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Tüten mit Tücken

Tüten mit Tücken

Plastiktüten vermüllen Europa. Stoffbeutel oder Papiertaschen gelten als Alternativen. Doch wie ökologisch sind sie wirklich?

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Auslaufmodell kostenlose Tüte

Seit dem 1. Juli 2016 gibt es Plastiktüten kaum noch umsonst, um die Umwelt zu schonen. Mehr als 240 Unternehmen in Deutschland haben sich verpflichtet, Tüten nur gegen Gebühr abzugeben.

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Was ist das Problem?

Was ist das Problem?

Plastiktüten werden aus Polyethylen hergestellt, der Rohstoff dafür ist Erdöl. Sie halten mehrere hundert Jahre lang. Das hat Folgen.

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Der Strand als Deponie

Der Strand als Deponie

Da sich Kunststoffe erst nach 500 Jahren zersetzen, wachsen überall Müllberge. Die Abbaustoffe belasten Böden und Gewässer.

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Sie müssen drei- bis viermal wiederverwendet werden, um ökologisch besser zu sein als Plastiktüten. Sie sind also nicht per se besser. Ihre Zellstofffasern werden chemisch behandelt. Die Tüten müssen dick sein, um nicht zu reißen, wozu man viel Holz braucht. Weil Papier schwerer ist als Plastik, werden beim Transport mehr Emissionen freigesetzt.

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Besser als Naturfasern: Schon nach dreimaligem Wiederverwenden haben Kunststofftaschen eine bessere Umweltbilanz als Einwegtüten aus Neugranulat. Meist bestehen sie aus recyceltem Material von PET-Flaschen.

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Eine Plastiktüte bleibt lange stabil – auch wenn sie aus biologisch abbaubarem Kunststoff hergestellt wurde. Das zeigt eine Studie von Forschern der britischen Universität Plymouth. Demnach können diese Beutel nach drei Jahren im Boden oder Meer noch so reißfest sein, dass sie sogar mehr als zwei Kilogramm Inhalt tragen können. Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff – wie auch gewöhnlicher Kunststoff –, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, schreiben die Forscher Imogen Napper und Richard Thompson im Fachmagazin Environmental Science & Technology.

Sie wollten der Frage nachgehen, ob biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe – die häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen werden – eine wirkliche Alternative zu herkömmlichem Plastik sind. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson testeten, was mit den unterschiedlichen Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiktüten bestehen, im Boden, im Wasser und an der Luft geschieht. Dazu schnitten sie die Tüten in kleine Streifen.  

Im Freien waren alle Kunststoffstreifen – einschließlich des Polyethylens – nach spätestens 18 Monaten komplett zerfallen, was die Forscher auf die höheren Anteile an ultravioletter Strahlung und Sauerstoff in Kombination mit höheren Temperaturen zurückführten, dem das Plastik ausgesetzt war. Im Meer hatte sich der kompostierbare Kunststoff nach 18 Monaten aufgelöst, während er im Boden auch nach 27 Monaten noch vorhanden war. Allerdings war er nicht mehr so belastbar. Die Tüte aus kompostierbarem Kunststoff war die einzige, die nach drei Jahren keinen Inhalt mehr tragen konnte. Tüten aus oxo-abbaubarem, biologisch abbaubarem und gewöhnlichem Plastik, die drei Jahre lang im Meer und in der Erde gewesen waren, hielten hingegen 2,25 Kilogramm Gewicht aus.

Die Forscher empfehlen, eher zu Taschen zu greifen, die oft verwendet werden können. Doch auch ein Stoffbeutel ist aus Umweltgesichtspunkten nur dann besser als eine Plastiktüte, wenn er oft genutzt wird, resümiert der Naturschutzbund (Nabu).