Die UN-Kulturorganisation Unesco hat die antike Stadt Babylon in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Das Welterbekommitee traf die Entscheidung bei seiner 43. Konferenz in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Als eine der wichtigsten Stätten des Altertums hat der Irak bereits seit mehr als dreißig Jahren versucht, Babylon auf die Welterbe-Liste zu bringen.

Die irakische Delegation lud nach der Abstimmung alle Delegierten ein, Babylon zu besuchen. Die Geschichte der Menschheit könne nicht ohne das früheste der alten Kapitel erzählt werden, sagte Iraks Vertreter im Unesco-Komitee vor der Abstimmung. Die Aufnahme ins Weltkulturerbe werde die Erforschung und Entwicklung der antiken Stätte begünstigen.

Der Großteil Babylons ist noch nicht freigelegt worden

Vor über 4.000 Jahren war Babylon das Zentrum des altbabylonischen Reichs. Die Ruinen der antiken Metropole liegen etwa 100 Kilometer südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad. Der Komplex umfasst zehn Quadratkilometer. Nur ein Fünftel davon ist bislang freigelegt worden. Die Stadt ist bekannt für ihre hängenden Gärten, den Tempelturm und das Ischtar-Tor, das teilweise im Pergamon-Museum in Berlin ausgestellt ist. Die Blütezeit der Stadt lag zwischen 1800 vor und 100 nach Christus.   

Neben dem archäologischen Wert hat die Stadt sich auch auf die abendländischen Kultur ausgewirkt: Schrift, Mathematik, Recht und Astronomie sind Wissenschaftsgebiete, die in Babylon entscheidend vorangetrieben wurden. Der "Kodex Hammurabi", eine vom König Hammurabi I (1792 - 1750 v.Chr.) in Auftrag gegebene Gesetzestafel, ist eine der ältesten Gesetzesschriften der Menschheit. Und durch die Bibel ist die Stadt mit der Geschichte vom "Turmbau zu Babel" zum Synonym für Sünde und Größenwahn geworden.

Die Erforschung der Ruinen von Babylon begann im Jahr 1899 mit Ausgrabungen des deutschen Archäologen Robert Koldewey. Finanziert wurde er von der "Deutschen-Orient-Gesellschaft" und Kaiser Wilhelm II. Damit sollte das Prestige des Kaiserreichs erhöht werden, um Augenhöhe mit britischen und französischen Archäologen herzustellen. 1917 legten Koldewey und sein Ausgrabungsteam aus europäischen und einheimischen Arbeitskräften die Hauptmonumente frei, 1927 wurden die heute im Pergamon-Museum ausgestellten Teile des Ischtar-Tors nach Berlin transportiert. Heute sind noch Überreste der Stadtmauer, die große Prozessionsstraße und Teile des Hauptpalastes des Königs Nebukadnezar erhalten. Auch das Fundament des legendären Turmes ist noch zu sehen. 

Seit Beginn der 90er Jahre wurden die Ruinen von Babylon mehrfach schwer beschädigt. Von 2003 bis 2004 nutzten die Invasionstruppen der USA und Polens die Stätte als Militärlager im Irak-Krieg. Nach Angaben des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) haben sie dabei massive Schäden verursacht. Auch Kunsträuber und Plünderer vergriffen sich an den Ruinen. Dennoch hat die Welterbe-Kommission trotz irakischer Proteste darauf verzichtet, Babylon auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen.

Sechs weitere Stätten in die Welterbe-Liste aufgenommen

Außer Babylon nahm die Unesco sechs weitere Kultur- und Naturstätten in die Liste des Welterbes auf, die jetzt 1.099 Orte in 167 Ländern umfasst. Zu der neuen Liste gehören der isländische Nationalpark Vatnajökull, eine Vulkanregion, die über zehn Prozent der Inselfläche umfasst, die Französischen Südgebiete und -meere im südlichen Indischen Ozean und die Hyrkanischen Wälder im Iran, die sich über rund 850 Kilometer entlang der Südküste des Kaspischen Meeres entdecken. Darüber hinaus erhielten auch die Historischen Stätten der Eisenverhüttung in Burkina Faso und die Zugvogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres und des Golfes von Bohai in China die begehrte Auszeichnung.

Über zwei deutsche Anträge wird die Unesco-Kommission noch entscheiden. Das Erzgebirge in Sachsen und das Augsburger Wassersystem könnten Weltkulturerbe werden. Gemeinsam mit Österreich, der Slowakei und Ungarn hat Deutschland auch die als Donaulimes bekannte altrömische Militärgrenze für die Auszeichnung vorgeschlagen. Die Tagung dauert noch bis zum 10. Juli.