Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat vor einer steigenden Verfügbarkeit von Kokain in Europa gewarnt. "Es scheint, dass große Mengen Kokain in regelmäßigen Abständen nach Europa gelangen", heißt es in einem Bericht der EU-Behörde. Zudem sei "eine qualitative Veränderung in der Natur des Kokainhandels" zu beobachten. Demnach habe der Wettbewerb zugenommen und Drogenhändler entwickelten neue Möglichkeiten des Kokainschmuggels.

Dem Bericht zufolge spielt der digitale Handel mit Kokain zunehmend eine Rolle. Verschlüsselte Kommunikationsanwendungen oder der Einsatz von Kryptowährungen erleichterten organisierten Banden das Drogengeschäft. Social-Media-Plattformen würden genutzt, um Kokain und andere Drogen zu bewerben. Eine Vertriebsstrategie sei zudem, Callcenter einzurichten, über die Kuriere ihre Kundinnen und Kunden jederzeit beliefern könnten.

Laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht ist Europa nach Nordamerika der zweitgrößte Markt für Kokain. Im vergangen Jahr konsumierten in der Europäischen Union etwa 2,3 Millionen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren die Droge. Während der Preis weitgehend stabil blieb, erreichte die Reinheit des Produkts im Straßenverkauf im Jahr 2016 einen Höchststand.

Drogenkonsum weltweit auf Rekordhoch

Der Studie zufolge erschließen Drogenhändler zunehmend neue Märkte. Banden verkaufen demnach Kokain heute nicht mehr nur in Großstädten, sondern auch in kleinen Orten und ländlichen Regionen. Zudem gebe es Anzeichen dafür, dass sich die Droge anders als bisher stärker in Osteuropa ausbreitet. Möglich ist der EU-Behörde zufolge auch, dass Europa eine Transitregion für den Drogenhandel nach Asien geworden ist.

Bereits im Juni berichteten die Vereinten Nationen von einem steigenden Drogenkonsum weltweit. Demnach wurden nie mehr illegale Drogen konsumiert als heute. Im Jahr 2016 nahmen rund 275 Millionen Männer und Frauen mindestens einmal illegale Rauschmittel. Das waren 25 Millionen oder rund zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Der steigende Konsum hängt dem UN-Bericht zufolge mit dem wachsenden Angebot zusammen: Besonders in Asien und Afrika würden die Kokainmärkte größer. Die weltweite Kokainherstellung sei in der Folge auf den Höchstwert von geschätzten 1.410 Tonnen gestiegen.

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Auch das Bundeskriminalamt in Deutschland registrierte in der Vergangenheit eine steigende Zahl an Rauschgiftdelikten. Im Jahr 2017 wurden mehr als 330.000 entsprechende Straftaten erfasst. Die Delikte mit Kokain nahmen mit einem Anstieg von 17,9 Prozent besonders deutlich zu

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