ist. Manche von ihnen versuchten zwar, sich mit Süßigkeiten und Geschenken ein wenig mehr Zeit zu erkaufen. Miss Sweetie Poo ließ sich jedoch nicht beirren.

Das sind die diesjährigen Preisträger und Gewinnerinnen der Ig-Nobelpreise:

  • Anthropologie: Dieser Preis ging an Tomas Persson, Gabriela-Alina Sauciuc und Elainie Madsen und ihre Teams aus Schweden, Rumänien, Dänemark, den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien, Indonesien und Italien. Die Forscherinnen und Wissenschaftler sammelten Beweise, dass Schimpansen in einem Zoo in etwa so oft – und in etwa so gut – Menschen imitieren, wie Menschen das bei Schimpansen machen (Primates: Persson et al., 2018).
  • Biologie: Geehrt wurden Paul Becher, Sebastien Lebreton, Erika Wallin, Erik Hedenstrom, Felipe Borrero-Echeverry, Marie Bengtsson, Volker Jorger und Peter Witzgall aus Schweden, Kolumbien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Sie konnten zeigen, dass Weinkenner schon am Geruch erkennen, ob sich eine Fruchtfliege im Weinglas befindet (Journal of Chemical Ecology: Becher et al., 2018).
Der Japaner Akira Horiuchi (rechts) demonstriert, wie eine Darmspiegelung auch im Sitzen klappt. © Michael Dwyer/picture alliance/AP Photo
  • Chemie: Paula Romão, Adília Alarcão und César Viana aus Portugal untersuchten, wie gut man mithilfe von Speichel schmutzige Oberflächen reinigen kann (Studies in Conservation: Romão et al., 2013). Romão merkte allerdings während ihrer Dankesrede an, dieses Reinigungsmittel sei am besten für Malereien, Skulpturen oder vergoldetes Holz zu verwenden – in der Küche solle man lieber mit anderen Mitteln putzen.
  • Medizinische Ausbildung: Akira Horiuchi aus Japan erhält diesen Preis. Er fand heraus, dass eine Darmspiegelung funktioniert, selbst wenn der Patient sitzt. Das wäre wohl noch nicht ignoble – hätte Horiuchi die Darmspiegelung nicht bei sich selbst getestet (Gastrointestinal Endoscopy: Horiuchi/Nakayama, 2006).