Personen, die am menschlichen Einfluss auf den Klimawandel zweifeln oder ihn verleugnen, kommen in den Medien viel häufiger zu Wort als renommierte Klimaforscherinnen und -forscher. Das wird in einer am Dienstag veröffentlichten Studie behauptet, an der es jedoch Kritik gibt. Die Autoren haben dafür Zehntausende Artikel aus Zeitungen, Magazinen und von Onlineportalen daraufhin ausgewertet, wie oft Klimaskeptikerinnen und -skeptiker auf der einen und Expertinnen und Experten auf der anderen Seite zitiert werden.

Die sogenannten Klimaleugner –  und damit sind Menschen gemeint, die an der Tatsache zweifeln, dass der Mensch im Zuge der Industrialisierung durch Emissionen an Treibhausgasen aus Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft maßgeblich und nachweislich das Klima auf der ganzen Erde auf gefährliche Weise verändert – hätten sich "zu einer lauten Stimme innerhalb von Politik und Wissenschaftskommunikation" entwickelt, schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature Communications (Petersen et al., 2019).

Das Team um den Hauptautor Alexander Petersen von der University of California hatte 100.000 Artikel analysiert, die zwischen den Jahren 2000 und 2016 erschienen waren. Dabei untersuchten sie, wie häufig 386 ausgewählte Klimawandelskeptiker, darunter Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreterinnen und Politiker, zitiert oder erwähnt wurden. Wenn diese Menschen selbst Verfasser oder Verfasserin der Artikel waren, wurde auch das mitgezählt. Dem stellte das Forscherungsteam die Erwähnungen von 386 renommierten Klimaforscherinnen und -forschern gegenüber.

Eine "unverhältnismäßige" Medienpräsenz

Die Studie ergab, dass diese Skeptiker des Klimawandels selbst in seriösen Medien wie der New York Times oder dem britischen Guardian öfter zitiert wurden als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die "unverhältnismäßige Sichtbarkeit skeptischer Argumentationen und ihrer Akteure in den Medien" verdrehe "die tatsächliche Verteilung von Expertenmeinungen" zu den Ursachen des Klimawandels, kritisierten die Studienautoren.

Die hohe Aufmerksamkeit für diese wissenschaftlich nicht haltbaren Positionen untergrabe die Autorität von Klimawissenschaftlern. Der Trend, dass Leugner des menschengemachten Klimawandels den öffentlichen Diskurs anführen, werde dadurch verstärkt. Das Ungleichgewicht in der Medienpräsenz wurde den Forschern zufolge durch Onlinedienste wie Facebook und Twitter noch vergrößert.

Inwieweit die Ergebnisse auf Deutschland übertragbar sind, ist jedoch vollkommen unklar. Und auch an der Methodik äußerten Experten Kritik. So sagte Karsten Lübke, Professor für Wirtschaftsmathematik und Statistik an der FOM Hochschule Dortmund: "Eine Folgerung, dass allgemein mehr über die Kritikerinnen und Kritiker als über die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichtet (...) wird, erscheint auf dieser Datenbasis nicht gerechtfertigt." Der Grund: Es wurde nicht verglichen, wie viele Artikel der unterschiedlichen Meinungen es gab, sondern an wie vielen Artikeln die ausgewählten Personen beteiligt waren. Weil es aber deutlich mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben dürfte als Klimawandelleugner, erscheint es wahrscheinlich, dass deren Positionen in den Medien trotzdem deutlich häufiger zu finden sind.*

Innerhalb der Wissenschaft herrscht Konsens, dass die globale Erderwärmung ein Resultat von Treibhausgasemissionen ist. Leugner des menschengemachten Klimawandels hingegen vertreten die Meinung, dass die Erderwärmung natürliche Ursachen habe, auf die der Mensch keinen Einfluss hätte. Auch die Lehrmeinung, dass der Meeresspiegelanstieg und extreme Wetterphänomene auf die Erwärmung des Klimas zurückzuführen sind, wird von ihnen bezweifelt.

Klimaleugner in der Politik haben Konjunktur

Der politische Einfluss dieser Menschen ist vor allem in den USA sehr groß. Im Juli hatte der langjährige republikanische Parteistratege Frank Luntz vor dem US-Senat ausgesagt, dass er der Regierung von Präsident Georg W. Bush empfohlen habe, in der Klimadebatte "den Mangel an wissenschaftlicher Gewissheit" über die Ursachen der Erderwärmung zu einem "vorrangigen Problem" zu machen. Auch habe er empfohlen, den Begriff "globale Erderwärmung" wegen seiner beunruhigenden Konnotation durch die allgemeinere Bezeichnung "Klimawandel" zu ersetzen. Er habe damals falsch gelegen, sagte Luntz vor den Senatoren.

Zu den prominentesten Skeptikern des menschengemachten Klimawandels gehören US-Präsident Donald Trump und der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Dieser hatte kürzlich Forscher entlassen, die Daten über die Abholzung des Amazonas-Regenwalds veröffentlichten – weil sie nicht stimmen könnten, das sagte ihm "sein Gefühl". Durch Bolsonaros Agrarpolitik haben Rodungen in dem für das Weltklima sehr wichtigen Regenwald rasant zugenommen.

Doch auch in Europa sind Zweifel am menschengemachten Klimawandel in der Politik zunehmend salonfähig. Wie eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie ergab, stehen vor allem rechte oder rechtspopulistische Parteien dem Klimaschutz grundsätzlich ablehnend gegenüber. Nicht alle von ihnen leugnen zwar den Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung, doch vor allem solche Rechtsparteien, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind, tun es. Dazu gehören etwa die AfD, die österreichische FPÖ oder die britische Ukip.

*Anmerkung der Redaktion: Diesen Absatz zur Kritik an der Methodik haben wir nachträglich ergänzt. Außerdem haben wir den missverständlichen Titel geändert.

Lesen Sie hier mehr zu den Ursachen und Folgen der weltweiten Klimaveränderungen und den wissenschaftlichen Hintergründen.

Klimawandel - Es ist schlimmer als bisher befürchtet Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Unser Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. © Foto: Zeit Online