ZEIT ONLINE: Auf die Mitgliedstaaten der Esa kommen noch weitere Kosten zu: Knapp 2,7 Milliarden Euro sind für den Bereich Raumtransportsysteme eingeplant, unter anderem für die ersten Betriebsjahre der neuen Trägerrakete Ariane 6, die 2020 erstmals abheben soll. Ist das das Eingeständnis, dass die Rakete – anders als geplant – doch nicht ohne Subventionen auskommen wird?

Wörner: Unsere Bemühungen waren immer, dass die Ariane 6 im normalen Betrieb keine Zuschüsse mehr braucht. Aber hier müssen wir ganz sachlich und ruhig feststellen: Als dieser Beschluss 2014 gefasst wurde, gab es die Erfolgsgeschichte von SpaceX mit sehr niedrigen Startpreisen noch nicht. Der Markt ist ziemlich schwierig geworden.

ZEIT ONLINE: Mitte Oktober haben Frankreich und Deutschland die "strategische Bedeutung" der Ariane 6 für einen eigenständigen europäischen Zugang zum All betont. Heißt das, Europa braucht die Ariane 6, koste es, was es wolle?

Wörner: Wenn ich etwas aus strategischen Gründen unbedingt benötige, sind die Kosten vielleicht nicht der höchste Wert, das stimmt. Das darf aber nicht automatisch zu höheren Preisen führen. Im Gegenteil: Wir diskutieren bereits jetzt – obwohl die Ariane 6 noch kein einziges Mal geflogen ist – über ihre Weiterentwicklung, um künftig die Kosten zu senken.

ZEIT ONLINE: Kann das überhaupt funktionieren? Als die neue Rakete beschlossen wurde, sollte sie 50 Prozent billiger sein als die heutige Ariane 5. Inzwischen ist aus Kreisen der Industrie nur noch von 40 Prozent die Rede.

Wörner: Ich spreche weiter von 50 Prozent, weil das so in unseren Beschlüssen steht. Wenn die Industrie nur 40 Prozent schafft, muss sie sehen, wie sie die Differenz selbst erwirtschaftet bekommt und wie sie das Ganze am Markt umsetzt.

ZEIT ONLINE: Gerade einmal sieben Prozent des Esa-Budgets sind schließlich für den Kampf gegen Bedrohungen aus dem All eingeplant: gegen Sonnenstürme, Asteroiden, Weltraumschrott. Ist das nicht etwas wenig?

Wörner: Wir reden immerhin über 900 Millionen Euro beim Thema Sicherheit. Für ein Programm, das wir gerade neu definieren, finde ich das gar nicht schlecht.

ZEIT ONLINE: Eines der geplanten Projekte, eine Mission zur Asteroidenabwehr, bei der gemeinsam mit den Amerikanern der Beschuss eines Asteroiden ausgewertet werden soll, ist bereits beim letzten Treffen vor drei Jahren durchgefallen. Warum soll das dieses Mal anders sein?

Wörner: Ich glaube, mittlerweile haben die Mitgliedstaaten mehr Verständnis dafür entwickelt, wie wichtig die Missionen zur Sicherheit im Weltraum sind. Deshalb wollen auch mehr Länder mitmachen.

ZEIT ONLINE: Warum ist es generell so schwierig, Geld für diese Herausforderungen zu bekommen?

Wörner: Beim Thema "Sicherheit im Weltall" hört man aus der Politik oft: Na, dass so ein Asteroid herunterkommt, wird schon nicht während meiner Amtsperiode passieren. Oder: Das da oben, das ist doch nicht unser Weltraumschrott.

ZEIT ONLINE: Und wie wollen Sie das ändern?

Wörner: Wir müssen verstärkt über das Thema Verantwortung argumentieren. Der Schutz der Infrastruktur vor Gefahren aus dem All, wie Sonnenstürme, Asteroiden und Weltraumschrott, ist von großer Bedeutung. Wir schauen aus dem All auf den Klimawandel, auch das ist ein Teil der Verantwortung.