Ein Fußabdruck hat Neil Armstrong zu einer Ikone gemacht. Seine ersten Schritte auf dem Mond sind unvergessen, die Apollo-Missionen bis heute einzigartig. Bald aber soll eine neue Generation von Mond-Astronauten den alten Helden folgen und dort weitermachen, wo Apollo 17 aufgehört hat. Der Erdtrabant ist wieder en vogue. Nicht nur unter Wissenschaftlern, sondern auch unter Politikerinnen. Diese versprechen sich nicht nur Erkenntnisse, sondern vor allem nationales Renommee.

So landeten kürzlich die Chinesen mit der unbemannten Landefähre Chang'e 4 auf der Rückseite – ein Manöver, das nie zuvor gewagt wurde. Damit haben sie der amerikanische Weltraumbehörde Nasa vorerst die Schau gestohlen, die sich zusammen mit der Esa und zahlreichen Privatunternehmen ebenfalls daran macht, ihre bislang glorreichsten Zeiten der bemannten Raumfahrt wieder aufleben zu lassen – 50 Jahre, nachdem sie die ersten Menschen im Mondstaub wandeln ließ.

Der wesentliche Unterschied zu 1969: Dieses Mal will die Nasa nicht nur monatelang bleiben, der Mond dient auch als erste Station von Astronauten und Astronautinnen auf dem Weg in die Tiefen des Sonnensystems. Kern der Strategie ist eine neue Raumstation in der Nähe des Mondes, die ein Sprungbrett für bemannte Missionen auf dessen Oberfläche in den Dreißigerjahren dieses Jahrhunderts sein soll. Ihr vorläufiger Name: Lunar Orbital Platform-Gateway. Ihre vielleicht noch wichtigere Aufgabe: als Blaupause für ein mögliches Mars-Raumschiff dienen.

Donald Trump will zum Mond

Die Idee, erneut Menschen auf dem Mond zu landen, geistert seit Jahren durch die Köpfe der Nasa-Wissenschaftler. Mit US-Präsident Donald Trumps erster Weltraumdirektive von Ende 2017 wird sie nun wahrscheinlich Realität. Denn anders als sein Vorgänger strebt Trump zum Mond: "Beginnend mit Missionen im niedrigen Erdorbit werden die Vereinigten Staaten die Rückkehr von Menschen zum Mond zu Langzeit-Erkundungen und Nutzung anführen." Bemannte Missionen zum Mars und anderen Zielen würden folgen, heißt es in dem Papier weiter. Unterstützung bekam Trump von National Space Council, das sein Vize Mike Pence nach nahezu drei Jahrzehnten Ruhezeit wieder einberufen hat.

Der Plan: Ab 2024 soll der neue Außenposten in einer lang gestreckten Bahn den Mond umkreisen und bis zu vier Personen Platz bieten. Einer Skizze zufolge soll sich die Gateway-Station wie die derzeitige Internationale Raumstation aus einzelnen Modulen zusammensetzen. Mindestens einmal im Jahr solle eine Crew für etwa einen Monat vorbeischauen.

Während ihrer Aufenthalte muss die Besatzung dann lernen, im erdfernen Weltraum zu arbeiten – also dort, wo sie sich nicht schnell mit einer Kapsel auf die Erde flüchten kann, wenn es mal brenzlig wird.

Anders als die ISS soll die Gateway-Station aber eben nicht dauerhaft bewohnt sein, sondern quasi als robotisches Labor eine Reihe automatisch ablaufender Experimente beherbergen. Für zukünftige Missionen in den Deep Space wollen Wissenschaftlerinnen vor allem die dortige Strahlenbelastung erforschen.

Das Problem: Alle für eine Mondmission notwendigen Systeme sind noch in der Entwicklung – oder noch schlimmer: Es gibt sie bislang gar nicht. Die Super-Rakete SLS und das Raumschiff Orion, welche die Astronautinnen zum Mond und zurück transportieren sollen, sind zwar fast fertig. Aber es fehlt noch eine Mondfähre, um auf dem Erdtrabanten zu landen, und auch die Mondmobile gibt es nur als Zeichnungen. Die Nasa hat allerdings schon mehrere Unternehmen beauftragt, Konzepte zu entwickeln. Die Entscheidung, zumindest für die Raumstation, soll dieses Jahr fallen.