Europaparlament - EU-Abgeordnete stimmen für Ende der Zeitumstellung ab 2021 Mit dem Votum aus Straßburg ist die erste Hürde für die Abschaffung der Winter- und Sommerzeit genommen. Nun müssen sich die EU-Verkehrsminister auf eine Linie einigen. © Foto: Virginia Mayo

Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. 410 Abgeordnete stimmten dafür, 192 dagegen. 51 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Die Parlamentarier folgten damit einem Votum des Verkehrsausschusses, der empfohlen hatte, den halbjährlichen Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit im Herbst 2021 zu beenden.

Die Abstimmung war eine wichtige Hürde für das Ende der Zeitumstellung – im Gesetzgebungsprozess handelt es sich aber nur um einen Zwischenschritt. Bevor die abschließende Entscheidung kommen kann, müssen sich erst die EU-Verkehrsminister auf eine gemeinsame Linie einigen. Anschließend müssen sie mit Unterhändlern des EU-Parlaments einen Kompromiss finden. Damit wird nicht vor Herbst 2019 gerechnet.

Ziel ist eine möglichst einheitliche Regelung

Darüber, dass künftig nicht mehr zweimal im Jahr an den Uhren gedreht wird, herrscht auf EU-Ebene weitestgehend Einigkeit. Streit gibt es jedoch über den konkreten Zeitpunkt. Die EU-Kommission wollte die Zeitumstellung bereits in diesem Jahr enden lassen. Sie reagierte damit auch auf den Druck vieler Bürger. Bei einer EU-weiten Umfrage mit enormer Beteiligung hatten sich 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen.

Die EU-Verkehrsminister sträubten sich aber gegen eine kurzfristige Abschaffung und forderten mehr Vorbereitungszeit. Sie warnten vor einem "Flickenteppich" aus verschiedenen Zeitzonen in der EU – mit unabsehbaren Folgen etwa für den europaweiten Flugverkehr. Der Verkehrsausschuss griff diese Bedenken auf und schlug ein Koordinierungsgremium vor, in dem Vertreter von Kommission und Mitgliedsstaaten sitzen sollen. Es soll eine möglichst einheitliche Regelung in den Mitgliedsstaaten hervorbringen.

Laut den bisherigen Planungen der EU-Kommission kann jedes Land für sich entscheiden, in welcher Zeitzone es dauerhaft bleibt. Dadurch ist es möglich, dass sich etwa Deutschland anders entscheidet als die Nachbarn Belgien oder Frankreich – und die Länder dann in unterschiedlichen Zeitzonen liegen. Derzeit stimmen die EU-Staaten ihre Position ab, das nächste offizielle Ministertreffen zum Thema ist erst für Juni anberaumt – nach den Europawahlen.

EU-Staaten müssen sich bis April 2020 entscheiden

Laut dem bisherigen Zeitplan sollen die EU-Staaten der Brüsseler Kommission bis April 2020 mitteilen, welche Zeit sie dauerhaft beibehalten wollen – die Winter- oder die Sommerzeit. Im März 2021 soll dann zum letzten Mal die saisonale Zeitumstellung auf Sommerzeit erfolgen.

Seit 1996 werden in der Europäischen Union am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Ziel waren ursprünglich Energieeinsparungen. Doch der wirtschaftliche Nutzen ist heute umstritten. Außerdem legen wissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass manche Menschen unter dem Minijetlag gesundheitlich leiden. Auch Tieren fällt es schwer, sich immer wieder auf einen geänderten Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen.

Die nächste Zeitumstellung – auf die Sommerzeit – findet am kommenden Wochenende statt. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt.