Der renommierte Hirnforscher Niels Birbaumer und dessen Mitarbeiter sind nach Vorwürfen der Datenfälschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für mehrere Jahre gesperrt worden. Sie wirft den Forschern in mehreren Fällen wissenschaftliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit einer Studie über die Kommunikation mit gelähmten Patienten vor. Birbaumer werde für fünf Jahre von der Antragsberechtigung und von jeder Gutachtertätigkeit bei der DFG ausgeschlossen, sein Mitarbeiter für drei Jahre, teilte sie mit.

Birbaumer hatte im Jahr 2014 Patienten mit der Nervenkrankheit ALS untersucht und die Ergebnisse 2017 im Fachmagazin Plos Biology veröffentlicht. Sie galten als Sensation: Die vollständig gelähmten und sprachunfähigen Menschen sollten Fragen in Gedanken beantworten, während die Wissenschaftler mit einer speziellen Kopfhaube und Computern ihre Hirnaktivität maßen. Der Studie zufolge sollte auf diese Weise eine Kommunikation möglich sein.

Einen ersten Hinweis auf mögliche Fehler in der Studie gab ein Postdoktorand bereits 2018. Mehrere Untersuchungen konnten die Vorwürfe gegen die Studie nicht entkräften, unter anderem prüfte eine Kommission der Universität Tübingen die Vorwürfe und attestierte Birbaumer Datenverfälschung. Zwei weitere Hinweisgeber hatten die Vorwürfe im April dieses Jahres bestätigt und erweitert. Die DFG leitete gesonderte Untersuchungen ein, weil sie Birbaumers Studie mit Fördergeldern unterstützt hat.

Niels Birbaumer steht zu seinen Ergebnissen

Diese will die DFG nun zurückfordern, sofern sie in die zwei Publikationen flossen, in denen Falschangaben festgestellt wurden. Außerdem werde Birbaumer aufgefordert, die betreffenden Publikationen zurückzuziehen.

Birbaumer selbst hatte seine Forschungen stets verteidigt und die Vorwürfe zurückgewiesen. Nach der Entscheidung der DFG räumte Birbaumer "Unzulänglichkeiten bei der Publikation" ein. Die Untersuchungen der schwer kranken Menschen hätten immer wieder unterbrochen werden müssen, weil der Zustand der Patienten dies erfordert habe. Deshalb sei unter anderem nicht jeder einzelne Schritt der Datenauswertung beschrieben und durch begleitende Videoaufnahmen dokumentiert worden, sagte Birbaumer.

Der Hirnforscher steht aber nach wie vor zu den Ergebnissen seiner Untersuchungen: Es sei möglich, mit Patienten zu kommunizieren, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen Nervenerkrankung vollständig gelähmt seien und als "komplett eingeschlossen" gälten, sagte er.