Die Zahl der Toten durch das neue Coronavirus ist in China auf mehr als 1.000 Menschen gestiegen. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden seien weitere 108 Menschen gestorben, teilte die chinesische Gesundheitskommission mit.

Allein 103 neue Opfer wurden aus der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei gemeldet. Während die Zahl der Toten so schnell stieg wie noch nie seit Ausbruch der Krankheit, ging die Zahl neuer Infektionen im Vergleich zum Vortag zurück. Landesweit wurden 2.478 weitere Erkrankungen gemeldet, somit stieg die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen auf dem chinesischen Festland auf 42.638.

Die chinesische Regierung führt nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierte Personen, die aber keine Symptome zeigen, nicht mehr in der Statistik der Ansteckungen. Erst wenn Krankheitssymptome auftreten, werden die Personen als "infiziert" geführt. Wie viele Infektionen nicht mehr erst erfasst werden, ist unklar. Generell dürfte die Dunkelziffer nicht registrierter Fälle immens sein. Ein Grund dafür, dass die Statistik geändert wurde, wurde nicht genannt. Unklar ist auch, ob aus diesem Grund die Zahl der Ansteckungen mit der Lungenkrankheit zurückgegangen ist.

Unterdessen sprach Chinas Präsident Xi Jinping von einer weiterhin sehr ernsten Situation, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. China werde aber im Kampf gegen die Epidemie "mit Sicherheit einen vollen Sieg erringen".

Xi Jinping machte die Bemerkungen bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte seit Ausbruch der Krankheit. Staatsmedien zeigten den Präsidenten beim Besuch einer Wohnanlage und eines Krankenhauses in Peking, bei dem er einen weißen Kittel und Mundschutz trug. Der Parteichef forderte laut Xinhua, die Auswirkungen der Epidemie auf die Wirtschaft zu minimieren. Massenentlassungen sollten vermieden werden. Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die Wirtschaft seien "nur von kurzer Dauer".

China feuert Chefs der Gesundheitskommission

Der Ausbruch des Coronavirus zieht personelle Konsequenzen nach sich: Chinas Staatsfernsehen berichtet, dass die Chefs der Gesundheitskommission in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei entlassen worden sind. Zhang Jin, Parteisekretär der Gesundheitskommission von Hubei, und Liu Yingzi, der Direktor der Behörden, wurden demnach abgelöst.

Nach der Zwangsverlängerung der Ferien um das chinesische Neujahrsfest begannen viele Städte langsam damit, die Arbeit wieder aufzunehmen. In Peking und Shanghai blieben U-Bahnen und andere öffentliche Verkehrsmittel in der Hauptverkehrszeit zu Beginn der Woche ungewöhnlich leer, was darauf hindeutete, dass viele Unternehmen noch geschlossen waren oder ihre Mitarbeiter baten, von zu Hause zu arbeiten.

Betroffen sind auch viele deutsche Firmen. Volkswagen teilte am Montag mit, die Produktionsaufnahme seiner Fabriken in China wegen der anhaltenden Epidemie noch einmal verschoben zu haben. Die landesweiten Lieferketten würden nur verzögert wieder aufgenommen, außerdem seien die Reisemöglichkeiten für Mitarbeiter begrenzt. Den Erwartungen nach könne die Produktion spätestens Anfang nächster Woche in allen Fabriken wieder anlaufen.

WHO richtet Expertengipfel aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtet am Dienstag und Mittwoch einen Expertengipfel zum Coronavirus aus. Die WHO erhofft sich so einen schnellen und fundierten Austausch der bisherigen Erkenntnisse zu der Lungenkrankheit. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, bei der Konferenz solle die Wissenschaft im Fokus stehen. Eine Politisierung der Veranstaltung lehnte er ab. "Lassen Sie uns auf diesen allgemeinen Feind der Menschheit konzentrieren", sagte Tedros.

Die weltweit führenden Fachleute wollen sich in den zwei Tagen unter anderem mit Therapien und mit der möglichen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen. Auch mögliche Impfungen sollen thematisiert werden.

Laut WHO nehmen 80 Prozent der Fälle einen milden Verlauf. Dennoch sei es gerade jetzt wichtig, das Virus energisch zu bekämpfen. "Wir sollten als ein Menschengeschlecht hart daran arbeiten, dieses Feuer zu bekämpfen, bevor es außer Kontrolle gerät", sagte Tedros.

Außerhalb Chinas sind bislang mehr als 300 Infektionen nachgewiesen worden, davon 14 in Deutschland.

Coronavirus - Wuhan-Rückkehrer bisher symptomfrei Die 20 Deutschen, die aus dem chinesischen Wuhan nach Berlin gebracht wurden, zeigen bisher keine Symptome des Coronavirus. 14 Tage sollen sie in Quarantäne bleiben. © Foto: Reuters/Annegret Hilse