Deutschland hat zwei weitere Welterbestätten: Die Unesco hat das historische Wassermanagement-System in Augsburg und die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři auf einer Sitzung in Aserbaidschan als Weltkulturerbe anerkannt. Die Orte stehen damit auf der Liste des schützenswerten Erbes der Welt.

Das Bergbaugebiet in Sachsen und im tschechischen Böhmen sei von universellem Wert, hieß es zur Begründung. Delegierte sprachen von einem "Meisterwerk menschlicher Kreativität". Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dankte für die Anerkennung. Das Projekt sei ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit. "Glück auf!", sagte er. Die Region hatte sich vor Jahren schon einmal um das Unesco-Siegel bemüht. Nach Bedenken des Weltdenkmalrats wurde die Bewerbung aber zurückgezogen und überarbeitet. Nun klappte es – nach 20 Jahren auf der Vorschlagsliste für den Welterbetitel.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit fünf Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Hinter dem Antrag stehen drei Landkreise und 32 Städte und Gemeinden, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um das Erzgebirge zum Welterbe zu machen.

Antrag zu Anerkennug des Donaulimes scheitert

Auch das historische Wassermanagement-System im bayerischen Augsburg kam auf die Liste. Es wurde von den Römern angelegt und zieht sich in Form zahlreicher Kanäle und Pumpwerke quer durch die Stadt. Sie dienten unter anderem als Energielieferant für die Textilindustrie: Wasserräder trieben Mühlen, Hammer- und Pumpwerke an. Kreativ wurde das Wasser auch bei der 1609 fertiggestellten Stadtmetzgerei verwendet. Der Vordere Lech wurde direkt durch die "Stadtmetzg" geleitet, um so in dem Gebäude das Fleisch kühlen und gleichzeitig Abfälle entsorgen zu können. 

Insgesamt stehen in Aserbaidschans Hauptstadt Baku 36 Anträge zur Entscheidung. Gescheitert ist der Antrag, den Deutschland gemeinsam mit Österreich, der Slowakei und Ungarn einreichen wollte, um die alte römische Militärgrenze des Donaulimes als Welterbe anerkennen zu lassen. Grund waren kurzfristige Änderungswünsche aus Ungarn. Die Entscheidung zu Augsburg soll noch am Samstag fallen.

Die Sitzung des Komitees dauert noch bis 10. Juli. Neben der deutsch-tschechischen Montanregion haben den Welterbetitel dabei bislang auch die wegen ihrer Palastanlagen beliebte "rosarote Stadt" Jaipur in Indien und die antike Stadt Babylon erhalten. Insgesamt stehen auf der Kulturerbeliste bislang mehr als 1.000 Kultur- und Naturstätten aus 167 Ländern, darunter gut 40 in Deutschland.