In der zentralchinesischen Metropole Wuhan hat sich eine bisher unbekannte Lungenkrankheit ausgebreitet. Auslöser ist offenbar ein neuartiges Coronavirus. Chinesische Forscherinnen und Forscher hätten die Gensequenz des Erregers entziffert, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Zwar würden sich die Menschen nicht allzu leicht gegenseitig mit dem Erreger anstecken, dennoch zeigen sich die Expertinnen und Experten besorgt: Zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar besuchen Millionen Menschen das Land und könnten die Ausbreitung des Erregers verstärken.

Bislang ist die Infektion bei 59 Menschen bestätigt. Acht Erkrankte seien inzwischen geheilt und hätten das Krankenhaus wieder verlassen. Der Zustand von sieben Patienten galt zuletzt als kritisch. Todesfälle gibt es bislang nicht. Nach Meldungen aus Hongkong und Singapur wurde erstmals auch aus Südkorea ein Verdachtsfall gemeldet. Es handle sich um eine 36-jährige Chinesin, die im vergangenen Monat Wuhan besucht habe, berichteten die Behörden. Sie werde in einem Krankenhaus in Bundang südlich von Seoul behandelt. 

Coronaviren verursachen oft harmlose Erkältungen, allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu. Die Erreger kommen bei Menschen und in der Tierwelt vor. Dabei kann es zu Infektionen zwischen unterschiedlichen Tierarten als auch zwischen Tier und Mensch kommen. Als Herkunftsort wurde in Wuhan ein Markt verdächtigt, wo neben Fischen auch Wildtiere verkauft wurden. Der Markt ist inzwischen geschlossen.

Vorsichtsmaßnahmen an Flug- und Bahnhöfen werden erhöht

"Ich möchte jeden daran erinnern, persönlich Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, gesund und problemlos nach Hause zu kommen", sagte Wang Yang vom chinesischen Transportministerium. "Das Auftauchen der Epidemie mag viele beunruhigen, über das Neujahrsfest zu reisen", fügte er hinzu. Die Behörden konzentrierten sich darauf, Drehscheiben für den Transport wie Flughäfen oder Bahnhöfe, wo viele Passagiere verkehrten, zu desinfizieren und zu beobachten.

Andere asiatische Staaten haben die Vorsichtsmaßnahmen insbesondere für Einreisende aus Wuhan verstärkt. Unter anderem wurden Fieberkontrollen eingeführt, um eine Epidemie zu vermeiden. In Hongkong gibt es bisher 16 Verdachtsfälle, in Singapur wurde eine mögliche Betroffene gemeldet. Nicht in allen Fällen gibt es einen direkten Bezug zu Wuhan.

US-Botschaft spricht Reisewarnung aus

Die US-Botschaft in Peking gab eine Reisewarnung aus. Reisende nach Wuhan sollen demnach Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder auch ungekochtes Fleisch meiden. Auch sollten sie kranken Personen aus dem Weg gehen und sich die Hände häufig mit Seife und Wasser waschen. Wer in Wuhan gewesen sei und sich krank fühle, solle sofort medizinische Hilfe suchen und den Kontakt mit anderen vermeiden, hieß es weiter. Bevor der Arzt aufgesucht werde, solle die Praxis oder Klinik über die Reisegeschichte und die Symptome unterrichtet werden.

Die WHO erließ ausdrücklich keine besondere Reisewarnung. In einer Mitteilung wurden lobend erwähnt, dass die Identifikation eines neuen Virus in kurzer Zeit eine "bemerkenswerte Errungenschaft" sei. Es demonstriere die gewachsenen Fähigkeiten Chinas, mit solchen Ausbrüchen umzugehen. Nach chinesischen Medienberichten wurde die Gensequenz des Virus bei einem Patienten identifiziert und bei 15 weiteren Erkrankten bestätigt.