Eine Zellentür in einem Hochsicherheitsgefängnis öffnet sich, Häftlinge betreten einen gesonderten Aufenthaltsraum. Dann kommt der Hund hinzu. Er schnüffelt, ist auf der Suche. Nicht etwa nach Rauschmitteln, sondern nach Handys, die Häftlinge immer wieder für unerlaubte Geschäfte nutzen. Der Hund ist Mitglied einer neuen Spezialeinheit der Vierbeiner: den Cyberdogs, Datenträgerspürhunden also. Und er wird fündig.

"Vor fünf Jahren haben wir in Brasilien den ersten Handyspürhund Südamerikas eingesetzt", erzählt Andre Brendler, Geschäftsführer der K-9 Detection Dog School Germany. Prompt sei der Hund erfolgreich gewesen, weitere Einsätze folgten. Nicht nur das: Brendler bekam den Auftrag, weitere Tiere für die Suche nach Handys, Speicherkarten, Festplatten und USB-Sticks auszubilden.

Noch muss sich das Modell bewähren. Weltweit gibt es bislang bloß wenige Schulen, die ein paar Handvoll Elektronikspürhunde ausgebildet haben. Ein einziger davon lebt in Deutschland in Sachsen: Artus, der jüngst den entscheidenden Fund in einem Fall gemacht haben könnte. Doch das Interesse an Elektronikspürhunden steigt, denn Laptops, Smartphones und Speicherkarten sind wichtige Beweismittel in Strafverfahren. Was Täter immer häufiger verschwinden lassen wollen und Ermittler nur zu leicht übersehen, sollen Hunde aufspüren.

Insgesamt gibt es hierzulande 460 ausgebildete Spürhunde

Die Voraussetzungen dazu sind bestens. Hunde sind loyal, intelligent und verfügen über außerordentlich sensible Nasen, die bislang jeglichem elektronischen Suchgerät überlegen sind. Mit ihren bis zu 220 Millionen Riechzellen zählen die Tiere zu den Makrosmaten, jener Gruppe von Säugetieren, die ein extrem hohes Riechvermögen auszeichnet. Sie besitzen damit knapp zehnmal mehr Riechzellen als der Mensch, der zur Gruppe der Mikrosmaten gehört. Was laut Brendler beispielsweise heißt, dass ein Hund eine tief vergrabene alte Pizza auf mehrere Meter Entfernung riechen könne. Für Menschen unmöglich.

Die feine Nase der Vierbeiner machen sich Menschen seit Jahrzehnten in Notlagen zunutze. Bereits im ersten Weltkrieg wurden Rettungs- und Sanitätshunde genutzt, um vermisste Soldaten aufzuspüren. "Später dann erkannten auch die Behörden den Nutzen der Hunde und brachten sie in ihren Dienst ein", erklärt Brendler, der seit 22 Jahren sämtliche Arten von Spürhunden ausbildet. "Mittlerweile mehr als 220 Tiere", schätzt er. Drei davon sind Datenträgerspürhunde, die Brendler für Behörden im Ausland, unter anderem Brasilien, ausgebildet hat.

Einen Chihuahua in einer Suchaktion über längere Zeit durch hohes Gras zu führen, ist schier unmöglich.
Andre Brendler, Geschäftsführer der K-9 Detection Dog School Germany

Eine Zeit lang hätten Hundeschulen wie die K-9 Detection Dog School Germany Tiere für deutsche Behörden vorgeschult, sagt der Trainer. Diese haben allerdings grundsätzlich eigene Ausbildungszentren für ihre Spürhunde. 460 ausgebildete Diensthunde gibt es derzeit insgesamt hierzulande. Sie alle haben die Lehre im Alter von einem Jahr begonnen. Durchschnittlich neun bis zwölf Wochen dauert die Riechschulung, dann steht die Prüfung an.

Welche Rassen geschult werden? "Im Grunde genommen kann man jeden Hund zu einem Spürhund ausbilden", sagt Brendler. Besonders wichtig seien unter anderem das Sozialverhalten sowie ein ausgeprägter Spieltrieb – und "der Hund muss anatomisch leistungsfähig sein". Meint: fit, gesund und in der Lage, auf schwierigem Terrain rasch voranzukommen. "Einen Chihuahua in einer Suchaktion über längere Zeit durch hohes Gras zu führen, ist schier unmöglich", sagt der Hundeausbilder. Aus diesem Grund arbeiten seine Schule und die Behörden vorwiegend mit Deutschen, Belgischen und Holländischen Schäferhunden.

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32 Prozent aller Spürhunde der Bundespolizei sind Deutsche Schäferhunde.

Das Prinzip ist bei allen Spürhunden gleich, egal ob es um Drogen, Sprengstoff oder Datenträger geht: Die Ausbilder nutzen sowohl den enormen Arbeitswillen der Tiere als auch ihren stark ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb. Die Hunde werden separat auf jeden Stoff an einer speziellen Suchwand konditioniert. Trainiert wird etwa auf den Geruch der im Plastik enthaltenen Weichmacher und Buntmetalle einer Platine. Die Stoffe erzeugen einen spezifischen Duft – weshalb sich Cyberdogs nicht jedes Mal vor einem Stromkasten wiederfinden oder auf eine Fernbedienung stürzen. Findet ein Hund das Handy oder den Datenträger im Test, wird er mit Spielzeug oder Futter belohnt.

Schlägt die Nase auf ein Objekt an, fixiert der Hund die Stelle und setzt sich in stoischer Ruhe davor. Den Tieren derlei passives Anzeigeverhalten anzutrainieren, ist eine der wesentlichen Aufgaben. Schließlich sollen die Spürnasen fragile Datenträger wie SD-Karten und USB-Sticks nicht im Übermut zerbeißen.