Für die Entwicklung spezieller Krebstherapien erhalten in diesem Jahr die Immunologen James Allison und Tasuku Honjo den Nobelpreis in der Kategorie Physiologie oder Medizin. (UPDATE: Einen ausführlichen Artikel über die Forschung der Preisträger lesen Sie hier). Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. "Der Nobelpreis dieses Jahres ist ein Meilenstein in unserem Kampf gegen Krebs", twitterte die Nobeljury. Die Entdeckungen der beiden Mediziner nutzten die Fähigkeit des Immunsystems, Krebszellen zu bekämpfen, indem die Bremsen der Immunzellen gelöst würden.

Die natürliche Abwehr des Menschen ist in der Lage, nicht nur Viren und Bakterien, sondern auch Krebszellen zu erkennen und anzugreifen. Vor einigen Jahrzehnten entdeckten Forscherinnen und Forscher bereits, dass bestimmte Rezeptoren sogenannter T-Zellen sich auch an die Oberflächen dieser fehlgesteuerten körpereigenen Zellen heften. Machen diese T-Zellen einen Eindringling ausfindig, geben sie normalerweise das Signal an das Immunsystem, den Tumor zu zerstören. Doch andere Proteine im Prozess der Immunabwehr verhindern eine direkte Abwehrreaktion: Sie wirken wie Bremsen.

Die Immunologen James Allison und Tasuku Honjo entdeckten unabhängig voneinander solche Inhibitoren an Krebszellen und kamen auf eine entscheidende Idee: Wenn diese sich in ihrer Funktion ausschalten ließen, man die Bremsen, die die Krebsabwehr aufhalten, also lösen könnte: Wäre das nicht ein Ansatz für eine neue Art der Krebstherapie?

Genau diese zu entwickeln gelang beiden unabhängig voneinander. Dafür werden sie nun mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die in der Wissenschaft vergeben wird. Das Einzigartige an diesem neuen Ansatz sei, dass die Therapie ins Immunsystem eingreife, anstatt direkt Krebszellen zu attackieren, sagte das Nobelkomitee zur Begründung. Mit herkömmlichen Therapien kaum zu behandelnde Tumorarten – insbesondere, wenn sich schon Metastasen gebildet hätten – seien durch diese Checkpoint-Inhibitoren-Therapie erst therapierbar geworden. Außerdem lasse sich diese Art der Behandlung bei vielen Krebsarten einsetzen. Die Immunonkologie gilt nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft als eine der großen Hoffnungsträgerinnen der Krebstherapie.

Die entscheidenden Entdeckungen: Protein PD-1 und CTLA-4

Tasuku Honjo © 大臣官房人事課

Der Japaner Tasuku Honjo entdeckte im Jahr 1992 das Protein PD-1 und stellte fest, dass es den Angriff auf Tumorzellen ausbremst. Er entwickelte zunächst im Mäusemodell ein Medikament, um die Bremsenfunktion des Proteins aufzuheben. Heute gibt es eine entsprechende Therapie, die an Menschen mit schweren Krebsarten, etwa fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs oder Lungenkrebs, der schon Metastasen gebildet hat, erfolgreich eingesetzt wird. Der heute 76-Jährige lehrt seit 1984 an der Universität Kyōto.

James Allison © Gerbil/[CC BY-SA 3.0]

Ähnliches gelang James Allison, seit 2012 Leiter der Immunologie an der University of Texas in Houston, mit einem anderen Protein: CTLA-4. Entdeckt hatten der heute 70-jährige Allison und sein Team es bereits 1995. Das Protein vermittelt ebenfalls die Abschwächung des Immunsystems durch Regulatorische T-Zellen.

Die Verleihung findet im Dezember statt

Wer die anderen Nominierten waren, bleibt 50 Jahre geheim: So steht es in den Statuten der Nobelstiftung. "Diejenigen (...), die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben" – sie sollen jedes Jahr Preise erhalten. So hatte es der Großindustrielle und Erfinder des Dynamits Alfred Nobel 1895 in Paris in seinem letzten Willen notiert. Finanziert mit den Zinsen eines beträchtlichen Teils seines Vermögens. Seit 1901 werden die Nobelpreise verliehen. Kein Preis in Wissenschaft und Forschung sowie im Kampf für Frieden und in der Literatur gilt als größere Ehre.

Am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, werden die Auszeichnungen verliehen. Die Geehrten erhalten eine Urkunde und eine goldene Medaille mit dem Konterfei des Stifters. Zusätzlich können sie sich über ein Preisgeld von derzeit neun Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet gut 870.000 Euro) freuen. Es muss versteuert werden, darf aber für anderes als weitere Forschung verwendet werden.

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