Boeing 737 MAX 8 - Luftraumsperrungen nach Flugzeugabsturz Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 haben mehrere Länder ihren Luftraum für den Flieger gesperrt, auch Deutschland. In den USA darf die Boeing bisher noch fliegen. © Foto: Matt McKnight/Reuters

Im Oktober 2018 starben bei einem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air vor der indonesischen Küste 189 Menschen. Am Sonntag stürzte in der Nähe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nun eine baugleiche Maschine ab – keine der 157 Personen an Bord überlebte. Unter den Opfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge auch fünf Deutsche. Zwei Abstürze desselben Flugzeugtyps in einem halben Jahr, noch dazu eines neuen Modells. Das kann Zufall sein. Die Ursachen beider Unfälle werden noch untersucht.

Zahlreiche Airlines legten die Maschinen wegen Zweifeln an der Sicherheit nun aber bis auf Weiteres still. Die EU sperrte ihren Luftraum am Dienstagabend für alle Boeing 737 Max 8 und Max 9. Damit ist inzwischen ein Großteil der seit 2017 ausgelieferten 371 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Hinzu kommen zahlreiche Start- oder Überflugverbote von Luftfahrtbehörden weltweit. Somit kann die Boeing 737 Max 8 vorerst nicht mehr in Europa, China, weiten Teilen Südostasiens und Australien fliegen.

Was über das Flugzeug bekannt ist, welche Vorfälle es damit schon gab, welche Länder ihre Lufträume für die Maschinen sperren und wie sicher der Flugverkehr ist – ZEIT ONLINE beantwortet wichtige Fragen dazu:

Was ist die Boeing 737 Max 8 für ein Flugzeug?

Die Boeing 737 des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing ist die größte Familie von Verkehrsflugzeugen weltweit. Die Modelle mit der zusätzlichen Bezeichnung Max haben treibstoffeffizientere Motoren als ihre Vorgänger und transportieren etwa 200 Passagiere auf mittellangen Strecken zwischen 2.000 und 5.000 Kilometern.

Die Version Max 8 ist zudem sehr neu: Das Modell ist eine Neuauflage der seit den Sechzigerjahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren Triebwerken seit 2017 ausgeliefert. Boeing soll bereits mehr als 350 dieser Flugzeuge verkauft haben, mehr als 5.000 weitere seien bestellt.

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Was ist über die zwei Abstürze bekannt?

Zwar gibt es noch keine grundsätzlichen Rückschlüsse zu fehlender Sicherheit der Boeing-Version 737 Max 8. Nach Angaben der chinesischen Luftfahrtbehörde, die den Start des Flugzeugmodells nun vorerst verboten hat, lassen sich jedoch "gewisse Ähnlichkeiten" bei den zwei verunglückten Maschinen erkennen: Beide seien neu ausgelieferte Max-8-Flugzeuge gewesen, außerdem seien beide in der Startphase verunglückt und dies bei jeweils guten Wetterverhältnissen.

Addis Abeba - 157 Menschen sterben bei Flugzeugabsturz in Äthiopien Das Flugzeug der Ethiopian Airline war auf dem Weg in die Kenianische Hauptstadt Nairobi. Die Maschine vom Typ Boeing 737 MAX 8 gehört zu den weltweit verlässlichsten Flugzeugen. © Foto: MICHAEL TEWELDE/AFP/Getty Images

In Äthiopien war der Funkkontakt zu Flug ET 302 sechs Minuten nach dem Start abgebrochen, wenig später stürzte die Maschine ab. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, erklärte der Betreiber der Maschine, Ethiopian Airlines. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet. Am Unglücksort wurden bereits der Stimmenrekorder, der die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, und der Flugschreiber mit den digitalen Flugdaten geborgen, teilte Ethiopian Airlines mit. Ein ehemaliger Ermittler der US-Verkehrsbehörde, Alan Diehl, sagte, dass die großen Geschwindigkeitsschwankungen beim Aufstieg der Maschine auf ein mögliches Steuerungsproblem hindeuteten. Aber auch ein Triebwerksschaden, menschliches Versagen, Sabotage oder Vogelschlag seien als Ursachen nicht auszuschließen.

Zum Absturz der Boeing 737 Max 8 in Indonesien am 29. Oktober 2018 liegt noch kein endgültiger Untersuchungsbericht vor. Der Vorstandschef der Airline Lion Air, Edward Sirait, hatte kurz nach dem Unglück bestätigt, dass die Maschine schon vor dem Start ein technisches Problem gehabt habe. Dies sei jedoch vor dem Flug behoben worden. 

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Wo dürfen Maschinen des Typs nicht mehr starten und landen?

Mittlerweile starten wohl keine Flugzeuge der Max-8-Reihe mehr. Nachdem China, Indonesien und Äthiopien als erste Länder direkt nach dem Absturz in Äthiopien ein vorläufiges Startverbot für alle 737-Max-8-Maschinen erklärten, folgten weitere Flugverbote in Singapur und Oman. Allein in China sind mehr als 100 Flugzeuge betroffen. Ein paar Länder gingen sogar weiter: Die Europäische Union, Malaysia, Singapur und Australien sperrten vorerst den kompletten Luftraum für die Maschinen.

Die Fluggesellschaften Norwegian (18 Maschinen), Tui (15), Turkish Airlines (12), die mexikanische Aeroméxico (6), Aerolíneas Argentinas (5), Ethiopian Airlines (4), Icelandair (3), Cayman Airways (2), die südkoreanische Eastar (2), die brasilianische Gol (7) und Südafrikas Comair (1) haben die Flugzeuge vorerst aus dem Betrieb genommen. Deutsche Fluggesellschaften nutzen keine Boeing 737 Max 8, wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mitteilte.

Am 13. März verhängte dann auch die mächtige US-Luftfahrtbehörde FAA ein Flugverbot für alle Boeing 737-Max-8-Maschinen. Schon vor den USA hatten Europa, weite Teilen Asiens und zuletzt Kanada die Flugzeuge mit einem Startverbot belegt. Mit dem Verbot in den USA stehen inzwischen mehr als 310 Maschinen am Boden. Der US-Luftfahrtkonzern Boeing empfahl am Mittwoch als Vorsichtsmaßnahme ein vorübergehendes Startverbot für alle 371 Flugzeuge der Baureihe 737 Max weltweit. In der FAA-Anordnung heißt es, die Untersuchungen am Wrack der Maschine in Äthiopien hätten am Mittwoch neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start der Ethiopian-Airlines-Maschine in Addis Abeba wiesen sie "einige Ähnlichkeiten" zum Absturz in Indonesien auf. Der amtierende Behördenchef Daniel Elwell habe beschlossen, "dass eine Gefahr mit Bezug zur Sicherheit bei der kommerziellen Luftfahrt besteht".

Die FAA stellt sich auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs Boeing 737 Max ein. Er rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge "innerhalb von ein paar Monaten", sagte der amtierende Behördenchef Daniel Elwell vor Journalisten, wie unter anderem das Wall Street Journal in der Nacht zum Donnerstag berichtete.

US-Präsident Donald Trump sprach sich zuvor gegen den Einsatz von zu viel Computertechnologie in der Luftfahrtbranche aus. "Flugzeuge werden viel zu kompliziert zum Fliegen", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter, ohne Boeing zu erwähnen. Statt Piloten brauche es heutzutage Computerspezialisten. Doch diese Komplexität berge Gefahren, so Trump. "Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten. Ich will großartige Flugprofis, die einfach und schnell die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen dürfen", schrieb er. 

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Pilotinnen und Piloten beschwerten sich über die 737 Max 8, warum?

Einige Tage nach dem Unglück in Indonesien informierte der Hersteller Boeing Fluggesellschaften, die bereits 737-Max-8-Modelle im Einsatz hatten, über mögliche Schwierigkeiten mit den Maschinen. So könnten mitunter fehlerhafte Informationen eines Sensors dazu führen, dass die Flugzeuge ihre Nase automatisch absenken. Wie die Washington Post berichtete, wurde Piloten und Pilotinnen darin der Umgang mit den Sensoren erläutert. Außerdem soll dieses Problem nur bei manueller Steuerung auftreten. Das führte allerdings zu Beschwerden. Einige Piloten waren der Meinung, dass Boeing sie nicht ausreichend über das System und die mit ihm verbundenen Komplikationen informiert habe. Der Boeing-Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg widersprach dem jedoch im Dezember vergangenen Jahres. Er sagte, dass Boeing keine betrieblichen Details von Pilotinnen und Piloten sowie Fluggesellschaften ferngehalten habe.

Boeing hat nun mitgeteilt, dass es in den kommenden Wochen ein Update für die Steuerungssoftware sämtlicher Max-8-Maschinen anbieten werde. Die Devise laute, "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer machen".

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Wie wird die Sicherheit eines Flugzeugs überprüft?

Alle Verkehrsflugzeuge werden regelmäßig gewartet und überholt, sonst dürften sie nicht abheben. Die Fluggesellschaften befolgen dabei international strikte Gesetze, Vorschriften von Behörden für Luftsicherheit und eigene Regeln. Eine schnelle Prüfung findet vor jedem einzelnen Flug statt. Die Crew und Mechaniker suchen dabei nach sichtbaren äußeren Schäden oder Lecks. Einmal am Tag testen Mechaniker zusätzlich einzelne Funktionen, kontrollieren Bremsen und Reifen und füllen gegebenenfalls Öl und Hydraulikflüssigkeit nach. Nach einigen Hundert Stunden Flug muss eine Maschine in den sogenannten ausführlicheren A-Check, in dem auch die Funktion des Triebwerks überprüft wird. Neben diesem A-Check gibt es in größeren Abständen noch weitere Wartungstermine, für die die Maschinen auch mal mehrere Tage aus dem Verkehr gezogen werden. Etwa alle zehn Jahre wird ein Flugzeug völlig auseinandergenommen und Teil für Teil gründlich untersucht.

Die Maschine, die am Sonntag abgestürzt ist, war laut Ethiopian Airlines zuletzt am 4. Februar 2019 gewartet worden. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1.200 Stunden im Einsatz gewesen. Ein Routinecheck unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte der Airlinechef Tewolde GebreMariam.

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Wie sicher sind Flugzeugreisen generell?

Obwohl der Flugverkehr in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat, werden Unfälle und schwere Störungen nicht nur in Deutschland immer seltener. Auch weltweit ist dieser Trend zu beobachten. 2017 war beispielsweise mit Abstand das sicherste Jahr in fast drei Jahrzehnten. 50 Menschen starben laut Aviation Safety Network bei Unfällen im kommerziellen Flugverkehr. 2018 seien die Zahlen im Vergleich zu 2017 wieder gestiegen. Die meisten Flugzeugunglücke seit 1945 ereigneten sich nach Informationen des Statistikportals Statista in den USA.

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