Crispr - So funktioniert das neue Universalwerkzeug der Gentechnik Günstig, leicht zu handhaben und enorm effektiv: Crispr revolutioniert die Gentechnik. Das Erbgut aller Lebewesen lässt sich damit beliebig formen, wie das Video zeigt.

Problematisch wird es, wenn solche Technologien ungehindert das Labor verlassen. Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen in die Natur entlassen, veränderte Tiere ausgewildert oder eben Gentechnik am Menschen ausprobiert wird. Und genau das ist nun vielleicht passiert, wenn He, wie er sagt, menschliches Erbgut umprogrammiert und die Embryonen anschließend eben nicht wie bisher üblich weggeworfen, sondern in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt hat.

Die Geschichte lehrt, dass Tabubrüche Fortschritt fördern, theoretisch Machbares zu Tatsachen werden lassen. Leider im schlechtesten, weil unmoralischen Stil. Wünschenswert wäre, dass sich Forscher und Forscherinnen an die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis halten und Demut walten lassen, während sie nach einer Revolution streben. Doch die Realität sieht anders aus.

He hat alles falsch gemacht, was man in diesem Feld falsch machen kann: Er hat mit der HIV-Resistenz einen umstrittenen Fall gewählt, weil es einen solchen Eingriff in die Keimbahn bei HIV gar nicht braucht, um Kinder vor dem Aids-Erreger zu schützen. Er behauptet, etwas getan zu haben, was die Mehrheit der Wissenschaft öffentlich ablehnt. Und er liefert nicht einmal einen Beweis, eine unabhängig von Fachkollegen geprüfte Studie, sondern wirft sein vermeintliches Experiment dem Rest der Welt vor die Füße. Wohlgemerkt ein Experiment, das womöglich lebende Zwillinge hervorgebracht hat.

Sollten es sich als wahr erweisen, handelt es sich um eine skandalöse Machtdemonstration. Sollte es der Versuch von Werbung oder eine bewusste Provokation sein, handelt es sich zumindest um einen Weckruf. Um künftiges Unheil abzuwenden, gilt es daher unter allen Umständen, den Fall als Maßstab zu nehmen und daraus verbindliche Regeln abzuleiten: Wer darf wen wie behandeln? Wann ist Crispr in der Therapie sinnvoll? Wann nur Spielerei oder Demonstration des Könnens? Wie lässt sich das Werkzeug noch präziser und sicherer machen?

Selbst wenn das Tabu gebrochen ist, ist es dafür nicht zu spät. Im Gegenteil nimmt uns die Grenzüberschreitung noch mehr in die Verantwortung. Jetzt ist nicht die Zeit für voreilige Verbote und von Unverständnis bis Panik getriebene Gesetze, die verhindern, dass eine chancenreiche Technologie sicher und sinnvoll weiterentwickelt wird. Es ist die Zeit, zu kritisieren, zu diskutieren, zu fordern, damit es möglichst bald international übereinstimmendes Recht dazu gibt. Das gilt für Forscherinnen ebenso wie für Politiker, für jeden Bürger, jede Bürgerin. Was technisch möglich ist, wird doch sowieso gemacht, sagen viele – He scheint dafür der lebende Beweis. Doch nur weil einer bereit ist, auszureizen, was machbar ist, müssen wir nicht kapitulieren. Nächste Woche darf nicht normal sein, was He getan hat.