Den weltweit größten je auf offenem Meer vermessenen Algenteppich haben Forscherinnen und Forscher aus den USA im vergangenen Jahr im atlantischen Ozean ausgemacht. Der Teppich aus Braunalgen der Gattung Sargassum (Golftange) erstreckte sich zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Meeresoberfläche über 8.850 Kilometer. Dabei reichte er von Westafrika bis zum Golf von Mexiko, wie eine Auswertung von Satellitenbildern gezeigt hatte.

Ein Team aus Meeresbiologen und Ozeanografen der University of South Florida in Tampa, der Florida Atlantic University in Fort Pierce und des Georgia Institute of Technology in Atlanta, hat die Ergebnisse jetzt im Wissenschaftsmagazin Science (Hu et al., 2019) veröffentlicht.

Zuletzt sammelten sich die Golftange an beliebten Urlaubsstränden im Golf von Mexiko und im Karibischen Meer. Die mexikanische Regierung nimmt das Problem inzwischen als eine wirtschaftliche Bedrohung wahr, da es auf lange Sicht dem Tourismus schaden könnte. Doch die übel riechenden Braunalgen sind nicht nur ein Problem für die Tourismusbranche, sondern gefährden auch das Ökosystem. Der karibische Inselstaat Barbados rief deswegen im vergangenen Jahr einen Notstand aus.

In großen Mengen sind Algen bedrohlich

Dabei tragen Algen eigentlich zur Gesundheit des Meeres bei – wenn sie ungleichmäßig auf offener See verteilt sind. Sie bieten Tieren, etwa Meeresschildkröten oder jungen Fischen, einen Lebensraum und setzen durch Fotosynthese Sauerstoff frei. Wenn sie sich jedoch in zu großen Mengen bilden, gefährden sie die Existenz mancher Meerestiere und sind eine Bedrohung für Korallen. Sobald abgerissene Algen aus dem Meer an die Strände gespült werden, zersetzen sie sich. Dabei geben sie Schwefelwasserstoff frei, was den typischen üblen Geruch verursacht.

"Die chemische Zusammensetzung des Meeres muss sich verändert haben, damit das Blühen derart außer Kontrolle gerät", sagte der Leiter der jetzt erschienenen Studie, Chuanmin Hu. Wiederkehrende Braunalgenblüten könnten künftig zur Normalität werden. Der vermessene Algenteppich enthielt nach den Berechnungen des Forscherteams mehr als 20 Millionen Tonnen Pflanzenmaterial. Das ist zehnmal so viel wie vergleichbare Algenblüten im Jahr 2011 an Biomasse gebildet hatten.

Liegt es an der Abholzung des Amazonas?

Den Forscherinnen und Forschern zufolge haben sich die Golftange explosionsartig ausgebreitet. Dabei stießen sie an Orte vor, an denen sie bisher nicht vorgekommen sind. Ihre Nährstoffe beziehen sie im Winter auf natürlichem Wege vom Auftrieb vor der westafrikanischen Küste. Das ist der Aufstieg tief liegender Wasserschichten, durch den Nährstoffe an die Meeresoberfläche gelangen.

Im Frühling und Sommer jedoch kommen die Nährstoffe aus der Amazonasmündung. Die Menge dieser Nährstoffe könnte sich durch zunehmende Abholzung des Regenwaldes und den Gebrauch von Düngemitteln vergrößert haben. Allerdings reichen die Daten aus der Studie noch nicht, um das zu belegen.