Muss ich in Zukunft noch arbeiten? Wie sieht das Glück von morgen aus? Wie fühlt es sich an, alles über mich zu wissen? Oder auch: Wann wird sich mein Smartphone in mich verlieben? Wer das Futurium betritt, kriegt diese Fragen direkt präsentiert. Zwischen drei geschwungenen schwarzen Trennwänden, an denen bunte Lichtstreifen langsam die Farbe wechseln, blinken die Fragen auf kleinen Rechtecken immer wieder auf.

Fragen, die alle angehen, manche mehr, manche weniger. Im gerade eröffneten Zukunftsmuseum in Berlin sollen sich Besucherinnen und Besucher selbst überlegen, wie sie sich ihren Alltag in wenigen Jahrzehnten vorstellen, wie sie leben, arbeiten, wohnen, konsumieren wollen. Das Futurium soll ein Ort für jeden sein, der Eintritt ist frei. "Zukunft geht uns alle an", steht auf der Website. Aber alle sind eben auch ganz schön viele.

Es ist Montag, drei Tage vor der Eröffnung. In den Ausstellungsräumen wird noch an Feinheiten gebastelt, an "Bitte-nicht-berühren"-Schildern und Installationen. Stefan Brandt, der Direktor des vielleicht ersten wirklichen Zukunftsmuseums in Deutschland, sitzt im fünften Stock des Bürotraktes, die Sonne blendet in sein Büro. "Zukunft ist wie Fußball", sagt Brandt. "Jeder versteht etwas davon und jeder ist überzeugt, dass er etwas darüber weiß." Für das Futurium sei es wichtig gewesen, nicht zu sehr darauf zu hören, was andere denken. Man habe "Mut zur Auswahl" gebraucht. Sonst wäre man wahrscheinlich nie fertig geworden. "Natürlich bildet das Futurium nicht jede mögliche Zukunft ab", sagt Brandt, "aber einen Teil davon."

Zukunft mit vielen Gimmicks

Alles, in Teilen oder nichts? Zukunft ist ein dehnbarer Begriff. Und solange Dinge noch nicht passiert sind, sind sie rein hypothetische Szenarien – das gilt für den Ausgang der Spiele der Fußball-Bundesliga am Wochenende genauso wie für einen Endknall im Universum. Das macht es so schwer, sich die Zukunft vorzustellen: Wir kennen sie einfach nicht. Das Futurium ist der Versuch, sich ihr anzunähern. Im Mittelpunkt stehen Mensch, Natur und Technik in einer mittelfristigen Zukunft von etwa 30 bis 50 Jahren – "ungefähr die Lebensspanne einer Generation", sagt Brandt. Die Verantwortlichen haben dafür mit Wissenschaftlerinnen und Bürgern gesprochen.

Das Ergebnis wirkt erst mal überraschend unspektakulär: Im Denkraum Technik begegnet man meterhohen, weiß beleuchteten Wänden. Sie sehen aus wie die Informationstafeln, die man auch aus anderen Museen kennt. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt überall kleine interaktive Gimmicks: Videos, die das Sonnensystem erklären; Sensoren, die anhand der Gehirnströme erkennen sollen, ob wir entspannt oder gestresst sind; Tablets, die einem mehr Informationen zu einer kleinen Modellstadt verraten. Dazwischen immer wieder Kunstwerke wie etwa eine Lichtinstallation, die ein Rechenzentrum darstellen soll. Es sind Motive wie gemacht für die Generation Instagram.

Einfach nur fotografieren oder Informationen aufsaugen, das ist im Futurium aber nicht gewünscht. Die Erklärtexte sind kurz, die Menschen sollen selbst ausprobieren und erleben. Im Denkraum Mensch kann man auf einem Display mit einer Umfrage seinen eigenen Konsum überprüfen und bekommt dargestellt, wie viel man eigentlich verbraucht. In der Nähe stehen kleine Hefte mit Titeln wie "Leihen und teilen", "Autofrei unterwegs" oder "Vegetarisch essen". Darin zu finden sind eine Liste mit Pilotprojekten, die es schon heute gibt. Wer will, darf auf freien Seiten eigene Ideen ergänzen. Denkanstöße und Lösungsansätze liegen hier nah beieinander.