"Die Heimlichkeit, mit der das Thema behandelt wird, macht alles nur noch brutaler. Niemandem wäre geholfen gewesen, wenn ich den Abbruch nicht vorgenommen hätte", schreibt uns eine Leserin. Eine andere schildert: "Nachdem der Abbruch endlich durchgeführt war, war ich erleichtert und traurig. Aber vor allem erleichtert. Tatsächlich habe ich mich danach lange Zeit fast schuldig gefühlt, nicht depressiv zu sein oder daran zu zerbrechen, sondern jeden Tag bis heute dankbar für diese Entscheidung zu sein."

Das gesellschaftliche Stigma, die Heimlichkeit und die bürokratischen Abläufe: All das bezeichnen jene Frauen, die auf unsere Umfrage anlässlich der Gesetzesänderung des Paragrafen 219a reagiert haben, sehr häufig als Belastungen nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Ein Teil des von der großen Koalition gefundenen Kompromisses in Bezug auf Paragraf 219a ist der Auftrag für eine Studie, für die fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen. Im Zeitraum von 2020 bis 2023 möchte Minister Jens Spahn untersuchen lassen, welche psychischen Folgen Schwangerschaftsabbrüche auslösen können. Diese Studie steht in der Kritik, Vertreterinnen und Vertreter von SPD, FDP, Grünen und der Linken etwa kritisierten sie als "überflüssig". Auch deswegen haben wir Frauen, die einen Abbruch haben vornehmen lassen, einen Raum gegeben, von ihren Erfahrungen zu berichten. 

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Die Beratung ließ zu wünschen übrig.
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Userin A.S.
Ich fühlte mich wie ein kleines Mädchen, dessen Entscheidungsfähigkeit angezweifelt wird.
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Anonym
Die Krankenschwester warf mir Mord vor.
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Anonym
Ich war mir darüber bewusst, eine schwere Sünde zu begehen.
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Brigitta
Meine Psyche ist wegen des Abbruchs heil geblieben, nicht trotzdem.
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Userin M.
Ich habe aus wirtschaftlichen Gründen abgetrieben.
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Ina C.
Es war mit dem falschen Mann im falschen Moment.
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Anna H.
Die Zweifel kamen erst zwei Jahre später.
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Anonym
Ich fühlte mich schuldig, nicht depressiv zu sein.
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Claudia
Institutionell gab es einige Hindernisse.
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Anonym
Gewissensbisse haben mich nie geplagt.
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Sophia
Ich fühlte mich, als sei ich von einem Parasiten befallen.
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Sofia
Man kann in ganz Freiburg keinen Abbruch durchführen lassen.
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Nora K.
Es fühlte sich wie die Suche nach Passierschein A38 an.
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Steffi C.
Ihm zuliebe habe ich den Abbruch vornehmen lassen.
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Userin Honeybee
Im Beratungsgespräch saß eine offensichtliche Abtreibungsgegnerin vor mir.
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Roberta
Man fühlt sich schnell wie eine Mörderin.
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Userin GABO
Ich hätte gern Unterstützung zum Austragen bekommen.
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Josephine
Ich hatte starke Schuldgefühle.
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Userin Gabriela89
Ich wollte nicht als beschädigte Ware gelten.
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Angelika
Es war ein Fremdkörper, der wegmusste.
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Userin dulcinea
Ein weiteres Kind hätte mich komplett zermürbt.
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Julia
Ich entschied mich in Reue für eine erneute Schwangerschaft.
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Userin Hestia
Vielleicht war das der größte Fehler meines Lebens.
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Katharina G.
Ich hatte das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun.
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Kathrin
Er sagte: Es steht 2:1 für die Geburt des Kindes.
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Userin linschko
Ich musste von Regensburg nach Nürnberg fahren.
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Userin Ariana
Alles musste heimlich ablaufen.
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Userin Lebdibb
Ich war 13.
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Userin Lucy
Mein Leben wäre ohne den Abbruch den Bach heruntergegangen.
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Jani K.
Mein Partner schlug den Abbruch vor.
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Helen
Ich hatte einen Tag Beschwerden, dann war alles gut.
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Anna B.
Es war die schrecklichste Zeit meines Lebens.
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Userin Kasi
Ich habe den Verlust betrauert – und die Entscheidung nie bereut.
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Doris D.
Im katholischen Krankenhaus ließ man mich wahrhaftig bluten.
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Rumi
Ich habe niemandem vom Abbruch erzählt.
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Hilke
Vor allem die Spätfolgen werden verharmlost.
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Anna
Meine Gynäkologin gab mir widerwillig Informationen.
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Vanessa
Ich habe Jahre gebraucht, um den Abbruch zu verarbeiten.
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Userin Lebenstraum
Im Aufwachraum fühlte sich alles sehr leicht an.
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Anonym
Alle Belastungen entstanden dadurch, wie ich vor und nach dem Eingriff behandelt wurde.
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Sophie
Ich fühlte mich, als hätte ich einen Teil meiner Seele für immer verloren.
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Morella
Ich bin mir sicher, dass es ein Junge war.
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Janine
Am Tag der Abtreibung standen vor der Klinik Demonstranten.
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Julia S.
Ich fühlte mich, als müsste ich mich rechtfertigen.
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Iseult
Dieses heitere Gefühl danach war irritierend.
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Jule
Der Beratungszwang war belastend.
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Ronja
Ich war immer froh, dieses Kind nicht bekommen zu haben.
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Susanna
Wird man als werdende Mutter auch gefragt, ob man sich das gut überlegt hätte?
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Tina F.
Ich bin in den Siebzigerjahren nach Holland gefahren.
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Userin Enkelmann

Es überwiegen kritische Stimmen. Jens Spahn solle "aufhören, Frauen in Notlagen ideologisch für seine Zwecke zu verwerten", schreibt eine Leserin. Eine andere schlägt vor, man solle lieber untersuchen, "inwieweit ungewollte Schwangerschaften, die aufgrund von Informationsmangel oder anderen extrinsischen Faktoren bis zur Geburt aufgezwungen wurden, psychische Störungen verursachen können – auch in der Mutter-Kind-Beziehung."

Aus den rund 350 Zusendungen haben wir 50 Texte ausgewählt, die das Spektrum unterschiedlicher Erfahrungen widerspiegeln sollen. Das persönliche Erleben ist unterschiedlich. Doch beinahe alle Frauen empfanden ihren Schwangerschaftsabbruch langfristig als erleichternd. Zwar seien sie traurig gewesen und hätten unter Schuldgefühlen gelitten. Jedoch sei der Moment oftmals nicht der richtige gewesen, um Mutter zu werden. Deutlich wird auch, dass beinahe jedem Abbruch ein längerer Reflexionsprozess vorausging, der oftmals aus Gesprächen mit dem Partner und Freundinnen bestand. Die meisten unserer Leserinnen berichteten von Abbrüchen nach ungewollter Schwangerschaft, nicht von medizinisch begründeten Eingriffen.