Update: Wie die indische Weltraumbehörde Isro auf Twitter mitteilte, brach der Kontakt zur Sonde Chandrayaan-2 kurz vor der geplanten Landung ab.

Herum. Noch mal herum. Noch mal. Noch mal. Und noch mal: Insgesamt fünf immer engere Ellipsen hat die unbemannte indische Sonde Chandrayaan-2 seit August um den Mond gedreht, um sich dann im letzten großen Move vor der geplanten Landung erfolgreich vom Lander Vikram zu trennen. Am Montag war das. Seitdem ist das Gerät langsam, aber sicher auf dem Weg zur Mondoberfläche. Das Ziel: Die Region nahe dem Südpol, nie zuvor hat der Mensch dort ein Gerät hingesteuert. 

In der Nacht zu Samstag soll es so weit sein. Laut der indischen Weltraumbehörde ISRO ist der direkte Abstieg zwischen 21:30 Uhr und 22:30 Uhr deutscher Zeit geplant. Solch ein Manöver gehört zu den schwierigsten in der Raumfahrt, oft genug gehen sie schief. 30 Minuten wird es dauern, bis Vikram bestenfalls sanft aufsetzt. Spätestens gegen 23:00 Uhr also sollte es im Erfolgsfall heißen: Indien ist als vierte Nation überhaupt auf dem Mond gelandet. Nur Russland, die USA und China haben das bisher geschafft. Die ISRO überträgt das Event live, Sie können es hier verfolgen: 

Etwa vier Stunden später soll ein Rover aus dem Lander rollen. Geht alles nach Plan, wird das Gefährt namens Pragyan nahe dem Südpol, am 70. Breitengrad zwischen den Kratern Manzinus C und Simpelius, innerhalb von 14 Tagen rund 500 Meter zurücklegen und die Region währenddessen möglichst detailliert erkunden. Wer Samstagfrüh zwischen 2.00  und 3.00 Uhr vor lauter Grübeln nicht schlafen kann, könnte also aufstehen und beispielsweise auf Twitter verfolgen, wie Indien vielleicht Weltraumgeschichte schreibt.

Der erste Start ging schief

Dabei hatte die Reise zum Mond nicht allzu prestigeträchtig begonnen. Mitte Juli, fast sieben Jahre nach Genehmigung des Projekts, sollte es losgehen. Doch 56 Minuten vor dem geplanten Start wurde das Abheben der Rakete abgebrochen. Der Plan, ziemlich genau 50 Jahre nach Apollo 11 zum Mond zu fliegen, war gescheitert. Grund war laut der ISRO ein zunächst nicht näher definiertes technisches Problem. Und so stellte sich die Frage: Wann wird man einen nächsten Versuch starten können? Ist Anfang September als Termin für die Landung noch zu halten?

Die Entfernung zum Mond, die elliptische Bahn, auf der er die Erde umkreist, der Wunsch zu landen, wenn ein lunarer Tag beginnt – unter anderem all das hatten die indischen Raumfahrtingenieure auf der Suche nach einem neuen Starttermin zu bedenken. Gleichzeitig galt es, die Rakete zu reparieren. Entsprechend knapp war das Zeitfenster. Doch nur eine Woche nach dem missglückten ersten Versuch, am 22. Juli, ging es los: An Bord einer dreistufigen Trägerrakete flog das Weltraumpaket aus Sonde, Lander und Rover vom indischen Satish Dhawan Space Centre aus ins All.

Seitdem läuft die Mission nahezu problemlos. Nach fünf Erdumdrehungen feuerten die Triebwerke gen Mond. Am 20. August schwenkte Chandrayaan-2 dort in die Umlaufbahn ein. Am 2. September um 9:45 Uhr deutscher Zeit dann wurde Vikram erfolgreich abgetrennt. Nun kreist er laut ISRO auf einer Bahn um den Mond, auf der er zwischen 35 und 101 Kilometer von ihm entfernt ist. Der Chandrayaan-2-Orbiter wiederum rotiert auf einer Umlaufbahn, die zwischen 96 und 125 Kilometern von der Oberfläche entfernt ist – ein Jahr lang soll er in Betrieb sein.