Heute Nacht fallen die Sterne vom Himmel. Oder so ähnlich. Genau genommen ist das, was derzeit als Feuerwerk vom Nachthimmel herniedergeht, kein Schauer aus Sternenstückchen. Es sind maximal faustgroße Brocken, die der Komet Temple-Tuttle im Vorbeiflug an der Erde verloren hat. Weil die Erde auf ihrer Bahn gerade dessen Schrottspur durchkreuzt, verglühen einige davon dieser Tage als Meteore in der Erdatmosphäre. 

Leoniden heißt dieser jährlich wiederkehrende Sternschnuppenregen aus Richtung des Sternbildes Löwe (auf Latein: Leo), der in der Nacht zum 18. November seinen Höhepunkt erreicht. Die besten Chancen, einen Blick auf wenigstens einige der Sternschnuppen zu erhaschen, bestehen weit nach Mitternacht. Bei optimalen Bedingungen könnten in unregelmäßigen Abständen 15 bis 20 Meteore pro Stunde beobachtet werden, berichten Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) – doch das Wetter spielt in diesem Jahr voraussichtlich nicht mit. In der Westhälfte Deutschlands ist nach aktuellen Vorhersagen mit starker, im Rest des Landes mit wechselnder Bewölkung zu rechnen.

Der Mond stört die Sicht zusätzlich

Außerdem wird der abnehmende Halbmond mit seinem Schein den Nachthimmel erhellen, weshalb schwächere Sternschnuppen nicht zu sehen sein werden, sagte Sven Melchert, Vorsitzender der Vereinigung der Sternfreunde, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).


Ohnehin fällt der Leonidenschauer in diesem Jahr vergleichsweise schwach aus. Wirklich spektakulär waren die Sternschnuppennächte im Herbst für die Menschen im Mittelalter: Damals erlebte die Menschheit einige der stärksten Meteorschauer in der Geschichte. Heutzutage weist der Strom der Leoniden meist nur noch ein schwaches Maximum auf. Lediglich alle 33 Jahre, wenn der Komet Tempel-Tuttle auf seiner Bahn das Innere unseres Sonnensystems durchquert, könne die Zahl der Sternschnuppen kurzzeitig auf mehrere Tausend pro Stunde ansteigen, berichtet der DWD. Mit mehr als 1.000 Sternschnuppen pro Stunde sei während der Leoniden aber erst wieder im Jahr 2094 zu rechnen.

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Was sind Sternschnuppen?

Was sind Sternschnuppen?

Es regnet wieder Meteore! Aber was fällt da eigentlich genau vom Himmel? Eine kurze Erklärung für Einsteiger

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© Ethan Miller/Getty Images
Staub verglüht

Staub verglüht

Wird Astrostaub bei 200.000 km/h in der Erdatmosphäre zu Ionenplasma, ist die Nacht am schönsten. So entstehen, kurz gesagt, Sternschnuppen.

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Christian Friedrich Hebbel

Christian Friedrich Hebbel

War Lyriker, kein Astrophysiker. Recht hatte er trotzdem.

Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht!

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Doch ganz von vorn

Wissen Sie, was Sternschnuppen sind?

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Richtig. Sobald ein Meteoroid in die Erdatmosphäre eintritt, wird er zum Meteor und somit zur Sternschnuppe. Meteoroide sind alle Kleinstkörper, die durch das Weltall fliegen – von wenigen Millimetern bis hin zu einigen Metern Durchmesser.

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Leider falsch. Sternschnuppen sind verloren gegangener Staub von Asteroiden und Kometen. Die dicken Brocken können auch aus anderen Sonnensystem stammen. Das ist aber sehr selten. Asteroiden bestehen aus Metall und Gestein, Kometen aus Eis und Staub. Letztere verlieren mehr Material bei der Sonnenumrundung und sorgen auch für mehr Sternschnuppen.

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Leider falsch. Normalerweise verglühen Sternschnuppen in 80 Kilometern Höhe. Das Auge erkennt die Sternschnuppen trotzdem. In der Großstadt sind dazu 4 mag (Magnitude, die scheinbare Helligkeit) notwendig, auf dem Land reichen auch mal 6 mag. Je kleiner die Magnitude, desto heller der Stern. Das Verhältnis von einer Magnitude ist ungefähr 2,5 und logarithmisch gekoppelt. 4 mag sind demnach 6 mal heller als 6 mag.

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Dennoch bleibt der Herbst eine besondere Zeit für Astronomen. Schon seit Anfang November sind die Leoniden aktiv, noch bis zum 30. November werden sie am Nachthimmel vermehrt zu sehen sein.

Wer in der Nacht zu Montag doch eine Wolkenlücke findet und sich an einem Ort mit wenig Lichtverschmutzung – also weit weg von städtischer Beleuchtung – aufhält, kann alle drei Minuten mit einer Sternschnuppe rechnen. Die Schrottteilchen des Kometen treten mit Geschwindigkeiten von bis zu 250.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein, werden dort durch Reibung abgebremst und auf mehrere Tausend Grad Celsius aufgeheizt. Dabei ionisieren die Luftmoleküle, was die hellen Lichtspuren hervorruft, die wir von der Erde aus als Sternschnuppen sehen. All das geht so schnell, dass den Meteor verpasst, wer auch nur einen Sekundenbruchteil nicht hinschaut.

Bald glüht das Einhorn!

Wesentlich spektakulärer könnte der nächste Sternschnuppenregen ausfallen, mit dem Meteorologinnen und Meteorologen in den Morgenstunden des 22. Novembers rechnen. Ein relativ unbekannter Meteorstrom, die Alpha-Monocerotiden, könnte in diesem Jahr einen "regelrechten Meteorsturm mit bis zu 1.000 Sternschnuppen (pro Stunde) erzeugen", berichtet der DWD. Der scheinbare Ursprung dieses astronomischen Feuerwerks kommt aus Richtung des Sternbilds Einhorn (auf Latein: Monoceros).