Mehr als 100.000 Kundinnen und Kunden pro Jahr folgen dem großen Versprechen: nie wieder Brille oder Kontaktlinsen tragen für nur 1.000 bis 2.000 Euro. Augenoperationen mit Laser werden immer beliebter. Manche haben trotzdem Angst, dass das gebündelte Licht, das Gewebe wegschmelzt oder winzige Schnitte in die Hornhaut setzt, Nebenwirkungen hat oder sie gar blind macht. Zu Recht? ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Augenlasern.

Was hat der Physiknobelpreis mit Augenoperationen zu tun?

Den ersten Laser (kurz für: light amplification by stimulated emission of radiation, zu Deutsch ungefähr: Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung) beschrieb Theodore Maiman bereits vor fast 60 Jahren (Nature: Maiman, 1960). Seitdem ist einiges passiert. Unter anderem ist die Leistung der Geräte rasant gestiegen. Maßgeblich dazu beigetragen haben der Franzose Gérard Mourou und die Kanadierin Donna Strickland, die dafür in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden. Sie entwickelten ein einfaches, elegantes Verfahren, das Laserpulse maßgeblich verstärkte: die CPA-Technologie (Chirped Pulse Amplification, siehe Grafik). Dank dieser Technologie können heute Laser gebaut werden, die Lichtpulse mit sehr hoher Intensität erzeugen, ohne die Verstärker dabei zu zerstören. Und diese Laser können feinste Gewebe präzise verändern.


Das machen sich Ärztinnen und Ärzte bei chirurgischen Eingriffen am Auge zunutze, um Patientinnen und Patienten wieder scharf sehen zu lassen. Diese Augenoperationen, die konventionelle Hilfsmittel wie Brille oder Kontaktlinsen ersetzen, fasst man unter der Bezeichnung refraktive Chirurgie zusammen. Frühe Laserverfahren der Achtziger- und Neunzigerjahre arbeiteten hier vor allem mit dem Verfahren der Photoablation, bei dem Gewebe der Hornhaut verdampft wurden. Ein sogenannter Excimerlaser trug dünne Schichten der Hornhaut durch ultraviolettes Licht ab. Die Forschung der beiden neuen Nobelpreisträger ergänzte diesen frühen Laser durch einen neuen, präzise einstellbaren Hochintensitätslaser: den Femtosekundenlaser, der mit ultrakurzen Lichtpulsen arbeitet und das Gewebe nicht mehr verdampft, sondern herausschneidet. Als ultragenaues Laserskalpel eignet er sich besonders gut für Augenkorrekturen. Bei den heutigen Operationen werden entweder beide Laser oder nur der Femtosekundenlaser angewandt.

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Warum sehe ich nicht scharf?

Um zu verstehen, wie Laser-Augenoperationen funktionieren, müssen wir einen Blick auf die Funktion unserer Augen werfen. Das Auge ist ein komplexer optischer Apparat. Das, was wir sehen, muss in Form von Licht zuerst durch die Hornhaut und die Linse dringen, dann durch den Glaskörper wandern, um schließlich die Netzhaut zu erreichen. Dort beginnt die Verarbeitung der Bilder. Hornhaut und Linse brechen, ähnlich wie bei einem Fotoapparat, das Licht. So verkleinern sie das Abbild dessen, was wir sehen, damit es auf die Netzhaut passt. Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit gibt es hier ein Problem: Sie brechen das Licht zu stark oder zu schwach und das scharfe Bild landet vor oder hinter der Netzhaut. Was auf der Netzhaut erscheint, ist dementsprechend verschwommen.

Die modernen Verfahren helfen dabei sowohl kurzsichtigen als auch weitsichtigen Menschen, indem sie die Brennkraft der Hornhaut korrigieren. Die Laser verändern die Hornhaut so, dass sie das Licht stärker oder weniger stark bricht und ein scharfes Bild auf der Netzhaut erscheint.

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Was genau wird am Auge gelasert?

Die ersten Laser-Augenoperationen folgten der Idee, dass ein präziser, gebündelter Lichtstrahl das überflüssige Gewebe auf der Augoberfläche einfach wegschmelzen und damit die Funktion der Hornhaut ändern kann. Diese Technik, die photorefraktive Keratektomie (PRK), benutzen Ärztinnnen und Ärzte seit den späten Achtzigerjahren. Sie ist aber nicht die einzige. "Insgesamt gibt es sehr viele verschiedene Augenoperationen, die mit Lasern durchgeführt werden", sagt die Fachärztin für Augenheilkunde und Augenlaserchirurgin Inger Lüdeke. "In der refraktiven Chirurgie wird zur Behandlung von Kurzsichtigkeit seit ungefähr 20 Jahren am häufigsten die Lasik-Methode angewandt. Neu und vielversprechend ist seit einigen Jahren auch die Smile-Methode."

Bei der Lasik-Methode (Laser-in-situ-Keratomileusis) schneidet die behandelnde Augenärztin die Hornhaut mit einem Femtosekundenlaser im Kreis ein, wie eine Scheibe Brot, die man nicht vollends abschneidet. Dann klappt die Augenärztin die Scheibe, den sogenannten Flap, hoch und lasert Teile der darunterliegenden Hornhaut weg. So wird die Brechung der Hornhaut verändert. Das feine Läppchen der Hornhaut klappt sie anschließend zurück – es dient als Schutz. "Smile" steht für das mikrochirurgische Verfahren Small Incision Lenticule Extraction. Hier wiederum arbeitet der Augenarzt nicht mit einem Hornhautläppchen. Er schneidet sich stattdessen mit einem hochpräzisen Laser einen kleinen Zugang von weniger als vier Millimetern, durch den er eine dünne Schicht der Hornhaut – das Lentikel – entnimmt. In ihrem aktuellen Bericht (hier als PDF) zur Bewertung und Qualitätssicherung stellt die Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) fest, dass beide Verfahren – Lasik und Smile – gleichwertig sind.

Laut des Verbands der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) ist die Lasik-Methode besonders verbreitet, weil sie für viele Fälle der Fehlsichtigkeit infrage kommt: Mit der Methode können Kurzsichtigkeit bis ungefähr -8 Dioptrien und Weitsichtigkeit bis +3 Dioptrien behandelt werden. Zum anderen sei die Methode seit mehr als 20 Jahren verbreitet und deshalb mit längeren Studien bestätigt. Die PRK, die älteste Methode, die es seit 1987 gibt, wird heute seltener angewandt, kann aber noch immer für Patientinnen und Patienten geeignet sein, deren Hornhaut besonders dünn ist. Das Smile-Verfahren hat besonders bei sehr trockenen Augen Vorteile, wie eine Studie kürzlich bestätigte (International Journal of Ophthalmology: Xiae et al., 2017).

"Ziel der Operationen ist es, die Sehleistung ohne Brille zu erreichen, die man zuvor mit Brille geschafft hat", sagt Inger Lüdeke. "Das liegt daran, dass die Sehleistung nicht nur abhängig ist von der Optik, die wir mit den Verfahren ändern, sondern auch von der Sinnesleistung der Netzhaut." Und gegen Probleme mit den Sinnesleistung der Augen, zum Beispiel Erkrankungen der Netzhaut, hilft die refraktive Chirurgie nicht.

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Wie sicher sind die Eingriffe mit dem Laser?

"Generell handelt es sich um sehr sichere Operationen, aber natürlich ist es ein Eingriff, deshalb müssen wir auf die Risiken hinweisen", sagt Inger Lüdeke. "Die klassischen Nebenwirkungen sind trockene Augen und eine anfängliche Blendempfindlichkeit." Dazu kommt es, weil während des Eingriffs Nerven der Hornhaut beschädigt werden. Sie wachsen wieder nach, aber in den ersten zwei Wochen nach der Operation signalisieren sie unter Umständen nicht mehr richtig, dass das Auge trocken ist und der Mensch blinzeln sollte oder mehr Tränenflüssigkeit produziert werden muss. Beides – die Trockenheit und die stärkere Empfindlichkeit gegenüber Licht – verschwinden in aller Regel aber nach Tagen bis Wochen.

Da es sich um einen Eingriff am Äußeren des Auges und nicht im Auge selbst handele, könne man im Prinzip nicht erblinden, sagt Lüdeke. "Entzündungen, die bei jedem operativen Eingriff vorkommen können, würden also im schlimmsten Fall nicht zum irreversiblen Sehverlust führen, sondern allein die Hornhaut betreffen." Eine Hornhautentzündung beugen die Ärzte vor, indem sie Cortison-Augentropfen und Antibiotika verschreiben. Außerdem sollten Frischoperierte möglichst verhindern, dass sie Wasser, Staub oder Schweiß und damit Bakterien oder Viren ins Auge bekommen.

Die beiden verwendeten Laser haben zudem eingebaute Sicherheitssysteme. Der Excimerlaser erkennt anhand einer Iriserkennung, wenn sich das Auge bewegt, und bewegt sich mit. Der Femtosekundenlaser lasert durch ein Kontaktglas. Die Wahrscheinlichkeit, dass er falsch lasert, ist sehr gering, da er nach den zuvor genau ermittelten Daten arbeitet.

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In welchem Alter sollte man sich operieren lassen und reicht eine OP?

Bis zum Ende des 30. Lebensjahres kann sich das Auge noch etwas verändern. Wer in den eineinhalb Jahren vor der OP jedoch keine Veränderung der Sehkraft von mehr als 0,5 Dioptrien erlebt hat, kann in der Regel operiert werden. In seltenen Fällen bildet sich die Hornhaut nach der Operation wieder zurück, die Patientin wird dann wieder leicht kurz- oder weitsichtig – und muss mitunter erneut operiert werden. Ab einem gewissen Alter, ungefähr dem 45. Lebensjahr, nimmt außerdem die Elastizität der Augenlinse ab – es fällt ihr schwerer, sich auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen. Bei diesem Problem kann der Laser bislang keine Abhilfe schaffen.

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Wie zufrieden sind die Patientinnen und Patienten?

Die Patientenzufriedenheit ist laut des Verbands der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie zudem mit 95 Prozent (bei Patientinnen und Patienten, die sich einer Lasik-Operation unterzogen) außergewöhnlich hoch. Studienergebnisse bestätigen das: Bereits 2008 wiesen Forscherinnen und Forscher nach, dass 95 Prozent der Patienten, die sich aufgrund einer Kurzsichtigkeit oder einer Hornhautverkrümmung einer Operation unterzogen hatten, sechs Monate später zufrieden waren und die Behandlung einem Freund oder Familienmitglied weiterempfehlen würden (Journal of Refractive Surgery: Jing Yu et al.).

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