In den Waldbrandgebieten in Sibirien kämpfen Tausende Einsatzkräfte gegen die Flammen. Allein in der Region Irkutsk am Baikalsee haben 4.500 Freiwillige versucht, einen Übergriff der Brände auf Siedlungen zu verhindern. Zwar zeigt der Militäreinsatz mit Löschflugzeugen erste Erfolge: Innerhalb von 24 Stunden seien 25 Brände auf einer Fläche von fast 7.000 Hektar beseitigt worden, teilten die Forstbehörden mit. Jedoch haben die Feuer demnach jetzt schon drei Millionen Hektar Wald vernichtet, eine Fläche von der Größe Nordrhein-Westfalens. Und 174 Waldbrände seien noch auf einer Fläche von 125.000 Hektar aktiv.

Der wirtschaftliche Schaden an der Taiga wird auf 2,4 Milliarden Rubel (33 Millionen Euro) geschätzt. Auch die Ölindustrie verzeichnet durch die Waldbrände Schäden. Der Konzern Rosneft musste eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter evakuieren und Bohrungen aussetzen. An mehreren Standorten sollen die Bohrungen in der vergangenen Woche über mehrere Tage komplett gestoppt worden sein. Der Rauch habe Hubschrauber daran gehindert, die Mitarbeiter zu befördern: "Manchmal beträgt die Sichtweite rund 20 Meter, und es ist unmöglich zu atmen und zu arbeiten. Wir mussten alle Aktivitäten in der vergangenen Woche über einige Tage einstellen", sagte ein Rosneft-Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit Tagen leiden Menschen unter den Auswirkungen der Brände und klagen wegen des Rauchs über Kopfschmerzen und Atemnot. 121 Siedlungen liegen den Forstbehörden zufolge noch in der unmittelbar betroffenen Zone, wo der Rauch besonders stark ist. In vielen Ortschaften bleiben Straßen und Fußgängerzonen leer, auf Autos haben sich Ascheablagerungen niedergelassen. Mehr als 800 Orte sind den Angaben zufolge zwischenzeitlich betroffen gewesen, bis hin zum Nachbarland Kasachstan.

100 Jahre, bis der Baumbestand sich erholt

Wald- und Steppenbrände sind in Sibirien nicht ungewöhnlich. Doch dieses Mal haben starke Winde und eine für die Region untypisch hohe Temperatur von bis zu 30 Grad dafür gesorgt, dass die Brände viel größer geworden sind, als es normalerweise der Fall ist. Die Behörden hätten dieses Mal das Feuer viel zu lange sich selbst überlassen, lautet der Vorwurf vieler Einwohner. Besonders in den entlegenen Regionen der Taiga und Tundra im dünn besiedelten Norden Sibiriens hatten die Behörden offenbar aus Kostengründen auf Löscharbeiten verzichtet, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Forstexperten gehen davon aus, dass es 100 Jahre dauert, bis der Waldbestand sich von dem Feuer erholt.

Die Flammen könnten auch Auswirkungen auf das Klima haben: Waldbrände so nah am Polarkreis beschleunigen laut Greenpeace Russland das Auftauen von Permafrostböden, die gigantische Mengen gefrorene Biomasse enthalten. Taue sie auf, setzen sie Treibhausgase in die Atmosphäre frei. Weil weniger Bäume vorhanden seien, könnten diese schlechter absorbiert werden, was wiederum zukünftige Waldbrände begünstige. Außerdem bedeckten Rußpartikel Eis- und Schneeflächen. Außer in Sibirien haben in diesem Jahr auch in Kanada und Alaska ungewöhnlich viele Waldgebiete gebrannt

Sibirien - Weiterhin großflächige Waldbrände in Sibirien Von dem Feuer ist eine Waldfläche von mehr als drei Millionen Hektar betroffen. Ermittler untersuchen, ob es sich bei einigen der Feuer um Brandstiftung handelte. © Foto: Yakov Andreev