Menschen in Ost- und Westeuropa haben weltweit am wenigsten Vertrauen in Impfungen. Das hat eine Studie zur Stellung und Akzeptanz von Wissenschaft in der Gesellschaft (PDF) ergeben, die die britische Organisation Wellcome in Auftrag gegeben hatte. In der Ländergruppe Osteuropa stimmen 50 Prozent der Befragten der Aussage voll oder eher zu, dass Impfungen sicher sind. In Westeuropa, wozu auch Deutschland zählt, sind es 59 Prozent. Der Durchschnitt lag weltweit bei einer Zustimmung von 79 Prozent.

Demnach glauben in Westeuropa 22 Prozent der Menschen, dass Impfungen nicht sicher sind, in Frankreich sind es sogar 33 Prozent. Das größte Vertrauen in Impfungen zeigten Menschen in Bangladesch und Ruanda, wo fast die gesamte Bevölkerung von der Sicherheit von Impfungen überzeugt ist. Gefragt wurde außerdem, ob die Teilnehmer Impfungen für wirksam und für wichtig halten. Generell zeigte sich, dass Menschen in Ländern mit hohem Einkommen häufig weniger Vertrauen in Impfungen haben.

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Gallup mehr als 140.000 Menschen ab 15 Jahren in 144 Ländern in persönlichen Gesprächen. Der Zeitraum der Befragung war von April bis Dezember 2018.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beantworteten auch allgemeine Fragen zu ihrer Einstellung zur Wissenschaft. Weltweit gaben 18 Prozent an, der Wissenschaft auf einem hohen Level zu vertrauen. 54 Prozent sprachen Wissenschaftlern ein mittleres Level an Vertrauen aus, 14 ein geringes. Regional zeigten sich deutliche Unterschiede: In Australien, Neuseeland, Nordeuropa und Zentralasien vertraut etwa ein Drittel der Menschen auf "einem hohen Level", in Zentral- und Südamerika sind es dagegen nur 10 Prozent.

Weltweit gaben 84 Prozent aller Befragten an, dem Rat von Ärztinnen oder Krankenpflegern zu trauen. 73 Prozent sagten, sie würden einer Ärztin oder Krankenschwester mehr vertrauen als anderen Gesundheitsberatern wie Familienangehörigen, Freunden, religiösen Führern oder Stars. Der geringste Wert zeigte sich hier mit 65 Prozent in Ostasien und dem Mittleren Osten, der höchste von etwa 90 Prozent in Teilen von Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland.

Männer schätzen ihre Kenntnisse über Wissenschaft höher ein als Frauen

Dabei untersuchten die Forscher auch, welche Rolle die finanzielle Situation der Befragten für ihr Vertrauen in Krankenhäuser und medizinisches Personal spielte. Es zeigte sich, dass die persönliche Einkommenssituation einen größeren Einfluss zu haben scheint als die gesamte nationale Einkommenssituation. Wer in einem reichen oder mittelreichen Land persönliche finanzielle Probleme hatte, zeigte das geringste Vertrauen in Krankenhäuser und medizinisches Fachpersonal.

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, wie viel sie, ihrer Meinung nach, über Wissenschaft wissen. Weltweit schätzten jüngere Menschen ihre Kenntnisse höher ein als ältere. In der Altersgruppe 15–29 etwa waren es 59 Prozent, die angaben, "ein bisschen" oder "viel" über Wissenschaft zu wissen. Zwischen 30 und 49 Jahren waren es noch 40 Prozent und bei den ab 50-Jährigen nur noch 34 Prozent.

Zudem zeigte sich weltweit ein großer Unterschied der Geschlechter: Männer gaben in allen Regionen in einer Selbsteinschätzung an, mehr von Wissenschaft zu verstehen. Frauen schätzten sich durchweg weniger wissend ein, am größten war der Unterschied in Nordeuropa. Dort gaben 75 Prozent der Männer an, "viel" oder "ein bisschen" von Wissenschaft zu verstehen, aber nur 58 Prozent der Frauen teilten diese Selbsteinschätzung.

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