Lungenkrankheit - Forscher züchten Coronavirus in Labor nach Die Zahl der Infizierten steigt: In China sind mittlerweile 5.974 Menschen am Coronavirus erkrankt. In Australien haben Wissenschaftler das Virus im Labor nachgezüchtet. © Foto: Ma Ping/dpa

Wegen der steigenden Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus evakuieren Länder wie Japan und die USA ihre Staatsangehörigen aus China. Ein Flugzeug mit 206 Japanerinnen und Japanern, die sich zuvor in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aufgehalten hatten, landete an Tokios internationalem Flughafen Haned. Wuhan gilt als Ausgangspunkt des neuen Virus und wurde praktisch von der Außenwelt abgeriegelt. "Ich war sehr besorgt, dass ich dort feststecke", sagte Takeo Aoyama, ein Mitarbeiter des Unternehmens Nippon Steel, nach seiner Ankunft in Tokio. "Ich bin sehr erleichtert."

US-Diplomaten zufolge verließ auch eine US-Chartermaschine mit 220 Menschen an Bord Wuhan. Wie viele Menschen an Bord waren, wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Das US-Außenministerium habe den Flug für Mitarbeiter der US-Regierung in Wuhan organisiert, bestätigte ein Sprecher der US-Botschaft in Peking. Wenn ausreichend Platz zur Verfügung stünde, würden auch US-Bürgern Plätze angeboten, die aber bezahlt werden müssten, hieß es im Vorfeld des Fluges. Alle Reisenden seien vor Abflug am Flughafen auf Symptome untersucht worden.

Die US-Regierung prüft zudem die Aussetzung von Flügen nach China. "Alle Optionen für den Umgang mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten müssen geprüft werden, einschließlich Reisebeschränkungen", sagte US-Gesundheitsminister Alex Azar.

100 Deutsche wollen China verlassen

Derzeit laufen auch Abstimmungen mit chinesischen und hessischen Behörden, um Deutsche auszufliegen. Die Maschine solle dann in Frankfurt landen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn im ZDF. "Wir müssen vorbereiten, wie hier mit den Passagieren weiter verfahren wird." Es hätten sich etwa 100 Ausreisewillige gemeldet. Menschen mit Krankheitssymptomen würden aber nicht an Bord gelassen.

Chinas Fußballnationalteam der Frauen ist derweil bei ihrer Ankunft in Australien für die Olympiaqualifikationsspiele unter Quarantäne gestellt worden. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge, soll sich das Team bis zum 5. Februar in seinem Hotel in Brisbane aufhalten. Am 22. Januar soll sich die Auswahl noch in Wuhan aufgehalten haben, der als Ausgangspunkt des neuen Coronavirus geltenden Stadt. Nach Aussagen der zuständigen Gesundheitsverantwortlichen von Queensland sollen 32 Personen erst vor einer Woche durch das vom Virus stark betroffene Gebiet gereist sein. Symptome sollen bei bisher keiner Person aus der Delegation festgestellt worden sein.

British Airways setzt Flüge nach China aus

In China stieg die Zahl der Toten von 106 auf 132. Fluggesellschaften wie British Airways und die indonesische Lion Air wollen ihre Flüge in das Land stoppen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten derweil an einem Impfstoff. Bis Dienstag wurden 1.459 neue Erkrankungen gemeldet, damit gibt es inzwischen fast 6.000 Krankheitsfälle – die meisten davon in China. Damit ist die Zahl inzwischen höher als bei der Sars-Epidemie. Außerhalb Chinas sind bislang 15 Länder betroffen, darunter die USA, Frankreich und Singapur. In Deutschland gibt es vier bestätigte Fälle.

Nachdem bekannt geworden war, dass mehrere Mitarbeiter des deutschen Automobilzulieferers Webasto in Bayern mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, hat das Unternehmen seinen Standort in Stockdorf vorübergehend geschlossen. Darüber hinaus würden auch alle nationalen und internationalen Dienstreisen bis Sonntag eingestellt.

Die Sperre für Dienstreisen nach China gelte sogar für zwei Wochen, teilte das Unternehmen weiter mit. Am Mittwoch soll demnach zudem mit "systematischen" Tests von Kontaktpersonen der vom Virus betroffenen Mitarbeiter durch ein Ärzteteam begonnen werden. Die Krankheitsverläufe der Patienten seien nach jetzigem Stand "sehr, sehr milde", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im ZDF-Morgenmagazin.

Toyota schließt Werke in China

Auch der japanische Autobauer Toyota reagiert mit einer Schließung seiner Werke in dem Nachbarland. Man habe entschieden, den Betrieb der Fabriken bis zum 9. Februar auszusetzen, teilte eine Sprecherin des Konzerns in Tokio mit. Man werde die Situation beobachten und entscheiden, wie ab dem 10. Februar weiter vorgegangen werde.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass sich insgesamt vier Webasto-Mitarbeiter mit dem neuartigen Virus aus China infiziert haben. Dem bayerischen Gesundheitsministerium zufolge hatten sie zuvor Kontakt mit einer mit dem Virus infizierten Kollegin aus China, die sich am 21. Januar zu einer Schulung an dem bayerischen Standort aufgehalten hatte. Bei der Chinesin war die Infektion den Angaben zufolge erst nach ihrer Rückkehr nach China diagnostiziert worden.

Coronavirus ist im Nahen Osten angekommen

Die Vereinigten Arabischen Emirate bestätigten am Mittwoch den ersten Verdachtsfall, wie die staatliche Nachrichtenagentur WAM unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Die betroffene Person sei aus der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan gekommen.

Ein Markt in Wuhan gilt als Ausgangspunkt des Virus. Die meisten Infizierten und Toten gibt es in der dazugehörigen Provinz Hubei. Neben China gibt es in Asien bestätigte Fälle von Infektionen in Thailand, Taiwan, Singapur, Malaysia, Japan, Südkorea, Vietnam, Nepal, Kambodscha und Sri Lanka. In Europa sind bisher Frankreich und Deutschland betroffen. Auch Australien, Kanada und die USA meldeten bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus.

Virus im Labor in Australien nachgezüchtet

Australische Wissenschaftler haben im Labor das tödliche Coronavirus nachgezüchtet. Das teilte das Peter Doherty Institut für Infektionen und Immunität in Melbourne mit. Das Virus sei von einem infizierten Patienten entnommen und erfolgreich nachgezüchtet worden. Nunmehr könne in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Gegenmittel gearbeitet werden. Der Leiter des Virenlabors sprach von einem "bedeutenden Durchbruch".

Konkret könnten Wissenschaftler etwa einen Antikörpertest entwickeln, mit dem das Coronavirus bei Patientinnen und Patienten nachgewiesen werden kann, bevor diese Symptome aufweisen. Auf diese Weise könne ein "genaueres Bild der Verbreitung des Virus und damit der tatsächlichen Sterblichkeitsrate" erstellt werden, sagte der stellvertretende Institutsleiter Mike Catton. Auch für die Entwicklung eines Impfstoffs sei die Nachzüchtung hilfreich, fügte Catton hinzu.

Anders als während der Sars-Epidemie der Jahre 2002 und 2003 hatte China das Genom des neuartigen Coronavirus rasch entschlüsselt und öffentlich gemacht. Das Virus selbst stellte Peking ausländischen Labors aber nicht zur Verfügung. Dies werden die australischen Wissenschaftler jetzt über die Weltgesundheitsorganisation WHO tun.