Immer wieder lesen wir von neuen Knochenfunden: Fossile Überreste zeugen von den gigantischen Echsen, die einst auf der Erde lebten. Aus all diesen Puzzleteilen von Einzelfunden setzt sich langsam ein Bild zusammen, wie die Saurier lebten, wie sie aussahen und wie die Giganten unter ihnen ausstarben. Grund für uns, einmal das wichtigste Dinowissen zusammenzufassen. Diese zehn Dinge können Sie sich schon mal merken.

1. Verwandte der Dinosaurier leben bis heute auf der Erde

Dass sie längst alle ausgestorben seien – diese Annahme ist wohl die Mutter aller Dinosauriermythen. Klar, einen lebenden Tyrannosaurus rex oder einen 60 Tonnen schweren Argentinosaurus sucht man heute auf der Welt vergeblich. Ausgehend von relativ kleinen zweibeinigen Raubdinosaurier (Theropoden) hat es aber eine Gruppe bis in unsere heutige Zeit geschafft und sich sogar zu nie da gewesener Artenfülle entfaltet: die Vögel mit ihren 10.000 Arten. Zum Vergleich: Sogar zu ihren Hochzeiten haben wahrscheinlich nie mehr als etwa 250 der klassischen Dinosaurierarten gleichzeitig auf der Erde gelebt.

Bernhard Kegel ist Biologe und Wissenschaftsautor. Kürzlich erschien sein Buch "Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren" (2018). © privat

Die große anatomische Ähnlichkeit von zweibeinigen Raubdinosauriern und Vögeln war schon Zeitgenossen von Charles Darwin aufgefallen, ist also beileibe keine neue Entdeckung. Wirklich durchsetzen konnte sich diese Ansicht aber erst im späten 20. Jahrhundert durch den US-Amerikaner John Ostrom und seinen Schüler Robert Bakker. Ostrom hatte mit dem Deinonychus, dem Vorbild der Velociraptoren in Jurassic Park, einen ganz neuen agilen Typ von Dinosauriern entdeckt, dessen Ähnlichkeit mit modernen Vögeln ihn faszinierte. Es stellte sich zudem heraus, dass immer mehr exklusive Merkmale der Vögel schon von Dinosauriern entwickelt wurden. Dazu gehören etwa die hohlen, von Luftsäcken durchzogenen Knochen, die Zweibeinigkeit sowie Nestbau und Brutpflege. Der prominente New Yorker Paläontologe Mark Norell brachte es auf den Punkt: "Weil Vögel von Dinosauriern abstammen, sind sie Dinosaurier, genauso wie wir Menschen Säugetiere sind."

Korrekt muss es also heißen: Nur die Nichtvogeldinosaurier starben mit dem Ende des Erdmittelalters aus. In Gestalt der Vögel haben einige Dinosaurier aber bis heute überlebt.

2. Sie hatten Federn, aber nicht zum Fliegen

Für uns, die wir nur die heutige Tierwelt erleben können, sind Vögel die einzigen gefiederten Lebewesen. Vögel, Federn und die Fähigkeit zu fliegen – das gehört für uns untrennbar zusammen. Dank neuerer Fossilfunde vor allem aus China wissen wir aber, dass die Feder schon in einer Zeit entstand, als an Vögel noch gar nicht zu denken war. Federn gab es, wie viele andere vermeintliche Vogelmerkmale auch, bereits bei den Dinosauriern. Sie sind aber nicht erfunden worden, um sich mit ihrer Hilfe in die Lüfte zu schwingen. Wahrscheinlich dienten sie ursprünglich als Wärmeschutz, wurde dann aber auch genutzt, um mit einer auffälligen Federtracht anzugeben, gegenüber Rivalen, vor allem aber um potentiellen Partnern zu imponieren, wie es die Vögel heute noch tun. Die sexuelle Selektion, der Anpassungsdruck, der dadurch entsteht, dass Tiere, meist die Weibchen, ihre Partner aufgrund bestimmter Merkmale und Verhaltensweisen auswählen, ist eine mächtige Triebkraft der Evolution. Darüber wie die Tiere mithilfe der neu erworbenen Federtracht schließlich die Flugfähigkeit erlangten, gibt es verschiedene konkurrierende Theorien.

3. Ein Meteoriteneinschlag ließ sie aussterben

Dinosaurier beherrschen die Kontinente über mehr als 150 Millionen Jahre, 1.000 Mal länger als es den Homo sapiens gibt. Gerade die größten, die Sauropoden oder Langhalssaurier sind gemessen an der Zeit, die sie existierten, die bislang erfolgreichsten Pflanzenfresser gewesen, die je auf unserem Planeten gelebt haben. Sie waren also alles andere als Auslaufmodelle oder Fehlkonstruktionen.

Schuld an ihrem Aussterben war ein unvorhersehbarer Schicksalsschlag: der Einschlag eines zehn Kilometer großen Asteroiden, ein Ereignis mit derart katastrophalen globalen Folgen, dass keine größere Tierart überleben konnte. Ein Temperatursturz um etwa 26 Grad Celsius, Megatsunamis, gigantische Waldbrände, versauerte Ozeane – nur kleinere Tierarten mit verborgener Lebensweise und einem sehr breiten Nahrungsspektrum hatten unter diesen Umständen eine Chance. Dazu gehörten die frühen Säugetiere, die als Zeitgenossen der Dinos lebten, und eine Gruppe relativ kleiner gefiederter Dinosaurier, die Vögel. Ein Einschlagkrater, der zeitlich genau passt, wurde auf der mexikanischen Halbinsel Yu­ca­tán gefunden. Zum Teil liegt er im Meer, verborgen unter mehreren Hundert Meter hohen Sedimentschichten. Möglicherweise folgten dem Einschlag schwere Vulkanausbrüche in Indien.

4. Auch Dinosaurier hatten nur ein Gehirn

Die Wege sind weit in so einem riesigen Dinokörper, auch für Nervenimpulse. Und angesichts der kleinen Gehirne dieser Giganten fragt man sich unwillkürlich: Wie soll das gehen? So oder so ähnlich müssen wohl die Gedankengänge gewesen sein, die aus einer Verdickung im Wirbelkanal eines Stegosaurus gleich ein zweites Gehirn konstruierten. Heute gehen Forscherinnen und Forscher davon aus, dass sich an dieser Stelle neben einer Anhäufung von Nervenzellen, einem sogenannten Plexus, wie bei Vögeln ein großes Glykogendepot befand. Es diente wahrscheinlich als Energiespeicher für das Nervensystem und die starke Schwanzmuskulatur.

5. Sie lebten nicht nur in Amerika

Tatsächlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass Dinos nur dort lebten, wo heute die USA liegen. Denn fast alle Fossilien von Dinosauriern, die einer größeren Öffentlichkeit bekannt sind, stammen aus Nordamerika. Tyrannosaurus rex, Triceratops, Stegosaurus, Brontosaurus, Allosaurus, Apatosaurus, Diplodocus, Hadrosaurus, Deinonychus, sie alle wurden zuerst oder ausschließlich in den USA gefunden.

Die ersten Dinosaurier entstanden aber schon vor etwa 250 Millionen Jahren in der mittleren Trias und damals existierte Pangaea, ein alle Landmassen umfassenden Superkontinent, der erst im darauffolgenden Zeitalter des Jura zerbrach. Deshalb lebten Dinosaurier auf allen Kontinenten, sogar in der Antarktis sind ihre fossilen Knochen gefunden worden. Außerhalb der Fachkreise sind die Namen europäischer, asiatischer oder afrikanischer Arten aber kaum bekannt, was ausschließlich daran liegen dürfte, dass amerikanische Dinosaurier vor allem durch ihre Auftritte in Filmen wie King Kong (1933) schon früh zum Teil der in alle Welt exportierten Populärkultur wurden.

Dazu kam, dass Andrew Carnegie, ein steinreicher Unternehmer und Philanthrop, Anfang des 20. Jahrhunderts Gipskopien eines nahezu vollständigen Diplodocus-Skeletts anfertigen ließ, des damals größten bekannten Dinosauriers, und sie an Museen in aller Welt verschenkte. So verfestigte sich nicht nur in Europa der Eindruck, dass Dinosaurier vor allem eine amerikanische Erscheinung gewesen sind.