Kaum ein deutscher Wissenschaftler wurde so häufig geehrt wie er: Manfred Eigen. Nun ist der mehrfach ausgezeichnete Göttinger Forscher im Alter von 91 Jahren gestorben. Vor über 50 Jahren hat er den Chemie-Nobelpreis für seine Arbeit zu ultraschnellen chemischen Reaktionen bekommen. Dafür hat er zusammen mit einer Forschergruppe die sogenannten Relaxationsverfahren entwickelt. Mit diesen ist es möglich, Temperatur-, Druck- sowie elektrische Feldänderungen bei einer schnellen chemischen Reaktion zeitlich nachvollziehen zu können.

Neben der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung erhielt er unter anderem auch den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik sowie den Lifetime Achievement Award des Institute of Human Virology in Baltimore. "Manfred Eigens Interessen weit über sein eigenes Fachgebiet und die Naturwissenschaften hinaus, gepaart mit einem unbändigen Forschergeist, waren seine hervorstechenden Eigenschaften", sagte Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen.

Eigen wurde 1927 in Bochum geboren. Er studierte Physik und Chemie und Göttingen und betrieb dort auch seine weitere wissenschaftliche Karriere. Neben der Chemie beschäftigte er sich auch mit einigen Fragen der Evolution. Zudem gilt er als Mitbegründer der evolutiven Biotechnologie. Mit den von ihm und weiteren Forschenden entwickelten Experimenten lassen sich grundlegende Mechanismen der Evolution untersuchen. Darunter fallen zum Beispiel Tricks, mit denen Krankheitserreger das Immunsystem überlisten.